Aktualisiert 07.07.2017 08:40

Einigung erzielt

SBB und SOB spannen künftig zusammen

Aus Konkurrenten werden Partner: Die SBB und die SOB wollen ab 2020 zusammenarbeiten. Mit dem Segen der SBB will die Bahngesellschaft gleich drei Linien betreiben.

von
Stefan Ehrbar
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Die SOB steigt in den Fernverkehr ein. Sie hat sich mit der SBB geeinigt. Ihre Züge sollen in Zukunft auf gleich drei Linien unterwegs sein. Die Bahnen erhoffen sich davon Synergien im Betrieb.

Die SOB steigt in den Fernverkehr ein. Sie hat sich mit der SBB geeinigt. Ihre Züge sollen in Zukunft auf gleich drei Linien unterwegs sein. Die Bahnen erhoffen sich davon Synergien im Betrieb.

Keystone/Gaetan Bally
Bei den Linien handelt es sich um die langsame Verbindung zwischen Zürich und Bern und weiter nach Chur, jene von Basel über Luzern nach Arth-Goldau und die Verbindung von Zürich über die alte Gotthard-Bergstrecke ins Tessin (im Bild).

Bei den Linien handelt es sich um die langsame Verbindung zwischen Zürich und Bern und weiter nach Chur, jene von Basel über Luzern nach Arth-Goldau und die Verbindung von Zürich über die alte Gotthard-Bergstrecke ins Tessin (im Bild).

Keystone/urs Flueeler
So könnten die Züge aussehen, die in Zukunft auf den Linien unterwegs sind. Für ihren «Voralpen-Express» bestellt die SOB sowieso schon neue, speziell angefertigte Flirt-Züge bei Stadler.

So könnten die Züge aussehen, die in Zukunft auf den Linien unterwegs sind. Für ihren «Voralpen-Express» bestellt die SOB sowieso schon neue, speziell angefertigte Flirt-Züge bei Stadler.

Milan Rohrer Design

Die meisten Konzessionen im Fernverkehr der Eisenbahn laufen Ende Jahr aus. Der Bund hat sie neu ausgeschrieben. Mit der St. Galler SOB und der Berner BLS haben zwei Bahngesellschaften bekanntgegeben, künftig der SBB Konkurrenz machen zu wollen. Nun weiss 20 Minuten aus mehreren unabhängigen Quellen: Die SOB will in Zukunft gleich drei Linien betreiben. Die Zusammenarbeit soll im Dezember 2020 starten, bestätigten die beiden Bahnen am Freitag.

Die SOB kämpft dabei nicht gegen die SBB. Vielmehr arbeiten die beiden künftig zusammen. Voraussichtlich wird sich die SBB um die Konzessionen bewerben und die Linien bei Erhalt von der SOB betreiben und vermarkten lassen. Dabei handelt es sich um die Interregio-Linien Bern - Burgdorf - Zürich - Chur, Basel - Luzern - Arth Goldau - Tessin und die Linie von Zürich über die alte Gotthard-Bergstrecke ins Tessin. Auf den Linien sollen voraussichtlich etwa 20 neue SOB-Züge des Typs Flirt von Stadler unterwegs sein.

BLS steht im Regen da

Solche Züge beschafft die SOB für ihren «Voralpen-Express» sowieso neu. Von der Zusammenarbeit versprechen sich die beiden Bahnen Synergien im Unterhalt und beim Personal. Die Zustimmung zur Zusammenarbeit haben die zuständigen Gremien der beiden Bahnen diese Woche gegeben. Die Pläne sind ein direkter Angriff auf die BLS. Insbesondere an der Linie von Bern über Burgdorf nach Zürich dürfte auch die ein Interesse haben. Ob sie sich selbst dafür bewirbt, ist noch unklar.

Während die SBB nun mit der SOB zusammenspannt, ist die Stimmung zwischen der SBB und der BLS angespannt. In einer Sitzung sprach ein Geschäftsleitungsmitglied der SBB davon, dass die Gespräche mit der BLS schwierig seien. Die BLS wolle mit eigenen Fernverkehrs-Konzessionen Gewinn machen, um den Regionalverkehr zu finanzieren.

Entscheid bis Ende Jahr

Über die geplante Zusammenarbeit wollen die SBB und die SOB am Freitag informieren. Bis zuletzt wurden die Pläne geheim gehalten. Weder die betroffenen Kantone Uri, St. Gallen noch das Tessin wurden informiert. Für den Kanton Tessin sei es wichtig, dass viele Züge führen und die Servicequalität sichergestellt sei, sagt eine Sprecherin des Amt für öffentlichen Verkehr zu 20 Minuten. Welche Gesellschaft den Zuschlag erhalte, sei jedoch sekundär.

Noch ist das Projekt der beiden Bahngesellschaften nicht in trockenen Tüchern. Bis im September müssen sie ihr Konzept beim Bundesamt für Verkehr einreichen. Das entscheidet bis Ende Jahr. Da die neuen Konzessionen bereits ab Anfang 2018 gelten sollen und neue Züge möglicherweise nicht so schnell beschafft werden können, ist eine Übergangslösung realistisch.

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