Pornos in Schulen: Schädlich oder notwendig?
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Pornos in SchulenSchädlich oder notwendig?

Sollen bereits Kinder in der Schule Pornos schauen? Im Streitgespräch kreuzen CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer und Sexualpädagoge Bruno Wermuth die Klingen.

von
Désirée Pomper
CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer und Sexualpädagoge Bruno Wermuth.

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer und Sexualpädagoge Bruno Wermuth.

20 Minuten: Frau Schmid-Federer, Herr Wermuth, Sie beide haben Kinder im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Würden Sie mit ihnen gemeinsam einen Porno schauen, um sie über Realität und Fiktion aufzuklären?

Schmid-Federer: Niemals. Ich finde nicht, dass ein 12-jähriges Kind einen Pornofilm schauen sollte. Ausserdem fördere ich keinen illegalen Pornokonsum. Gerne bin ich aber bereit, jederzeit mit meinen Kindern darüber zu sprechen.

Wermuth: Mein Sohn hat mich bereits gefragt, ob ich für ihn einen geeigneten Film heraussuchen könnte. Ich werde dies sobald wie möglich machen und den Film mit ihm zusammen anschauen. Er hat ein Recht auf Wissen.

Sie denken also nicht, dass Pornofilme bei Kindern Schäden hinterlassen können?

Wermuth: Wichtig ist, dass der Film legal ist, sorgfältig ausgewählt wird und dass auf den Entwicklungsstand der einzelnen Kinder Rücksicht genommen wird.

Schmid-Federer: Diesen Vorsichtsmassnahmen zum Trotz – die meisten Kinder sind einfach noch nicht so weit, Pornos zu schauen. Diese Kinder werden vergewaltigt. Das sind traumatische Erfahrungen, die lang anhaltende Schäden im sozialen Verhalten der Kinder hinterlassen können.

Wermuth: Meine langjährige Arbeitserfahrung mit Jugendlichen zeigt, dass über 80 Prozent der 12- bis 14-Jährigen Pornos gesehen haben. Vor dieser Tatsache kann man nicht einfach die Augen verschliessen.

Schmid-Federer: Ich verschliesse nicht die Augen davor. Aber ich finde, die Schule sollte nicht dafür da sein, Kinder zum Pornokonsum zu verführen. Das Ziel sollte doch sein, den Jugendlichen den Zugang zu pornografischen Filmen so weit wie möglich zu erschweren. Es ist meine Aufgabe als CVP-Politikerin und Mutter, die Kinder und Jugendlichen so lange wie möglich vor Pornofilmen zu schützen.

Wermuth: Es ist aber nicht unsere Aufgabe, Kinder vor gezeigtem Sex zu schützen. Sex an sich ist kein Problem.

Herr Wermuth, reicht es denn nicht, mit den Kinder über Pornofilme zu sprechen, anstatt sie ihnen zu zeigen?

Wermuth: Es ist wie beim Skifahren. Man lernt es nicht, indem man darüber spricht. Man kann nur anhand konkreter Beispiele über Pornos diskutieren und das Gezeigte relativieren.

Schmid-Federer: Es ist doch viel gesünder, wenn ein Kind seine Sexualität auf dem eigenen Weg entdecken kann.

Wermuth: Das Problem dabei ist, dass die Kinder bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen bereits Pornos konsumiert haben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie in der Schule eine «Pornokompetenz» entwickeln, um zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Herr Wermuth, denken Sie, Frau Schmid-Federer ist gefangen in alten Moralvorstellungen?

Wermuth: Nein, aber sie blendet aus, dass bereits Kinder in der Primarschule mittels Internet und Handys in Kontakt mit Pornos geraten und die Schule sich mit diesem Problem befassen muss. Die Idee ist ja nicht, dass man sagt, «macht die Storen runter, heute ist Pornotag». Wenn man Jugendlichen einen guten Sexfilm zeigt, ist es, wie wenn man ihnen einen Film zeigt über eine schöne Bergwanderung. Sexualität ist ein menschliches Verhalten, und alle haben ein Recht, darüber informiert zu sein.

Schmid-Federer: Da ich mich seit Jahren auf politischer Ebene mit Internet und Handys beschäftige, blende ich gar nichts aus. Ich weiss, dass viele Jugendliche Pornofilme gesehen haben. Man kann gezielt mit einzelnen Jugendlichen arbeiten – aber bitte nicht, indem man einer ganzen Schulklasse Pornofilme zeigt. Damit sind die Jugendlichen definitiv überfordert.

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