Strafgericht BL – «Hündin im Blutrausch» – 37-Jährige notoperiert, Nichte (4) schwer verletzt
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Strafgericht BL«Hündin im Blutrausch» – 37-Jährige notoperiert, Nichte (4) schwer verletzt

Trotz des Wissens, dass es sich bei ihrer Hündin um ein schreckhaftes, wildes Tier handelt, gab sie sie in die Obhut einer Freundin. Beim Freigang drehte der Schäfer durch und griff die Hundesitterin und deren Nichte an. Nun steht die Besitzerin wegen Fahrlässigkeit vor Gericht.

von
Jeanne Dutoit
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In Tenniken attackierte im Juni 2019 eine Schäferhündin ein Kind und dessen Tante. 

In Tenniken attackierte im Juni 2019 eine Schäferhündin ein Kind und dessen Tante.

imago stock&people
Die Hundehalterin muss sich nun vor dem Strafgericht Muttenz verantworten. 

Die Hundehalterin muss sich nun vor dem Strafgericht Muttenz verantworten.

Steve Last
Die Halterin der gab ihre schreckhafte Schäferhündin in die Obhut der 37-jährigen Geschädigten, weil sie am besagten Tag ausser Haus war.

Die Halterin der gab ihre schreckhafte Schäferhündin in die Obhut der 37-jährigen Geschädigten, weil sie am besagten Tag ausser Haus war.

BL

Darum gehts

Die Angeklagte bat eine Kollegin um einen Freundschaftsdienst. Der Auftrag lautete wie folgt: die Schäferhündin am 13. Juni 2019 kurz aus ihrer Hundetransportbox lassen, dass sie im Garten in Tenniken BL ihr Geschäft verrichten konnte. Die Angeklagte selbst sollte an diesem Tag ausser Haus sein, da sie mit ihrer Tochter einen Wettkampf besuchte. Doch der Freigang des Schäfers endete in einem Massaker. «Es war ein Albtraum, überall war Blut», sagte eine Nachbarin danach zu 20 Minuten.

Die Freundin (37) der Angeklagten begab sich um die Mittagszeit zu der Box im Wohnzimmer, um die Hündin nach draussen zu lassen. Begleitet wurde sie von ihrer knapp vierjährigen Nichte, die ihre Tante bereits bei vorangegangenen Besuchen gerne begleitete, so die Anklage.

«Hündin befand sich im Blutrausch»

Plötzlich drehte sich die Schäferhündin um und verbiss sich in dem Gesäss des Kindes. Der Hund habe sich in einem Zustand des «Blutrausches» befunden, so die Staatsanwaltschaft. Die Frau versuchte vergeblich, den Hund von ihrer Nichte wegzuziehen. Sie realisierte, dass sie den Hund nicht mehr kontrollieren konnte und warf sich auf das Mädchen, um es zu schützen. Worauf der Hund, aufgrund seiner Unsicherheit und Überforderung, auf die 37-Jährige losging und sich in ihren Arm festbiss. Mehrfach biss das Tier in die Arme und Beine seines Opfers. Der Hund liess erst von seinen Opfern ab, als er von einer Nachbarin, selbst Hundehalterin, am Kragen gepackt und in die Schranken gewiesen wurde.

Die 37-Jährige erlitt schwere Verletzungen mit lebensbedrohlichem Blutverlust, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Mit der Alpine Air Ambulance wurde sie aus Tenniken in ein Spital geflogen, wo sie notoperiert werden musste. Es folgte ein längerer Aufenthalt im Spital. Auch die Vierjährige wurde mit zehn Bisswunden ins Spital gebracht.

Gegen Tierschutzgesetz verstossen?

Die Hündin wurde nach dem Vorfall von der Polizei beschlagnahmt und dem Baselbieter Veterinäramt übergeben. Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion teilte nach der Attacke mit, dass die Schäferhündin bei einer Verhaltensüberprüfung grundsätzlich kein aggressives Verhalten an den Tag gelegt habe. Allerdings habe das Tier bei bestimmten Reizen eine hohe Angriffsbereitschaft gezeigt.

Am Dienstag steht die Halterin der Hündin vor dem Strafgericht in Muttenz. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, dass sie ihr schreckhaftes und nervlich schwaches Tier in die Obhut einer Person ohne Hundeerfahrung gegeben hatte. Dies, obwohl sie von den Schwächen ihrer aus einer Zuchtlinie für Sporthunde stammenden Schäferhündin wusste und sie aus diesem Grund auch von Besucherinnen und Besuchern fernhielt.

Angeklagt ist die Frau unter anderem wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Denn die Halterin soll ihren Schützling immer wieder, etwa bei ihrer Abwesenheit oder wenn sich die Hündin wild verhielt, für mehrere Stunden in ihre Transportbox gesperrt haben.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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