Aktualisiert 11.11.2011 12:12

«Time-out»

SCB und Krueger: Wer lügt?

Aufregung um Ralph Krueger: Der SC Bern soll laut einem Medienbericht den Ex-Nati-Trainer kontaktiert haben. Doch obwohl Krueger sich zitieren liess, folgte das Dementi von beiden Seiten.

von
K. Zaugg
Ralph Krueger: Der ehemalige Nati-Trainer dementiert einen Kontakt zum SC Bern.

Ralph Krueger: Der ehemalige Nati-Trainer dementiert einen Kontakt zum SC Bern.

Wenn ein Angestellter eines NHL-Unternehmens – sei er nun Trainer, Assistent oder Spieler – während eines laufenden Vertrages mit einem anderen Arbeitgeber auch nur Jobgespräche führt, gibt es Ärger. Mindestens so viel oder eher noch mehr als für einen Ehemann, der fremdgeht. Deshalb werden alle Kontakte während der Saison von Klubs und Spielern oder Trainern vehement dementiert.

Ex-Nati-Trainer Ralph Krueger ist im Sommer 2010 bei den Edmonton Oilers engster Mitarbeiter von Cheftrainer Tom Renney geworden. Sein Vertrag läuft noch bis zum nächsten Frühjahr. Er trägt den Titel eines «Associate Coach». Damit steht er im hierarchiebewussten Nordamerika zwar unter dem Cheftrainer, aber vor den beiden Assistenten Kelly Buchenberger und Steve Smith. In der Praxis bedeutet dies vor allem, dass Krueger, anders als die Assistenten, bei allen Personalentscheiden von General Manager Steve Tambellini und Renney mit am Tisch sitzt und mitreden darf.

Kehrt Krueger in die Schweiz zurück?

Doch im Frühjahr läuft Kruegers Zweijahresvertrag in Edmonton also aus. Kehrt er danach in die Schweiz zurück oder hat er gar die Chance, in der NHL Cheftrainer zu werden? «Alles ist möglich», sagt der Deutsch-Kanadier gegenüber 20 Minuten Online. «Ich konzentriere mich ganz auf meine Arbeit und mache mir keine Gedanken, was sein könnte. Sicher ist nur: Meine Frau und ich wollen einmal in der Schweiz alt werden. Wir haben in Edmonton eine möblierte Wohnung gemietet. Das Haus in Davos und die Wohnung in Wollerau haben wir behalten. Wir sind in Kanada sozusagen Ausländer.»

Seine Chancen auf einen Cheftrainerposten in der NHL sind für nächste Saison intakt. Aber ebenso ist es möglich, dass Krueger nach Europa zurückkehrt: Sei es als Klubtrainer (mehrere KHL-Teams sind interessiert) oder als deutscher Nationaltrainer. Und kaum auszudenken, was ein charismatischer Leitwolf wie Krueger aus dem SC Bern machen könnte.

Kein Wunder also, hat Kruegers Aussage in einem Interview mit «NZZ Online», er sei vom SC Bern kontaktiert worden, gerockt und gerollt. Doch der ehemalige Nati-Coach dementiert gegenüber 20 Minuten Online dieses Statement. «Ich bin falsch zitiert worden. Ich habe mit Bern nie Kontakte gehabt.» Und SCB-General Marc Lüthi sagt klipp und klar: «Wir haben Krueger nicht kontaktiert und Krueger hat uns versichert, dass er nie eine entsprechende Aussage gemacht habe.»

Jemand lügt

Wir sehen also: Es wird gelogen. Entweder vom Journalisten, der ihn so zitiert hat oder von Krueger und Lüthi. Wer sagt die Unwahrheit? Die Erfahrung lehrt uns, dass im Eishockey in solch heiklen Fällen manchmal tatsächlich gelogen oder nur die halbe oder ein Drittel oder ein Viertel oder ein Tausendstel der Wahrheit verbreitet wird.

Der Reporter, der Kruegers Aussage in die Schweiz übermittelt hat, ist glaubwürdig und sagt, er habe die Aussage auf Band. Krueger kann so oder so gar nicht anders als dementieren. Er würde sonst in Edmonton in Teufels Küche geraten. Lüthi kann gar nicht anders als dementieren. Er würde intern in Teufels Küche geraten – schliesslich fabuliert er ständig davon, Antti Törmänen sei keine Notlösung. Sondern ein Trainer, der jetzt eine echte Chance bekomme. Ein Missverständnis ist auch möglich. Oder ist Krueger falsch verstanden oder falsch zitiert worden? Und es bleibt noch die Möglichkeit, dass der SCB Krueger tatsächlich nicht kontaktiert hat, sondern seinen Agenten oder Freunde. Dann würde Lüthi juristisch gesehen nicht lügen. Allerdings sagen sehr gut informierte Gewährsleute im SCB schon seit Wochen, Krueger sei ein Thema für nächste Saison.

Aber am Ende des Tages geht es um etwas anderes: Sollten SCB-General Marc Lüthi oder SCB-Sportchef Sven Leuenberger Krueger tatsächlich nicht kontaktiert haben, dann haben sie ihren Job nicht gemacht. Wenn einer der besten und charismatischsten Hockeycoaches der Welt einen auslaufenden Vertrag hat und der SCB, zurzeit ohne Trainer für nächste Saison und im Selbstverständnis das führende Hockeyunternehmen Europas, diesen Coach nicht kontaktiert, dann sitzen im SCB-Management Ignoranten und Dilettanten. Lüthi und Leuenberger müssten mindestens wöchentlich mit Krueger oder seinem Agenten konferieren. - Affaire à suivre.

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