Wucher im Zürcher HB: SBB verteuern abends bewusst die Bierpreise
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Wucher im Zürcher HBSBB verteuern abends bewusst die Bierpreise

Wer am Zürcher Hauptbahnhof ein Bier kauft, muss nach 22 Uhr tief in die Tasche greifen. Wegen Nachtzuschlag kostet eine Halbliterdose dann bis zu 8.40 Franken.

von
ced
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Der Buffetexpress (im Hintergrund) in der Bahnhofshalle verkauft Bier bis 0.30 Uhr. Eine Büchse Calanda kostet durchgehend 5.60 Franken.

Der Buffetexpress (im Hintergrund) in der Bahnhofshalle verkauft Bier bis 0.30 Uhr. Eine Büchse Calanda kostet durchgehend 5.60 Franken.

Keystone/Ennio Leanza
Anders beim neuen Take-away Guudy in der Passage Sihlquai: Dort kostet ein Bier ab 22 Uhr wegen Nachtzuschlags 7 statt 4 Franken.

Anders beim neuen Take-away Guudy in der Passage Sihlquai: Dort kostet ein Bier ab 22 Uhr wegen Nachtzuschlags 7 statt 4 Franken.

Keystone/Martin Ruetschi

Man sollte sich gut überlegen, wo man sich am Zürcher HB das verdiente Feierabendbier kauft. Denn die Preise für eine Halbliterbüchse variieren zwischen 1.70 und 8.40 Franken. Doch meist fehlt Pendlern die Zeit, so holen sich viele einfach schnell ein Quöllfrisch beim Buffetexpress für 5.60 Franken anstatt eine Etage tiefer an der Coop-Kasse, wo sie 1.70 für dieselbe Dose bezahlten.

Nach 22 Uhr erübrigt sich der Gang zum Ladengeschäft sowieso. Dann tritt das Alkohol-Verkaufsverbot in Kraft, mit dem die SBB einen «Beitrag zum Jugendschutz» leisten wollen. Wegen der vielen Bars und Take-aways lässt sich das Verbot jedoch schon lange nicht mehr durchsetzen. Wer aber nach 22 Uhr Alkohol verkauft, muss die Preise zum Teil massiv erhöhen – das führt laut «Tages-Anzeiger» zu undurchsichtigen Verkaufsbedingungen.

Nachtzuschlag: Von 4 auf 7 Franken

Ein Beispiel: Der Buffetexpress in der Haupthalle verkauft eine Büchse Calanda bis 0.30 Uhr durchgehend für 5.60 Franken. Beim neuen Take-away Guudy in der Passage Sihlquai kostet ein Bier nach 22 Uhr hingegen 7 statt 4 Franken. «Die SBB verlangen das leider», sagt der Verkäufer zum «Tages-Anzeiger». Das liege daran, dass ab 22 Uhr nur noch Restaurants und Take-aways Alkohol verkaufen dürften – zu Preisen, wie sie in der Gastronomie üblich sind. SBB-Sprecherin Lea Meyer sagt dazu: «Bis 22 Uhr gelten Gassenpreise, ab dann Gastropreise.»

So muss auch Guudy seine Preise nach 22 Uhr der Umgebungsgastronomie anpassen – jedoch nur beim Bier. Laut Alexander Mayrhofer von Guudy beeinträchtigt das den Absatz «ganz eindeutig»: Mit dem Aufschlag wird «klar weniger Bier verkauft». Das bemerkt man auch im Avec-Laden in der Halle Landesmuseum – der notabene als Take-away gilt. Dort kostet ein Bier nach 22 Uhr 4.95 statt 2.95 Franken.

Verwirrung und Verbot

Mindestens so verwirrend wie die Bierpreis-Regelung ist die Anwendung des Verkaufsverbots. Während zum Beispiel der Avec in der Halle Landesmuseum als Take-away gilt, zählt der Avec in der Passage Sihlquai als Laden – obwohl beide laut «Tages-Anzeiger» ähnlich eingerichtet sind. Die SBB-Sprecherin gibt gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zu, dass die Abgrenzung unklar sei: «Zusammen mit Inhaber Valora haben wir festgelegt, dass die Bewilligung für den Avec in der Halle Landesmuseum rückgängig gemacht wird.»

Bei Valora wusste man bis Ende letzter Woche aber offenbar noch nichts davon. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag zu 20 Minuten, dass ihr die Debatte zwar bekannt, der Kontakt mit den SBB aber bislang ausgeblieben sei: «Daher gibt es kein Verbot und wir verkaufen weiterhin Alkohol.»

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