Aktualisiert 16.08.2017 18:58

Berner OberlandSchäfer holt aus Angst vor Wolf Herde von Alp

Diesen Sommer seien im Oberland besonders viele Schafe Grossraubtieren zum Opfer gefallen, behaupten die Schafzüchter. Bei den Hirten gehe die Angst um.

von
ct
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Schafzüchter Rolf Rüfenacht holte aus Angst vor Bär und Wolf seine Tiere frühzeitig von der Alp. Das sei das erste Mal in 20 Jahren, dass er so eine drastische Massnahme ergreife.

Schafzüchter Rolf Rüfenacht holte aus Angst vor Bär und Wolf seine Tiere frühzeitig von der Alp. Das sei das erste Mal in 20 Jahren, dass er so eine drastische Massnahme ergreife.

zvg
Er sömmerte seit Mitte Juni auf der Alp Hubel im Sustengebiet. Nach nicht einmal zwei Wochen vermisste Rüfenacht bereits ein Weibchen und zwei weitere Schafe fand er verletzt vor.

Er sömmerte seit Mitte Juni auf der Alp Hubel im Sustengebiet. Nach nicht einmal zwei Wochen vermisste Rüfenacht bereits ein Weibchen und zwei weitere Schafe fand er verletzt vor.

«Es könnte der Bär gewesen sein, denn er war just zu dieser Zeit im Sustengebiet unterwegs», sagt Rüfenacht. Der Berner Jagdinspektor kann diese Theorie zwar nicht ganz ausschliessen, aber er gehe Aufgrund der Verletzungen nicht von einem Bären als Verursacher aus.

«Es könnte der Bär gewesen sein, denn er war just zu dieser Zeit im Sustengebiet unterwegs», sagt Rüfenacht. Der Berner Jagdinspektor kann diese Theorie zwar nicht ganz ausschliessen, aber er gehe Aufgrund der Verletzungen nicht von einem Bären als Verursacher aus.

Schangnau, Eriz, Uetendorf, Jochpass und Sustengebiet: 2017 sollen im Berner Oberland besonders viele Schafe gerissen oder angegriffen worden sein: «Bei manchen Rissen kann man keine DNA mehr entnehmen, wenn es schon Maden und Fliegen in den Wunden hat. Dort könnten sowohl Hunde, ein Wolf, ein Luchs oder sogar der Bär die Tiere getötet haben, das lässt sich dann einfach nicht mehr beweisen», sagt Rolf Rüfenacht, Präsident des Verbandes Berner Schafzuchtorganisationen.

Er selber sömmerte seit Mitte Juni auf der Alp Hubel im Sustengebiet. Nach nicht einmal zwei Wochen hat er bereits ein Weibchen nicht mehr finden können und zwei weitere Schafe wurden verletzt. «Es könnte der Bär gewesen sein, denn er war just zu dieser Zeit im Sustengebiet unterwegs», sagt Rüfenacht.

Vorgezogener Alpabzug

Als weitere Verluste folgten – sieben von seinen 55 Schafen sind vermisst, tot oder verletzt – entschied er sich, die Alp früher als geplant zu verlassen. Es sei das erste Mal seit 20 Jahren, dass er früher zurückkehre, sagt Rüfenacht. «Aber meine Schafe waren so verängstigt, dass sie ins höhere Gelände flohen. Wir mussten sie gar mit dem Helikopter suchen.» Bei ihm hätten die Tiere sowas wie Kinderstatus. «Jeder einzelne Verlust tut mir weh.»

Rüfenacht habe nun die Schafzüchter auf den umliegenden Alpen informiert, manche würden sich überlegen, auch früher zurückzukehren. «Aber eins wurde klar: Alle haben Angst. Sie machen nun viel mehr Kontrollgänge, alle sind auf der Hut.»

Schafzüchter verlangen «grossraubtierfreien» Kanton

Auch der Fall Gurzelen bei Uetendorf habe ihn schwer erschüttert. «Wenn in den Bergen ein Luchs oder so ein Schaf reisst und sich tagelang davon ernährt, sodass nur noch das Gerippe übrig bleibt, dann ist das Natur. Aber ein Wildtier, das wie in Gurzelen so nah ans Siedlungsgebiet kommt, das ist erschreckend.»

Er verlangt, dass nun gehandelt werde. «Wenn das vor der eigenen Haustür passiert, halte ich das für Enteignung vom eigenen Land.» Er wünscht sich einen «grossraubtierfreien» Kanton Bern. «Raubtiere, die so weit in den Siedlungsraum vordringen, müssen bejagt werden.»

Nicht ganz so dramatisch

Man müsse festhalten, dass bei vielen Rissen nicht bestätigt sei, dass es ein Wolf war, so Mediensprecher Niklaus Bernhard von der Berner Volkswirtschaftsdirektion. Anfang 2017 habe Wolf M74 im Diemtigtal ein Reh gerissen. Weiter klärt der Berner Jagdinspektor Niklaus Blatter auf, dass M74 im April nachweislich auch drei Schafe auf dem Grimselpass gerissen habe. «In fünf weiteren Fällen müssen wir noch auf die DNA-Analyse warten und in einzelnen Fällen konnte keine DNA genommen werden.»

Dass der beim Sustenhorn gesichtete Bär tatsächlich Rüfenachts Tiere hätte verletzen können, kann der Jagdinspektor Niklaus Blatter fast ausschliessen. «Wir gehen aufgrund der Verletzungen nicht von einem Bären als Verursacher aus.»

Grundsätzlich sei dieses Jahr im Vergleich zu anderen Jahren keine Häufung von Wolfsrissen festzustellen. «Es gab einfach in den letzten Wochen eine Häufung und viele Sichtungen, deshalb wird darüber gesprochen.»

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