72 Stunden-Frist: SBB-Videos sollen länger gespeichert werden
Aktualisiert

72 Stunden-FristSBB-Videos sollen länger gespeichert werden

Nach 72 Stunden löscht die SBB ihre Videodaten. Polizeikorps verlangen jetzt eine Verlängerung der Frist – denn bis Angehörige von Vermissten sich bei der Polizei melden, vergeht oft einige Zeit.

von
V. Fehlmann
Die Videoaufnahmen vom Tag von Olivias Verschwinden wurden von der SBB nach 72 Stunden gelöscht.

Die Videoaufnahmen vom Tag von Olivias Verschwinden wurden von der SBB nach 72 Stunden gelöscht.

Seit dem Verschwinden von Olivia Ostergaard wird die Löschung von Videoaufnahmen der SBB heiss diskutiert. Die Polizeikorps aus Bern, Schwyz, St.Gallen und Zug fordern jetzt, dass die Daten künftig länger als 72 Stunden gespeichert werden müssen, wie die «SonntagsZeitung» schrieb. Grund: Angehörige von Vermissten warten oft ein bis zwei Tage, bis sie sich bei der Polizei melden. Zudem können Videoaufnahmen bei Ermittlungen laut Gian Andrea Rezzoli von der Kapo St.Gallen entscheidend sein.

Für die Umsetzung der Forderung wäre keine Gesetzesänderung nötig: Der Bund sieht vor, dass die Daten zwischen drei und 100 Tagen gespeichert werden. Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren will den Fall jetzt mit den Polizeikommandanten besprechen und mit der SBB in Kontakt treten. Diese sehen laut Sprecherin Lea Meyer aber keinen Handlungsbedarf: «Wir halten uns an die gesetzlichen Grundlagen.» Die Praxis werde den eidgenössischen Vorgaben angepasst. Diese schreiben vor, dass die Frist verhältnismässig sein muss und die Überwachung zweckgebunden ist.

Im Fall der vermissten Olivia kommt die Forderung zu spät. Die Polizei sucht auch am Sonntag den Zugersee mit einer Unterwasserkamera ab. Gefunden wurde die Studentin bisher aber noch nicht.

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