Aktualisiert 29.11.2011 17:19

Ducks in der Krise

Sbisa traut sich nicht mehr Kaffee zu holen

Bei den Anaheim Ducks will niemand zur aktuellen Krise Stellung nehmen. Für Luca Sbisa ist die Niederlagenserie so beschämend, dass er sich kaum mehr auf die Strasse traut.

von
Jürg Federer, Anaheim
Luca Sbisa schämt sich für die Krise der Anaheim Ducks.

Luca Sbisa schämt sich für die Krise der Anaheim Ducks.

Von 23 NHL-Partien haben die Anaheim Ducks nur sechs gewonnen, zuletzt unterlagen die Ducks im Heimstadion Toronto. Es war die siebte Niederlage in Serie. Der wohl beste NHL-Sturm der letzten Saison mit Ryan Getzlaf, Bobby Ryan und Corey Perry blitzte nur einmal auf, die Verteidigung war fehlerhaft. Auch nach so einer NHL-Partie haben die Spieler nur fünf Minuten Zeit, sich zu fassen. Danach öffnen sich die Garderobentüren für die Medienvertreter. Das sieht das minutiös geplante NHL-Reglement vor. Allen voran stürmen dann die TV-Stationen in die Kabinen. Zwischen Wäschekörben, Recycling-Behältern und Abfalleimern wandern sie von Garderobenplatz zu Garderobenplatz, fragen die Spieler aus und analysieren gemeinsam mit ihnen das Spiel.

Die Garderobentüren der Anaheim Ducks wurden auch nach der Niederlage gegen Toronto pünktlich geöffnet, doch die Medienvertreter schritten in einen leeren Raum. Kein einziger Spieler war mehr da. Wäschekörbe, Recycling-Behälter und Abfall-Eimer, alles leergeräumt. Die Spieler waren in ihre private Lounge und ins klubeigene Fitnesscenter geflüchtet. Um den Reglementen der NHL nachzukommen, präsentierten die Kommunikationsverantwortlichen dann doch noch die beiden Finnen Saku Koivu und Teemu Selänne, einen nach dem anderen. Unter Argusaugen von zwei PR-Mitarbeitern des Teams brachte Selänne die Situation auf den Punkt: «Es gibt nichts mehr zu sagen, alle Fragen die Sie uns stellen, müssen wir ab sofort auf dem Eis beantworten.» Punkt.

Sbisa ringt nach einer Erklärung

Eine halbe Stunde später, als die Medienschar bereits in den Presseraum zurückgekehrt war um das Videomaterial zu schneiden, Selännes Zitat auf Twitter zu publizieren und Zeitungstexte zu schreiben, kam der Schweizer Luca Sbisa aus der Garderobe und versuchte, das Unerklärliche zu erklären: «Es ist frustrierend, so etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nie erlebt.» Er habe Niederlagenserien weggesteckt, «mal gewinnt man vier Partien, dann verliert man vier. Aber sieben in Serie, das ist beschämend.»

Kritik verhallt ungehört

Wie in Montreal, Toronto oder Edmonton wird auch Anaheims Headcoach nach diesem fatalen Saisonstart geteert und gefedert. Die lokale Zeitung forderte zuerst seine Entlassung, dann Transfers und zuletzt rief das Blatt zu einem Zuschauerboykott auf. Anders als in Montreal, Toronto oder Edmonton hört aber in Südkalifornien niemand ausserhalb des Honda Center auf diese Kritik. Eric Stephens, der verantwortliche Redaktor der Zeitung, hat längst erkannt, dass einige Spieler unter Headcoach Randy Carlyle ihr Talent nicht entfalten können. «Sbisa ist ein Offensivverteidiger, den man entfesseln muss», bemerkt er. «Er ist ein begnadeter Schlittschuhläufer, der könnte viel mehr.»

Der Schweizer entgegnet, dass er auf der Bank sitzen bleiben muss, wenn er offensiv spielt. Er müsse mit sich selber abrechnen. «Ich kann defensiv noch besser spielen», sagt er. Sbisa geht damit hart mit sich ins Gericht. In allen defensiven Sparten gehört er zu den besten Verteidigern des Teams, Sbisa könnte erhobenen Hauptes durch die Strassen von Südkalifornien spazieren. Nach sieben Niederlagen in Serie wagt er sich aber kaum mehr vor die eigene Haustüre. «Ich mag nicht einmal zu Starbucks gehen, um einen Kaffee zu bestellen. Weil ich mich schäme, wenn mich irgendjemand auf der Strasse erkennt.»

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