«Das bringt mich auf die Palme»: SCB-CEO Lüthi attackiert Berner Regierungsrat Schnegg heftig
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«Das bringt mich auf die Palme»SCB-CEO Lüthi attackiert Berner Regierungsrat Schnegg heftig

Marc Lüthi ist wütend. Und das sehr. Zu sehen ist das in der SRF-Diskussionsendung «Club». In dieser diskutiert er mit dem Gesundheitsdirektor des Kantons Bern.

von
Nils Hänggi

Marc Lüthi, SCB-CEO, findet klare Worte zum Entschluss der Berner Kantonsregierung.

Video: SRF

Darum gehts

  • Marc Lüthi diskutiert im SRF-«Club» unter anderem mit Alain Schnegg, dem Gesundheitsdirektor des Kantons Bern.

  • Er findet sehr deutliche Worte.

  • Dass die Clubs erst fünf Minuten vor der Bekanntgabe informiert wurden, sei «unanständig und schnodrig», ereifert sich Lüthi beispielsweise.

  • Schnegg verteidigt sich.

Als die Berner Kantonsregierung am Sonntagabend entschied, Grossanlässe zu verbieten und nur noch maximal 1000 Zuschauer in die Stadien zu lassen, war die Schweiz geschockt. Die Sport-Verantwortlichen waren ausser sich – insbesondere diejenigen der Berner Clubs. So auch der CEO des SC Bern Marc Lüthi.

Und richtig beruhigt hat sich der 59-Jährige bis jetzt nicht. Noch immer ist er wütend. Sehr wütend. Kaum hatte nämlich die SRF-Diskussionsendung «Club» begonnen, gab Moderatorin Barbara Lüthi dem CEO die Gelegenheit, seine Vorwürfe an Pierre Alain Schnegg, Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, zu platzieren. Und das tat er.

Dass die Clubs erst fünf Minuten vor der Bekanntgabe informiert wurden, sei «unanständig und schnodrig», so Lüthi. Und: «Uns ist in fünf Minuten die wirtschaftliche Existenz entzogen worden. Und ein gewählter Regierungsvertreter fand es nicht für nötig, mit seinem Volk zu reden. Das bringt mich auf die Palme.»

Lüthi kämpfte wie ein Löwe. 

Lüthi kämpfte wie ein Löwe.

Foto: Screenshot (SRF)

«Wir haben stets kommuniziert»

Weiter beklagte Lüthi, die wirtschaftlichen Folgen solcher Massnahmen würden zu wenig berücksichtigt. Er sagte: «Wir brauchen Support für jedes Spiel, weil wir unser Geld so nicht mehr selber verdienen können.» Und: «Sagt man uns, die gesellschaftliche Relevanz des Sports sei nicht gegeben, dann hören wir auf, dann machen wir unsere Betriebe zu.» Dass der CEO des SC Bern die Massnahme der Berner Kantonsregierung nicht versteht, wurde immer wieder ersichtlich. So warf er auch ein, dass der Kanton Bern in Bezug der Fälle nicht an der Spitze sei.

Und was meinte der Berner Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg zu den Vorwürfen? Nun, er liess sich nicht provozieren. Ging auf die meisten Vorwürfe gar nicht ein. Er erklärte die epidemiologische Situation mit dem exponentiellen Wachstum der Corona-Fälle und sagte, «wir haben stets kommuniziert, dass das Ampelsystem umgesetzt wird».

Direkt zu Lüthi sagte der 58-Jährige: «Und während der Pressekonferenz, wenn Sie gut zugehört haben, hat Bundesrat Berset ganz klar gesagt, dass die epidemiologische Lage von den verschiedenen Kantonen beobachtet werden muss. Und diese dann Entscheide fällen müssen. Das haben wir getan.»

Die Regelung bleibt

Die anderen Gäste kamen im «Club» nicht oft zu Wort. Meist sprachen Lüthi und Schnegg. Und wenn die anderen Gäste sprachen, erklärten sie die Lage oder taten sich auf die Seite des Berner Politikers. Die Aargauer Kantonsärztin Yvonne Hummel meinte beispielsweise: «Niemand weiss, was richtig ist. Wir können nicht sagen: Das ist der richtige Weg. Deshalb gibt einen grossen Ermessensspielraum.»

«Es war für den Kanton Bern der richtige Moment, zu sagen: Wir haben es nicht mehr im Griff», erzählte derweil der Berner Epidemiologe Christian Althaus. Der Wissenschafter erachtete das Verbot von Grossveranstaltungen als sinnvoll, sagte: «Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch. Und wie verhindert man das? Indem wir die Kontakte reduzieren.»

Und so bleibt nach der Sendung die Erkenntnis, dass der SCB-CEO für seine Sache, für seinen Club wie ein Löwe kämpfte. Auch wenn es wohl nicht viel brachte, sagte Schnegg doch deutlich, dass die Regelung so bleibt – vor allem wenn die Corona-Fallzahlen nicht wieder sinken würden.

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