Aktualisiert 30.03.2013 23:05

Playoff/PlayoutSCB und Lakers erzwingen «Belle»

Der SC Bern gewinnt Spiel 6 in den Playoff-Halbfinals gegen den EV Zug auswärts mit 4:3. Rappi besiegt im Playout-Final Langnau nach Verlängerung und erzwingt ebenfalls ein 7. Spiel.

Der SC Bern hat den Kopf vorerst aus der Schlinge des EV Zug gezogen. Durch seinen ersten Auswärtssieg in der Halbfinal-Serie (4:3) schafften die Berner nach der Heimniederlage vom Gründonnerstag das sofortige Rebreak.

Zug ging in der zum siebten Mal ausverkauften Bossard Arena zweimal in Führung. Verteidiger Alessandro Chiesa und der äusserst formstarke Reto Suri brachten das Heimteam jeweils in nummerischer Überzahl 1:0 und 2:1 in Front. Der zuletzt zumeist als 13. Stürmer (spärlich) eingesetzte Caryl Neuenschwander, quasi aus dem Nichts, und Ryan Gardner nach einem unglücklichen Spielerwechsel der Zuger glichen zweimal aus. Zug hatte die Partie bis zum 2:2 ziemlich gut im Griff.

Zug vergibt gute Ausgangslage

Die Mannschaft von Doug Shedden, die mit einem Sieg erstmals seit 1998 wieder in die Playoff-Finals hätte einziehen können, wählte die «simple» Spielvariante. Zug suchte das Risiko nicht, spielte die einfacheren Pässe und beging in der Defensive lange Zeit so gut wie keine Fehler. «Wir versuchten, die Gangart der Partie zu bestimmen», beschrieb es Verteidiger Timo Helbling. Der «Poker» der Zuger ging aber nicht auf, weil «Bern unser leichtes Nachlassen sofort bestrafte». Denn mit Fortdauer der Partie stiegen Druck des Gegners und die eigene Fehlerquote in der Offensive an. SCB-Keeper Marco Bührer wurde nach nervösem Start immer sicherer, die Zuger Stürmer scheiterten reihenweise. Etwa nach 45 Minuten, als Josh Holden und Suri innert Sekunden beste Möglichkeiten ausliessen.

Im letzten Drittel erarbeitete sich Bern erstmals in einem Auswärtsspiel dieser Serie einen Zweitorevorsprung. Verteidiger Geoff Kinrade sorgte mit einem Handgelenkschuss von der blauen Linie für das 3:2, in der 48. Minute stellte Martin Plüss auf 4:2. Der Berner Captain erzielte in Unterzahl seinen bereits fünften Halbfinal-Treffer. Lange davon zehren konnte der SCB indes nicht. Zug kam nur 19 Sekunden später, als die Strafe gegen Beat Gerber noch immer lief, wieder auf 3:4 heran.

SCB bringt Vorsprung über die Zeit

Und das Heimteam vergab um die 56. Minute die Chance, das Skore auszugleichen, als sich Berns Trainer Antti Törmänen wegen einer Geste gegen die Schiedsrichter eine Bankstrafe einhandelte. Törmänen wollte dem Referee-Duo anzeigen, dass ein Zuger einen Handpass von Ryan Gardner mit dem Hintern noch berührt hatte. Stattdessen interpretierten dies die Schiedsrichter als Beleidigung. Worauf wiederum Törmänen nach Spielschluss vom «grössten Witz aller Zeiten» sprach. Im Gegensatz zu drei der vier vorherigen Powerplays konnte der EVZ das wohl wichtigste Überzahlspiel der Partie nicht verwerten.

So kommt es am Ostermontag um 16.00 Uhr in Bern zum siebten Spiel. Beide Teams wähnen den Vorteil auf ihrer Seite, weil sie im Viertelfinal ihre Serien (Bern gegen Servette, Zug gegen Lugano) in der «Belle» gewonnen hatten. SCB-Stürmer Neuenschwander beschrieb es so: "Wir spüren die positive Energie daraus noch immer.»

Langnau - Rapperswil: Langnau verspielt im Finish Klassenerhalt

Der stolze SC Langnau muss ebenso wie Rapperswil-Jona weiter um den Klassenerhalt bangen. Die Lakers gewannen im Emmental mit 4:3 nach Verlängerung. Am Ostermontag entscheidet eine Belle, wer gegen Lausanne um die Ligazugehörigkeit spielen muss.

Nach 63 Minuten und 58 Sekunden entschied der kanadische Back Derrick Walser die Partie. Er lief in Unterzahl den Langnauern auf und davon und liess auch dem 21-jährigen Goalie Remo Giovannini bei seinem Slapshot keine Abwehrchance. Es war bereits der sechste Shorthander in der gesamten Serie, der dritte der Rapperswil-Jona Lakers.

Lakers erzielt Entscheidung in der Overtime

Ausgerechnet Walser besiegelte das Spiel 7 vom Ostermontag. Fünf Spielminuten vorher drohte Derrick Walser zur tragischen Figur zu werden. Er verschuldete mit einem Puckverlust das Langnauer Führungstor zum 3:2 103 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit. Aber dann stellten sich die Langnauer dumm an. Sie liessen sich auskontern, und sie liessen Adrian Wichser viel zu viel Raum vor dem Tor. Wichser nützte diesen Freiraum zum nicht mehr erwarteten 3:3-Ausgleich 54 Sekunden vor der Schlusssirene. Auch nach dem späten Ausgleich befanden sich vorerst noch die Langnauer im Vorteil. Sie konnten in der Verlängerung zweimal Powerplay spielen. Bei der zweiten Chance kassierten sie den Shorthander von Walser. Langnau hat in der Serie gegen die Lakers bislang 21 Mal in Überzahl gespielt, erzielte in Spiel 6 erstmals ein Tor, kassierte aber mit einem Mann mehr auf dem Eis schon drei Gegentore (!).

