Schädel-Bilder nur die Spitze des Eisbergs
Aktualisiert

Schädel-Bilder nur die Spitze des Eisbergs

Die «Bild»-Zeitung will weitere Skandal-Fotos von Bundeswehrsoldaten veröffentlichen. Wie das Blatt bekannt gab, liegen Dutzende Fotos aus den Jahren 2003 und 2004 vor, die Soldaten mit Leichenteilen zeigen.

Zu sehen sei unter anderem, wie ein Soldaten einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Totenschädel hält. Auf einem anderen Foto sei einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt worden.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, gab zu erkennen, dass er von der neuen Veröffentlichung Kenntnis hat. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Aufklärung «auch in den nächsten Fällen gelingen wird». Zwei verdächtige Soldaten sind im Zusammenhang mit einer ersten Foto-Serie aus dem Jahr 2003, die in der «Bild»-Zeitung erschienen war, bereits vom Dienst suspendiert worden, wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Morgen mitgeteilt hatte. Gegen drei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit von RTL veröffentlichten Fotos aus dem Jahre 2004 wird laut Jung ermittelt. Raabe sagte, einer der Verdächtigen sei bereits vernommen worden.

Raabe betonte, dass das Verhalten der an den makabren Fotoaufnahmen beteiligten Soldaten nicht repräsentativ für die mehr als 200.000 Soldaten sei, die bislang in Auslandseinsätzen waren.

Die «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf einen Soldaten, dass Bundeswehr-Patrouillen regelmässig an der Fundstelle der Leichenteile - einer Lehm- und Sandgrube im Süden Kabuls - vorbeigefahren seien und dort angehalten hätten. Raabe sagte, der Knochen-Fundort befinde sich in der Nähe des ISAF-Lagers Camp Warehouse in Kabul. Dies sei auch ein Fundort russischer Panzerwracks. Ob es einen Zusammenhang gebe, sei noch nicht klar, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Die deutschen Einheiten in Afghanistan wurden Raabe zufolge dafür sensibilisiert, dass ihre Sicherheit durch die Veröffentlichung der Fotos beeinträchtigt sein könnte. Der Sprecher des Innenministeriums, Stefan Kaller, sagte, unter Federführung des Bundeskriminalamtes prüften auch die Sicherheitsbehörden im Inland, ob möglicherweise eine Gefährdung der Sicherheitslage bestehe. (dapd)

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