Neue Tochtergesellschaft: SBB und DB rücken zusammen
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Neue TochtergesellschaftSBB und DB rücken zusammen

Die SBB wollen über eine Millarde Franken in neue EC-Züge investieren. Eine stärkere Kooperation mit der Deutschen Bahn soll markante Verbesserungen für die Passagiere bringen.

SBB und die Deutsche Bahn rücken zusammen.

SBB und die Deutsche Bahn rücken zusammen.

Die Flottenerweiterung ist nötig für den markanten Ausbau im Fernverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz, den die SBB und die Deutsche Bahn (DB) ins Visier nehmen: SBB-CEO Andreas Meyer und der DB-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube haben dazu am Freitag in Basel ein «Memorandum of Understanding» unterzeichnet.

Gegründet werden soll eine gemeinsame Tochtergesellschaft, die ein «gemeinsames Korridormanagement» erlaubt: Die Tochter solle über die schon seit 2006 bestehende Marketingkooperation hinaus auch Angebote kreieren und anbieten können, sagte Meyer. Ziel sind dabei täglich über 45 statt wie heute 35 Direktverbindungen.

Mehr Marktanteile

So sollen ab 2022 zwischen Basel und Karlsruhe 32 statt 25 Zugspaare, ab 2018 zwischen Zürich und München 7 statt 4 Zugspaare verkehren. Hinzu kommen 7 Zugspaare zwischen Zürich und Stuttgart. Insgesamt erhoffen sich SBB und DB so statt der heute täglich 12 500 künftig gegen 20 000 Bahnreisende auf den Strecken.

Die beiden Bahnunternehmen wollen damit Marktanteile gegenüber andern Verkehrsträgern hinzugewinnen. Im Verkehr zwischen der Schweiz und Paris liege der Anteil der Bahn bei über 50 Prozent, sagte Meyer; um diese Zielmarke zu erreichen, bestehe das Potenzial auch zwischen Deutschland und der Schweiz.

Züge auf ICE-Standard

Nötig sind indes neue, moderne Züge: Kaum hat die SBB für 1,9 Milliarden 59 Doppelstockzüge fürs Inland geordert, bereitet sie eine über eine Milliarde schwere neue Ausschreibung vor. Erfolgen dürfte sie laut Meyer Anfang 2011. Die Zahl der Züge sei noch genauer zu bestimmen. Der Ersteinsatz wird für Dezember 2014 erhofft.

Die Züge werden neben deutschem Rollmaterial verkehren und sollen laut Meyer «mindestens ICE-Standard» haben - dies sowohl betreffend Komfort als auch Tempo. Die SBB wird so erstmals mit eigenen Zügen im Hochgeschwindigkeitsbereich fahren, wenn auch nur auf deutschem Boden; bisher hatte sie bloss indirekt Mitbesitz an drei TGV-Zügen.

Das Erreichen der Ziele hängt indes auch vom weiteren Streckenausbau am Oberrhein und zwischen der Schweiz und München ab. So soll mit der durchgehenden Elektrifizierung die Fahrzeit zwischen Zürich und München ab 2016 um 40 Minuten auf dreieinhalb Stunden sinken. Von Basel nach Frankfurt bräuchte man ab 2022 noch zweieinhalb statt drei Stunden.

Meyer: «Weichenstellung»

Mit den neuen Zügen wird die SBB indes in Deutschland mehr präsent sein. Das Zusammengehen mit der DB wertete Meyer zudem als «bedeutende Weichenstellung»: Es sei «eine Zeit, in der jeder mit jedem redet», viele Partnerschaften bahnten sich an. Und für die SBB sei der Personenfernverkehr «ein profitables Wachstumssegment».

An der gemeinsamen Tochtergesellschaft soll die SBB eine Mehrheit von 60 Prozent halten; überdies wird sie ihren Sitz in der Schweiz haben. Meyer sprach von «anstrengenden Verhandlungen» mit der DB, in denen dies erreicht wurde. Die SBB bringe den grösseren Anteil ein und habe darum die Mehrheit, sagte derweil Grube. (sda)

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