Die Rapperswil-Jona Lakers verdienten sich in Spiel 6 den Sieg aber. Schon vor der Verlängerung standen sie bis zur 52. Minute dem Sieg nahe. Die St. Galler brachten diese Vorteile und die 2:1-Führung bis zu diesem Zeitpunkt aber ebenso nicht über die Distanz wie die SCL Tigers den 3:2-Vorsprung im Finish.

Spannung pur bis zum Schluss

Erst die Schlussphase dieser Partie verlief packend. Vorher hatten beide Teams im Gegensatz zu den vorangegangenen fünf Partien der Serie Wert auf solide Defensivarbeit gelegt. Die Lakers erspielten sich ein Chancenplus und führten verdientermassen durch Treffer von Duri Camichel und Robbie Earl bis acht Minuten vor Schluss mit 2:1. Earl boten sich mindestens drei weitere gute Chancen zu einem dritten Goal. Den einzigen Treffer bis zu diesem Zeitpunkt für die Emmentaler hatte Kurtis McLean in doppelter Überzahl erzielt. Innerhalb von sechseinhalb Minuten realisierte dann Langnau die scheinbare Wende. Adrian Brunner (52.) und Etienne Froidevaux (59./nach Vorarbeit von Brunner) brachten bis 103 Sekunden vor Schluss die Tigers in Führung. Adrian Brunner hatte vorher in der gesamten Saison erst ein Tor erzielt. Er wurde erst ab dem zweiten Drittel eingesetzt, als bei Langnau mit Bryce Lampman, Claudio Moggi und Joel Genazzi schon drei Spieler verletzt ausgeschieden waren.

Zug - Bern 3:4 (1:1, 1:1, 1:2)

Bossard Arena. - 7015 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Stricker, Arm/Küng.

Tore: 3. Chiesa (Ausschluss Scherwey) 1:0. 17. Neuenschwander (Rüthemann) 1:1. 31. Suri (Holden/Ausschluss Plüss) 2:1. 33. Gardner (Scherwey, Philippe Furrer) 2:2. 44. Kinrade (Vermin) 2:3. 48. (47:29) Plüss (Rüthemann/Ausschluss Gerber!) 2:4. 48. (47:48) Christen (Martschini/Ausschluss Gerber) 3:4.

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Zug, 5mal 2 Minuten gegen Bern.

PostFinance-Topskorer: Omark; Ritchie.

Zug: Markkanen; Helbling, Fischer; Chiesa, Wozniewski; Erni, Andreas Furrer; Suri, Holden, Casutt; Martschini, Sutter, Omark; Schnyder, Lüthi, Lindemann; Christen, Diem, Lammer.

Bern: Bührer; Roche, Gerber; Collenberg, Philippe Furrer; Kinrade, Randegger; Vermin, Ritchie, Campbell; Neuenschwander, Plüss, Rüthemann; Alain Berger, Gardner, Scherwey; Pascal Berger, Bertschy, Rubin.

Bemerkungen: Zug ohne Blaser (verletzt), Pittis, Rossi und Zubler (alle überzählig), Bern ohne Bednar, Hänni, Jobin (alle verletzt), Heldstab und Sykora (beide überzählig). - Zug ab 59:24 ohne Goalie. - 60. (59:51) Timeout Zug.

Langnau - Rapperswil-Jona 3:4 (0:1, 1:1, 2:1, 0:1) n.V.

Ilfis. 6050 Zuschauer (ausverkauft). SR Prugger/Reiber, Kaderli/Wüst.

Tore: 18. Duri Camichel (Jörg, Nils Berger) 0:1. 27. Kuris McLean 1:1. 29. Earl (Geiger) 1:2. 52. Adrian Brunner 2:2. 59. (58:17) Froidevaux (Adrian Brunner) 3:2. 60. (59:06) Adrian Wichser (Derrick Walser) 3:3. 64. (63:58) Derrick Walser (Ausschluss Duri Camichel!) 3:4.

Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Langnau, 11mal 2 plus 10 Minuten (Sven Berger) gegen Rapperswil-Jona.

PostFinance-Topskorer: Kurtis McLean; Robbie Earl.

Langnau: Giovannini; Simon Lüthi, Reber; Lampman, Popovic; El Assaoui, Lardi; Christian Moser; Sandro Moggi, Tobias Bucher, Claudio Moggi; Simon Moser, Kurtis McLean, Pelletier; Jacquemet, Froidevaux, Genazzi; Leblanc, Adrian Gerber, Lukas Haas; Adrian Brunner.

Rapperswil-Jona: Aebischer; Derrick Walser, Gmür; Geiger, Geyer; Kesä, Sven Berger; Büsser; Hürlimann, Earl, Rizzello; Riesen, Adrian Wichser, Sejna; Kuonen, Burkhalter, Neukom; Jörg, Duri Camichel, Nils Berger; Thibaudeau.

Bemerkungen: Langnau ohne Philippe Rytz (verletzt) und Kim Lindemann (krank), Rapperswil-Jona ohne Welti, Camenzind, Winkler (alle verletzt) und Desmarais (überzähliger Ausländer). Lampman, Claudio Moggi und Genazzi verletzt ausgeschieden. Lattenschuss Lukas Haas (5.). Timeout Rapperswil-Jona (59.). (si)

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