Nach Pilotversuch: SBB will stärker auf Stehplätze setzen
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Nach PilotversuchSBB will stärker auf Stehplätze setzen

Die SBB hat einen Markttest zu Stehplatzzonen in der S-Bahn durchgeführt. Das Resultat ergibt, dass mehr Stehflächen gefordert werden. Dies soll künftig umgesetzt werden.

von
pjz
So sehen die Stehplatzzonen in den S1-Bahnen aus.

So sehen die Stehplatzzonen in den S1-Bahnen aus.

Die SBB hat nach einer Absprache mit den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie dem Bundesamt für Verkehr im November und Dezember 2013 einen Markttest durchgeführt. Dafür wurden in zwei Fahrzeugen der S1, die zwischen Basel und Frick/Laufenburg verkehrt, sechs Viererabteile entfernt und zu Stehzonen umfunktioniert.

«Leider ist es Realität, dass während der Hauptverkehrszeiten Platzmangel besteht», sagt Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB. Nach einer Befragung von 2000 Fahrgästen gab die Bahn am Donnerstag ihre Resultate bekannt.

Mehr Platz und Haltevorrichtungen

Die Pendler seien sich ebenfalls bewusst, dass in den Hauptverkehrszeiten ein Anspruch auf einen Sitzplatz nicht immer umzusetzen sei, so die SBB. Aus diesem Grund seien grosszügige Flächen zum Stehen ein Vorteil. Dafür wünschten sich die Fahrgäste aber genügend senkrechte Haltevorrichtungen und angenehme Anlehnmöglichkeiten wie Stehhilfen und Aufsitzmöglichkeiten. Die Klappsitze im Eingangsbereich seien hingegen platzraubend.

Diese Resultate fliessen nun in künftige Fahrzeugbeschaffungen ein. Gleichzeitig will die SBB prüfen, inwiefern die Gestaltung des Innenraums der bestehenden Fahrzeuge angepasst werden kann. «Die zwei Fahrzeuge, die für den Markttest benutzt wurden, bleiben weiterhin im Verkehr. Weitere Züge werden folgen, wenn die Kantone diese bestellen», erklärt die Mediensprecherin.

Reisende müssen jedoch nicht fürchten, dass man sich aufgrund von mehr Stehplatzzonen dereinst in den Zügen nicht mehr hinsetzen könnte. Meyer betont: «Fakt ist, dass unsere Züge nur zu den Hauptverkehrszeiten – also morgens und abends – sehr stark ausgelastet sind. Tagsüber ist im Schnitt gerade mal jeder dritte Sitzplatz besetzt.»

Anrecht auf Komfort

Mit dem möglichen Entscheid der SBB ist der Verein Pro Bahn Schweiz, eine Interessenvertretung der ÖV-Kunden, nicht zufrieden. Kurt Schreiber, Präsident der Pro Bahn, ist der Meinung: «Die SBB hat den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Die Frequenzen nehmen zu, dies stimmt. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die zunächst in Betracht gezogen werden sollten.» So könnten etwa Doppelstöcker-Züge eingesetzt werden. Diese könnten auch auf gewissen Strecken in den Kantonen Aargau und den beiden Basel verkehren. Nützlich seien auch Perronverlängerungen, um zu den Verkehrshauptzeiten längere Züge in Betrieb nehmen zu können. «Die S-Bahnen in Zürich haben dies ebenfalls getan. Erst als diese Möglichkeiten ausgeschöpft waren, wurden einzelne Stehplatzzonen hinzugezogen», so Schreiber.

«Die Fahrgäste nehmen gegenüber dem eigenen Auto im Zug fast die doppelte Reisezeit zu ihrem Arbeitsplatz in Kauf. Aus diesem Grund haben sie das Anrecht auf einen gewissen Komfort», sagt Schreiber.

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