Vulgäre Sprache : Scaramucci ist ganz nach Trumps Geschmack
Aktualisiert

Vulgäre Sprache Scaramucci ist ganz nach Trumps Geschmack

Der neue Kommunikationschef des Weissen Hauses beschimpft Leute aus Donald Trumps Team. Ein Machtkampf ist entbrannt – ganz im Sinn des US-Präsidenten.

von
Ann Guenter
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Anthony Scaramucci, «ehemaliger Hedgefonds-Manager, Wall-Street-Rabauke und Showman» (NZZ). Bei seinem Antritt im Weissen Haus am 21. Juni wirft er mit Küsschen um sich.

Anthony Scaramucci, «ehemaliger Hedgefonds-Manager, Wall-Street-Rabauke und Showman» (NZZ). Bei seinem Antritt im Weissen Haus am 21. Juni wirft er mit Küsschen um sich.

AP/Pablo Martinez Monsivais
Der britische «Guardian» beschreibt den 53-Jährigen als «undiszipliniert, prinzipienlos, ...

Der britische «Guardian» beschreibt den 53-Jährigen als «undiszipliniert, prinzipienlos, ...

Chip Somodevilla
... überambitioniert, aber unterqualifiziert ...

... überambitioniert, aber unterqualifiziert ...

epa/Michael Reynolds

Man staunt ob der wüsten Sprache von Anthony «The Mooch» Scaramucci (53). Der neue Kommunikationschef des Weissen Hauses nannte Stabschef Reince Priebus einen «verf***ten, paranoiden Schizophrenen». Über Stabschef Steven Bannon lästerte er, dieser nutze Trump aus. Er selber aber, so Scaramucci, «versuche nicht, meinen eigenen Schw*... zu lutschen».

Da verrohte Sprache derzeit salonfähig ist, hat 20 Minuten beim Politologen und US-Experten Boris Vormann nachgefragt: Was zur Hölle ist in Donald Trumps Team los?

Herr Vormann, der britische Guardian beschreibt Scaramucci wie folgt: «undiszipliniert, prinzipienlos, überambitioniert, aber unterqualifiziert, kleinlich, nachtragend, und selbstverliebt». Damit passe er perfekt zu Präsident Trump. Würden Sie das unterschreiben?

Das trifft es ganz gut. Man könnte auch sagen: Die beiden haben die gleiche Wellenlänge. Trump wollte Scaramucci schon zu Beginn seiner Amtszeit an Bord holen. Doch Trumps Stabschef Reince Priebus und Berater Steven Bannon haben das verhindert. Sie haben den Machtkampf verloren und erhalten von Scaramucci jetzt die Quittung für ihre Blockade.

Wieso können denn diese Männer nicht miteinander?

Wo genau das Kriegsbeil begraben liegt, weiss ich nicht. Es scheint, als hätte jeder davor Angst, dass der andere ihm die Ressourcen abgräbt. Stabschef Priebus hat jedenfalls über sechs Monaten dafür gesorgt, dass Scaramucci keine wichtige Position erhält. Doch dieser war bei Trumps Wahlsieg genau davon ausgegangen und hatte sogar sofort seinen Job als Investmentbanker an den Nagel gehängt. Was wir jetzt sehen, ist wohl so eine Art Rachefeldzug.

Wie kam es dazu, dass Scaramucci trotzdem den Eingang ins Weisse Haus fand?

Trump agiert mit der Besetzung Scaramuccis nach dem Muster, das wir schon kennen: Es basiert auf dem Teile-und-herrsche-Prinzip. Damit erhält Trump seine Macht und betreibt eine Personalpolitik ganz nach unternehmerischen Gesichtspunkten. So setzt Trump Leute ein, die nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, vom neuen Job aber keine Ahnung haben, darin sogar in konträrer Mission unterwegs sind. So will Trump den administrativen Staat auseinandernehmen.

Das heisst im Fall von Scaramucci?

Scaramucci wirbelt den ganzen Laden auf, damit einhergehende Kollateralschäden werden in Kauf genommen. Mit Scaramucci hat Trump das, was er wollte, einen loyalen General, einen Hardliner, der den Informationsleaks aus dem Weissen Haus ein Ende setzt.

Das Teile-und-herrsche-Prinzip bedingt, dass keiner sicher ist. Geht der Schuss irgendwann nach hinten los und trifft Trump selbst?

Tatsächlich wäre ich nicht überrascht, wenn Trump als erster Präsident in der US-Geschichte seines Amtes enthoben würde. Derzeit ist ein Impeachment wegen der Mehrheit der Republikaner im Senat und im Abgeordnetenhaus nicht möglich. Dort halten alle noch die Füsse still. Das könnte sich mit den Kongresswahlen im Herbst 2018 ändern, denn dann wollen es die Abgeordneten nur noch ihren Wählern daheim recht machen. Bleibt es bei den tiefen Umfragewerten, die wir seit geraumer Zeit sehen, wird das Eis für Trump sehr dünn.

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