Winterthur: SBB-Taubenjäger schockiert Passant

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WinterthurSBB-Taubenjäger schockiert Passant

Um die Taubenpopulation in den Griff zu kriegen, schickten die SBB einen Taubenjäger zum Bahnhof Winterthur. Ein Passant, der die Aktion beobachtete, ist entsetzt.

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vro

Am Bahnhof Winterthur hat ein Taubenjäger der SBB in der Nacht auf Freitag Dutzende Vögel geschossen, weil die Population zu stark gewachsen war. Insgesamt 60 Tauben nahm der Jäger an diesem Abend ins Visier. Die Massnahme war nötig, wie SBB-Sprecher Reto Schärli erklärt. Die sonstigen Massnahmen wie Netze oder Metallstifte, die die Tauben vom Nisten abhalten sollen, waren nicht erfolgreich. «Wir haben vermehrt Reaktionen von Kunden erhalten und auch den Mitarbeitern sind stärkere Verunreinigungen aufgefallen.»

Tummeln sich zu viele Vögel über den Köpfen der wartenden Passagiere, könne dies zum Problem werden. Der Kot der Tauben könnte auch die Leute treffen, sagt Schärli. Taubenkot kann zudem zum hygienischen Problem werden, da er Viren, Salmonellen und andere Bakterien enthalten kann, wie etwa die Stadt Zürich auf ihrer Internetseite festhält.

Sind alle anderen Massnahmen fehlgeschlagen, kommen bei den SBB deshalb der speziell dafür ausgebildete Taubenjäger zum Einsatz. Dafür brauche man jedoch auch eine Bewilligung der Standortgemeinde. «Es ist wie beim Wild, wo der Jäger als Regulator funktioniert», sagt Schärli.

Nistplätze und Plakate gegen unkontrollierte Verbreitung

Die Taubenjagd finde jedoch nur nachts zu Randzeiten statt. Einerseits aufgrund der Sicherheit, andererseits auch weil viele Leute die Massnahme nicht verstehen würden. So hat sich denn auch ein Leser-Reporter bei 20 Minuten gemeldet. Er spricht von einer «unglaublichen Tat». Und: «Sie waren mit einem langen Luftgewehr unterwegs und schossen die schlafenden Tauben am Hauptbahnhof ab. Nicht alle Tauben waren sofort tot. Danach wurden alle in einem durchsichtigen Plastiksack entsorgt.»

Schärli betont jedoch, dass sich die Taubenpopulation am Bahnhof ungehindert verbreiten würde, wenn man nicht eingreife. Ein Problem sei auch, dass gewisse Leute die Vögel fütterten. Zusammen mit den Gemeinden versuche man deshalb auch andere Lösungen zu finden. In mehreren Städten weisen etwa Plakate darauf hin, die Vögel nicht zu füttern. In Winterthur wurde 2001 ein Taubenschlag eröffnet, der die schonende Dezimierung ermöglichen soll. Wächst die Population zu rasant an, können die Eier aus den Nistplätzen entfernt werden.

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