Aktualisiert 07.07.2015 13:55

Zu wenig Techniker

SBB-Störungen – Pendler müssen sich weiter ärgern

Aufgrund des Spardrucks fehlen den SBB kompetente Techniker. Deshalb dauert es oft lange, bis Störungen behoben werden können. Jetzt wird Kritik laut.

von
vro
Für Pendler ist die rote Anzeige oft schon wie ein rotes Tuch. Nun zeigt sich: Störungen könnten mit mehr Personal viel schneller behoben werden.

Für Pendler ist die rote Anzeige oft schon wie ein rotes Tuch. Nun zeigt sich: Störungen könnten mit mehr Personal viel schneller behoben werden.

Stellwerkstörungen, Fahrleitungsstörungen, Stromausfall – bei solchen Stichwörtern beginnen die Köpfe der Pendler meist schon zu rauchen. Sie verheissen meist langes Warten und umständliches Reisen. Nun zeigt sich, dass der Personalmangel das Problem noch verschärft. Die SBB haben schlicht zu wenig kompetente Techniker, die im Fall einer Störung rasch vor Ort sein und das Problem innert kürzester Frist beheben können.

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) hat nun genug. Auslöser ihrer Kritik ist die Panne in der Westschweiz vom vergangenen Freitag. Auf der Linie Lausanne–Genf kam es zu einer Fahrleitungsstörung, die den Zugbetrieb bis nach Zürich über mehrere Stunden beeinträchtigte.

Die SBB schieben die Ursache für solche Probleme auf die Verkehrsdichte im Schienennetz, die in der Schweiz höher ist als je zuvor. Doch der SEV sieht den Kern woanders: Die SBB hätten ihr technisches Personal zentralisiert, weshalb sie nicht schnell genug reagieren könnten. «Vor dem Jahr 2000 war das Wartungspersonal viel näher an den Bahnhöfen stationiert», sagt SEV-Sprecher Peter Moor-Trevisan zum «Matin Dimanche». Dem sei heute nicht mehr so. Doch mit der zusätzlichen Wegzeit zur Störung verlängere sich auch die Wartezeit für die Bahnkunden.

Hinzu komme, dass ein Spezialist bei einem Einsatz erst die Erklärung abgeben müsse, dass die Strecke nicht mehr unter Hochspannung stehe. Und diese Spezialisten sind ebenfalls Mangelware. «Für die Genferseeregion gibt es etwa zwei oder drei, die eine solche Erlaubnis erteilen können», so Moor-Trevisan. Deshalb daure die Behebung einer Störung manchmal ausserordentlich lange.

Die SEV habe bereits «wiederholt» versucht, die SBB dazu zu bewegen, personaltechnisch eine andere Richtung einzuschlagen. Ohne Erfolg. Die SBB würden in dieser Sache wirtschaftlich denken. Moor-Trevisan: «Es ist klar erkennbar, dass sie überhaupt keine Absicht haben, etwas zu ändern.»

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