Einzelgespräch: Sbisa in der «Hundehütte»
Aktualisiert

EinzelgesprächSbisa in der «Hundehütte»

Luca Sbisa musste in Anaheim bisher so Eishockey spielen, als würde Viktor Röthlin in den Basketballschuhen von Michael Jordan einen Marathon laufen. Nun darf Sbisa zum Coach ins Einzelgespräch.

von
Jürg Federer
USA
Luca Sbisa kann sich in Anaheim nicht so entfalten, wie er gerne möchte.

Luca Sbisa kann sich in Anaheim nicht so entfalten, wie er gerne möchte.

Luca Sbisa wurde am 20. Juni 2008 von den Philadelphia Flyers an 19. Stelle in die NHL gedraftet. Die NHL-Scouts waren des Lobes voll für den jungen Zuger. Sbisa habe einen grossartigen ersten Pass, eine gute Spielübersicht, er sei ein extrem schneller Läufer mit offensichtlich überdurchschnittlichen offensiven Instinkten und dem Talent, ein Überzahlspiel zu lenken. Damals, im Alter von 18 Jahren, wurde Sbisa mit Paul Coffey verglichen, dem zweitbesten Offensivverteidiger der NHL-Geschichte (1531 Skorerpunkte in 1409 NHL-Spielen). Ein Jahr später wurde Sbisa zu den Anaheim Ducks transferiert.

Die «Schuhgrösse» passt nicht

Seither wird er in das defensive Korsett von Anaheim-Headcoach Randy Carlyle gezwängt. Carlyle war seinerzeit ein beinharter NHL-Verteidiger mit mässigem Offensivpotential aber grossartigem Erfolg. 1981 wurde er zum besten Verteidiger der ganzen Liga gewählt. Carlyle hat seither versucht, aus Sbisa einen neuen Carlyle zu formen – defensiv bissig, offensiv inexistent. Der Headcoach erwartet von Sbisa, seine offensiven Qualitäten auf Eis zu legen und nur defensiv abzuräumen. Für einen Verteidiger von Sbisas Format fühlt sich das an wie für Viktor Röthlin, wenn der in den Basketballschuhen von Michael Jordan einen Marathon laufen müsste. Die Schuhgrösse passt einfach nicht.

Für tadellose Aktion den Zorn geerntet

Am letzten Mittwoch, im «Freeway-Derby» bei den Los Angeles Kings, hat Sbisa in der Verlängerung den Puck für die Anaheim Ducks über die gegnerische blaue Linie geführt. Er schlug zwei Haken, spielte sich so frei und kam zum Abschluss. Für den Betrachter eine schöne Spielszene, die in jedem zehnten Versuch zum Sieg führt. Doch als Sbisa zurück zur Spielerbank fuhr, erntete er für diese tadellose Aktion den Zorn des Headcoachs.

Einzelgespräch soll Klarheit schaffen

Die Amerikaner sagen dazu, «Sbisa is in Carlyles Doghouse» – Sbisa sitzt bei Carlyle in der Hundehütte. In der Schweiz würden wir dazu sagen, die beiden haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Bis jetzt hat Sbisa darüber die Faust im Sack gemacht. «Ich bin nicht ein Spieler, der mit Worten auf sich aufmerksam macht sondern mit Taten», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Sbisas professionelle Einstellung zeigte Wirkung. Er wurde von Coach Carlyle zum Einzelgespräch an diesem Wochenende eingeladen. Sbisa darf nun seine Sicht der Dinge darlegen. Affaire à suivre.

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