Politik macht Druck: SBB will bei Verspätung den Billettpreis erstatten
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Politik macht DruckSBB will bei Verspätung den Billettpreis erstatten

Statt eines kleinen Gutscheins will die SBB bei Verspätungen künftig teils den ganzen Billettpreis vergüten.

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Die SBB plant, bei Verspätungen mehr Geld zurückzuzahlen. Heute gibt es nur einen Kaffegutschein, im Fernverkehr einen kleinen Railcheck.

Die SBB plant, bei Verspätungen mehr Geld zurückzuzahlen. Heute gibt es nur einen Kaffegutschein, im Fernverkehr einen kleinen Railcheck.

Keystone/Christian Brun
«Dafür schäme ich mich manchmal fast», sagt SBB-Chef Andreas Meyer zu den kleinen Entschädigungen.

«Dafür schäme ich mich manchmal fast», sagt SBB-Chef Andreas Meyer zu den kleinen Entschädigungen.

Keystone/Alessandro Della Valle
Künftig soll man mehr Geld erhalten, in krassen Fällen gar den ganzen Ticketpreis. Dieser Plan folgt auf einen Entscheid in der Politik, der strengere Regeln in Aussicht stellt.

Künftig soll man mehr Geld erhalten, in krassen Fällen gar den ganzen Ticketpreis. Dieser Plan folgt auf einen Entscheid in der Politik, der strengere Regeln in Aussicht stellt.

Keystone/Christian Brun

Kommt der Zug mehr als eine Stunde zu spät, erhalten SBB-Kunden heute nur einen Kaffee-Bon. Auch im Fernverkehr gibt es lediglich einen kleinen Sorry-Railcheck von 10 (2. Klasse) oder 15 Franken (1. Klasse). «Dafür schäme ich mich manchmal fast», sagt SBB-Chef Andreas Meyer zu den CH-Media-Zeitungen.

Künftig wolle man eine höhere Entschädigung bezahlen. «Ab einer gewissen Verspätung könnten etwa 50 Prozent des Billettpreises zurückerstattet werden, in gravierenden Fällen sogar der volle Preis», kündigt der SBB-Chef an.

Politik plant strengere Regelung

Auch wer ein GA hat, soll Geld erhalten. Die Berechtigung für eine Entschädigung soll per App überprüft werden. «Damit wird man zuverlässig feststellen können, wer mit welchem Zug gefahren ist.» Weitere Details zum Umfang der Entschädigungen und zum Zeitpunkt der Einführung gibt Meyer im Interview nicht preis.

Die Neuregelung bei der SBB folgt auf einen Entscheid in der Politik: Im vergangenen Herbst einigten sich National- und Ständerat auf eine neue Regelung: Verspätet sich ein Zug massiv oder fällt er ganz aus, müssen Bahnunternehmen künftig immer eine Entschädigung zahlen. Details soll nun der Bundesrat festlegen.

ÖV-Verband will Ausnahmen

Laut BAV soll die neue Verordnung planmässig aber erst Mitte 2022 in Kraft treten. Umstritten ist etwa die Frage, ob Entschädigungen auch für Abos ausbezahlt werden sollen. Geld soll es aber nur bei massiven Verspätungen oder Zugausfällen geben.

Mit der neuen Regelung könne man gut leben, sagt Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, den CH-Media-Zeitungen. Es brauche aber Ausnahmen. «Wenn etwa der Bahnverkehr in den Bergen durch eine Lawine lahmgelegt wird, dann ist das höhere Gewalt.»

Für die Präsidentin von Pro Bahn, Karin Blättler, ist derweil klar: «Die Entschädigung bei Verspätungen sollte gesamteuropäisch einheitlich geregelt werden, und zwar mit Rückerstattungen.» Eine Rückerstattung dürfe aber keinesfalls mittels Gutschein erfolgen, sondern mit einer Rückzahlung.

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