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Je nach BuchungsartSBB-Ticket für gleiche Strecke kostet unterschiedlich viel

Ein ÖV-Billett für die exakt gleiche Strecke kann im SBB-Shop verschiedene Preise haben – je nachdem, ob man es direkt von A nach B oder etappenweise kauft. Das Problem ist seit langem bekannt, eine Lösung in weiter Ferne.

von
Céline Krapf
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So kommt ein etappenweise gelöstes ÖV-Ticket für gewisse Strecken günstiger, als wenn man dies direkt von A nach B kauft.

So kommt ein etappenweise gelöstes ÖV-Ticket für gewisse Strecken günstiger, als wenn man dies direkt von A nach B kauft.

SBB
Das Phänomen tritt auf, weil im Schweizer ÖV zwei Tarifsysteme gelten.

Das Phänomen tritt auf, weil im Schweizer ÖV zwei Tarifsysteme gelten.

SBB
So werden bei der direkten Buchung dieser Stationen automatisch City-Tickets verrechnet – obwohl nur eine Einzelfahrt nötig wäre.

So werden bei der direkten Buchung dieser Stationen automatisch City-Tickets verrechnet – obwohl nur eine Einzelfahrt nötig wäre.

Darum gehts

  • Im Webshop der SBB können Tickets unterschiedlich teuer ausfallen, je nachdem wie die Strecke gelöst wird.

  • Das Phänomen trete auf, weil im Schweizer ÖV zwei Tarifsysteme gelten, teilt der zuständige Verband Alliance Swisspass mit.

  • Pro Bahn fordert eine Lösung des Problems.

Je nachdem wie eine Strecke im SBB-Shop gebucht wird, kann sie mehr oder weniger kosten. So kommt ein etappenweise gelöstes Ticket teilweise günstiger, als wenn man dies direkt von A nach B kauft. Bis zu 10 Franken kann mit dem Mehraufwand gespart werden.

Konkret heisst dies beispielsweise, dass die einfache Strecke vom Escher-Wyss-Platz in Zürich zur Haltestelle Parkstrasse in Bern direkt im Webshop der SBB gebucht mit Halbtax drei (mit Halbtax) bis fünf Franken (ohne Ermässigung) teurer ist, als wenn Tram-, Zug- und Busticket etappenweise gekauft werden – retour macht das einen Unterschied von bis zu zehn Franken.

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Ein Beispiel: Löst man das Ticket direkt, kostet dies im SBB Webshop 33.60 Franken mit Halbtax… 

Ein Beispiel: Löst man das Ticket direkt, kostet dies im SBB Webshop 33.60 Franken mit Halbtax…

Screenshot SBB Webshop
…kauft man das Billet aber etappenweise kostet es 30.10 Franken und damit rund drei Franken weniger.

…kauft man das Billet aber etappenweise kostet es 30.10 Franken und damit rund drei Franken weniger.

Screenshot SBB Webshop

Teil-Lösung erst ab nächstem Fahrplanwechsel

Das Phänomen trete auf, weil im Schweizer ÖV zwei Tarifsysteme gelten, schreibt Mediensprecher Thomas Ammann des zuständigen Verbands Alliance Swisspass. Im Preissystem seien deshalb gewisse Haltestellen nicht abgebildet, da sie nur Teil der Tarifverbünde seien. So werde bei der direkten Buchung dieser Stationen automatisch City-Tickets verrechnet – obwohl nur eine Einzelfahrt nötig wäre. Und diese sind nicht abwählbar. «Möchte man das nicht, muss man zwei separate Billettkäufe tätigen», schreibt Ammann. Betroffen sind laut Mediensprecher Strecken im Bereich des Zürcher Verkehrsverbunds, Biel, Lausanne und Genf.

Man habe so viele unterschiedliche Tickets zusammengebaut, dass das ganze System mittlerweile komplett überfordert sei, sagt Bastian Bommer-Denss vom Verein Pro Bahn. «Die Preisgestaltung ist unübersichtlich und deshalb unbefriedigend aus Kundensicht». Der Interessensverband sei nicht einverstanden mit dieser Handhabung: «Ganz schlimm finde ich, wenn der Konsument gezwungen wird, das teurere Ticket zu kaufen.» Pro Bahn fordert deshalb, dass zwischen Strecken- und Cityticket ausgewählt werden kann. Bei der nächsten Besprechung mit dem Verband Alliance Swisspass werde er das Problem erneut ansprechen, sagt Bommer-Denss.

Problem ist seit langem bekannt

Denn bei diesem ist eine Lösung in den nächsten Monaten nicht eingeplant. Das Problem besteht seit Jahren: So berichtete im Mai 2019 der Beobachter bereits über den Preisunterschied. Damals hiess es, das Problem sei bekannt und werde 2020 mit einem neuen Tarifsystem gelöst. Die Defizite des Systems betreffen auch Spartickets: So existieren innerhalb eines Tarifverbundes keine ermässigten Tickets.

«Immer mehr Strecken in den Tarifverbünden werden auch in das Tarifsystem des nationalen direkten Verkehrs integriert», versichert Ammann. Letztes Jahr sei dies Bern gewesen, beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember sei eine Einbindung von Lausanne und Genf geplant.

Zwei Tarifsysteme in einem ÖV

«Einerseits gibt es den nationalen direkten Verkehr, der auf einer Streckenlogik basiert. Sprich, man bezahlt für die Strecke von A nach B. Andererseits gibt es die Tarifverbünde, in denen man für die benötigte Anzahl Zonen bezahlt, sich innerhalb der Zonen jedoch frei bewegen kann. Deshalb sind im Preissystem gewisse Haltestellen nicht abgebildet, da sie nur Teil der Tarifverbünde sind.» – Thomas Ammann, Mediensprecher Alliance Swisspass

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251 Kommentare
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Zugfahrer

13.01.2021, 11:12

Das ist schon seit Jahren so, ich buche manchmal Billette die sind bei gleicher Strecke nur halb so teuer .

Daniel Bühler

13.01.2021, 11:11

Hat in einem Bundesbetrieb schon irgendetwas mal richtig funktioniert? Vom Bürger fordert man permanent, dass er alles peniebel erledigt und das sofort sonst droht Busse. (Bei Kontrollen im Zug kennt die SBB kein Pardon) Beim Bund und Kanton spielt Zeit und funktionalität keine Rolle. Das dauert immer Jahre bis da mal jemand was tut und sich ein wenig bewegt. Ist ja auch kein Wunder. In einer geschützten Werkstat kann einem ja nichts passieren. Egal wie man sich verhält.

masquerade

13.01.2021, 11:00

In denselben Topf gehört auch die Tatsache, dass ich für eine Kurzstrecke von z. B. 10 Minuten Fahrt im Verhältnis einiges mehr bezahle, als für eine Strecke von 1 Stunde und mehr Fahrzeit. Halbtax ist ebenfalls eine Mogelpackung, da der Tarif nicht die Hälfte des Fahrpreises beträgt, sondern meist 2/3. Ja, liebe SBB, Sympathisanten gewinnt ihr keine mit euren Abzocktarifen.