SC Freiburg: So nah ist das neueste Stadion von der Schweiz entfernt 
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36 Prozent StehplätzeSC Freiburg hat einen neuen Fussball-Tempel – und er ist ganz in der Nähe

Sportlich steht der SC Freiburg als einziger noch ungeschlagener Bundesligist bestens da. Nun folgt der Wechsel ins nagelneue Europa-Park-Stadion. Coach Christian Streich freut sich, ist aber auch traurig.

von
Nils Hänggi
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So sieht das neue Stadion in Freiburg aus. 

So sieht das neue Stadion in Freiburg aus.

Tom Weller/dpa
Die Arena ist sehr modern. Insgesamt passen 34’700 Zuschauerinnen und Zuschauer ins neue Stadion, gut 10’000 mehr als bisher.

Die Arena ist sehr modern. Insgesamt passen 34’700 Zuschauerinnen und Zuschauer ins neue Stadion, gut 10’000 mehr als bisher.

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 Als Kosten gibt Freiburg rund 80 Millionen Franken an – hinzu kommen etwa 55 Millionen für die Infrastruktur. 

Als Kosten gibt Freiburg rund 80 Millionen Franken an – hinzu kommen etwa 55 Millionen für die Infrastruktur.

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Darum gehts

  • Der SC Freiburg hat ein neues Stadion.

  • 34’700 Zuschauerinnen und Zuschauer passen ins neue Stadion, gut 10’000 mehr als bisher.

  • Coach Christian Streich trauert der alten Arena aber bereits ein wenig hinterher.

Rund 72 Kilometer trennt das neue Stadion des SC Freiburg, das Europa-Park-Stadion, vom St. Jakob, der Heimstätte des FC Basel. 150 Kilometer sind es zum Letzigrund. Anders gesagt: Etwa so viele Kilometer müssen Baslerinnen und Basler sowie Zürcher Fussball-Fans hinter sich bringen, wenn sie Bundesliga live schauen wollen. Im neusten Stadion in einer der besten Fussball-Ligen der Welt. An diesem Samstag findet das erste Pflichtspiel in der Arena statt (ab 15.30 Uhr live bei uns im Konferenz-Ticker). Leipzig heisst der Gegner. Dass sich die Freiburger auf dem Rasen bereits wohl fühlen, bewiesen sie zur Eröffnung im Freundschafts-Kick gegen St. Pauli. 3:0 schossen sie die Norddeutschen aus dem Stadion.

Freiburg-Coach Christian Streich ist der Respekt anzumerken, den er vor dem Umzug ins neue Europa-Park-Stadion hat. Auch wenn er spürt, dass «die Spieler hochmotiviert sind und sich total auf etwas Neues, Modernes freuen.» Streich wandte sich an einer Pressekonferenz vor der Partie mehrfach an die Fans und bat sie: «Lasst uns hören, dass wir ein Heimspiel haben!» Er wolle nicht ausgerechnet bei der Pflichtspiel-Premiere in der neuen Heimat die erste Saisonpleite kassieren. «Es ist die gleiche Mannschaft, der gleiche Verein, es ist nur ein anderes Gebäude und ein anderer Ort», so Streich. Und: «Wir wollen geniessen, dass wir jetzt dort sind und das Vergangene hinter uns lassen. Das ist das Ziel für die Spieler und für mich.»

Christian Streich mahnt

Die Arena, sie ist modern. Sehr. Insgesamt passen 34’700 Zuschauerinnen und Zuschauer ins neue Stadion, gut 10’000 mehr als bisher. Beachtlich: Das Europa-Park-Stadion hat einen sehr hohen Stehplatz-Anteil: 36 Prozent der Plätze. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen und stehen nah am Spielfeld, die Tribünen sind steil. Als Kosten gibt Freiburg rund 80 Millionen Franken an – hinzu kommen etwa 55 Millionen für die Infrastruktur. Durch die höhere Kapazität kommt in der Zukunft mehr Geld in die Freiburger Kassen, vor allem durch die neuen Logen stützt der SC seine finanzielle Wettbewerbsfähigkeit.

Obwohl – nötig hat das der Club eigentlich nicht. Denn: Der Verein verzeichnete in der Saison 2020/21 einen Umsatz von rund 120 Millionen Franken, er hat rund 96 Millionen auf der hohen Kante. Und: In dieser Woche verkündeten die Freiburger einen Gewinn von mehr als zehn Millionen Franken im Corona-Jahr. Streich will das aber nicht nur positiv sehen. Der 56-jährige Coach kommentierte diese Zahlen vor der Leipzig-Partie zwar zufrieden, mahnte jedoch auch. Er sagte: «So wie es jetzt gerade läuft, ist eine absolute Ausnahmesituation. Ich hoffe sehr, dass dieser Geist, auch dieses Ankämpfen gegen Grösseres und nicht zu glauben, schon bei den Grösseren zu sein, dass der bleibt und dass wir uns davon nicht blenden lassen.» Es gelte, Demut zu bewahren. «Dann liegen gute Jahre vor uns.»

«Das Licht könnte zu grell sein»

Freiburg steht auf Rang vier in der Bundesliga. Der Club hat – wie erwähnt – noch keine einzige Partie verloren. Die Süddeutschen mischen munter mit im Club der Grossen. Kurz: Der Verein, er macht Spass. Die Freiburger sind stolz auf ihren Club. Sie hoffen, dass es so weiter geht im Europa-Park-Stadion. Denn so ganz können sich viele Freiburger noch nicht von ihrer bisherigen Heimat verabschieden. Das bestätigte zuletzt auch Streich. Gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» meinte er: «Ich freue mich zwar, aber ich vermisse das alte Stadion schon jetzt. Und ich befürchte, dass das neue Licht zu grell sein könnte.»

Anpfiff zum ersten Pflichtspiel in der neuen Arena ist am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr. Mit dabei sind vielleicht auch ein paar Schweizer Fussball-Fans. Weit ist das Stadion ja nicht von uns entfernt. Rund 72 Kilometer von Basel und 150 von Zürich.

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