SBB ziehen Notbremse: Abbau von 650 Stellen
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SBB ziehen Notbremse: Abbau von 650 Stellen

Wegen tiefroter Zahlen will die im Bahngüterverkehr tätige SBB Cargo bis nächsten Juni 590 ihrer 4800 Stellen abbauen und die Zahl der Bedienungspunkte verringern. 60 Stellen fallen zudem bei der SBB-Infrastruktur weg. Entlassungen soll es nicht geben.

Die Massnahmen seien sehr schmerzhaft, sagte SBB Cargo-Chef Daniel Nordmann am Freitag in Basel vor den Medien. Angekündigt worden war die Kostensenkung bereits im August, als die SBB Cargo über unerwartet hohe Verluste im ersten Halbjahr 2005 berichten musste.

Das Kostensenkungsprogramm soll das SBB Cargo-Ergebnis nun jährlich um rund 85 Mio. Fr. verbessern. 2007 solle dann eine «schwarze Null» erreicht werden, sagte Nordmann. Für 2005 rechnet das Unternehmen noch mit einem Verlust im «hohen zweistelligen Millionenbereich». Für die Restrukturierungen werden 78 Mio. Fr. zurückgestellt.

Netz reduzieren

Um den defizitären Binnenverkehr wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, soll das Netz im Wagenladungsverkehr Schweiz auf ein «Grundnetz» mit 323 Bedienungspunkten reduziert werden. Damit können laut SBB Cargo immer noch 95 Prozent des heutigen Volumens abgedeckt werden. Heute bedienen SBB und Privatbahnen zusammen noch insgesamt 650 Punkte.

Abgebaut werden soll aber auch der «Overhead»: Bei den Strukturkosten wie etwa Finanzen, Personal, Informatik oder Produktionsplanung und -steuerung soll es zum Abbau von 230 Mitarbeitenden kommen. In der Zentrale Basel betrifft dies etwa 100, im Kunden Service Center Freiburg etwa 50 und in der übrigen Schweiz etwa 80 Stellen.

Auswirkungen auf Rollmaterialservice

Durch den Abbau im Wagenladungsverkehr fallen weitere 360 Stellen weg. Dieser wird zudem auch zu einer geringeren Anzahl bei Rangierloks und Wagen führen. Auswirkungen für das Personal des Bereichs Service Rollmaterial seien aber «noch nicht abzuschätzen», hiess es.

Der Abbau von 60 Stellen bei der SBB Infrastruktur, die im SBB- Konzern für den Betrieb und Unterhalt der SBB-Anlagen zuständig ist, betrifft vor allem Biel: Dort wird der Rangierbahnhof redimensioniert und nur noch auf regionale Rangieraufgaben ausgerichtet.

Alle Mitarbeitenden, die ihre Stelle verlieren, werden im «Projekt Chance» weiterbeschäftigt, wo sie bei der Stellensuche und der beruflichen Neuorientierung unterstützt werden. Knapp 150 der 590 betroffenen SBB Cargo-Mitarbeitenden, die 60 Jahre und älter sind, wird eine vorzeitige Pensionierung angeboten.

Politik soll entscheiden

Als Hauptgründe für die hohen Verluste im Binnengüterverkehr nannte Nordmann erneut die starke Konkurrenz durch die Strasse, wo seit der Einführung der 40 Tonnen-Limite die Produktivität stark zugenommen habe. Dazu komme auch der Abbau der Bundessubventionen für den Wagenladungsverkehr.

Ein Dossier mit den Kostensenkungsmassnahmen sei auch Bundesrat Moritz Leuenberger übergeben worden, sagte Nordmann: «Die Politik soll entscheiden können, ob sie etwas tun will oder nicht.» Wolle die Politik eine Weiterführung des heutigen Netzes, so bedinge das aber im Budget 2006 statt eines Subventionsabbaus von 40 Mio. einen Ausbau um 50 Mio. Franken.

(sda)

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