IOC-Pressekonferenz: «Schämt sich das IOC?»
Aktualisiert

IOC-Pressekonferenz«Schämt sich das IOC?»

Das war eine heikle Pressekonferenz. Ein Journalist stellte dem IOC wiederholt eine heikle Frage zu Menschenrechten und Pressefreiheit. Die Verantwortlichen drückten sich um eine Antwort und wiesen den Reporter in seine Schranken.

Auszug aus der Pressekonferenz mit Giselle Davies. Übersetzung unten.

Wan Wei (Vizepräsident des OK der Olympischen Spiele in Peking BOCOG) und Giselle Davies (Kommunikationsdirektorin des IOC) hätten sich bei der Pressekonferenz wohl andere Fragen gewünscht. Doch Alex Thomson vom britischen «Channel Four News» machte ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung.

Alex Thomson: Schämt sich das IOC, dass China die Versprechen in Bezug auf Pressefreiheit und Menschenrechte nicht einhält?

Giselle Davies: Wir sind stolz, dass die Spiele spektakulären Sport bieten und alles gut funktioniert. Das ist worauf wir hier den Fokus legen.

Thomson: Ich habe nicht gefragt, ob die Spiele gut verlaufen, sondern ob Sie sich schämen für das Verhalten von China. Schämen Sie sich?

Davies: Ich glaube, ich habe diese Frage beantwortet indem ich erklärte, dass...

Thomson (unterbricht): Ich glaube nicht, dass irgendjemand in diesem Raum, das Gefühl hat, dass meine Frage beantwortet wurde. Ist das IOC beschämt, dass die chinesische Regierung die Versprechen nicht einhielt?

Davies: Wir sind glücklich, wie die Organisatoren sehr gute Spiele ermöglichen. Das ist, wie es ist. Die Aufgabe des IOC ist, die olympischen Werte nach China zu bringen. Das geschieht auch. Der Anlass ist vor allem für die Athleten und von diesen erhalten wir sehr positive Feedbacks, was sie vom Ablauf der Spiele halten.

Thomson: Nun, Giselle (Davies), so kommen wir nicht weiter. Ich versuche es nochmals, das letzte Mal: Ist das IOC beschämt, dass China die Versprechen über die Pressefreiheit und die Menschenrechte nicht einhält?

Davies: «Nun, ich glaube, dass ihre Kollegen vielleicht auch noch Fragen haben. Ich denke, ich habe Ihre Frage beantwortet.»

Daraufhin geht ein Raunen durch den Saal und Wan Wei ergreift das Wort. Er erklärt, wie ihm viele Leute versichern, dass sie mit dem Wissen aus TV-Reportagen oder Lektüren China anders erwartet hätten. Aber die Leute seien so freundlich und würden ein gutes Leben führen. «Alle sind glücklich. Die Leute sind optimistisch für ihre Zukunft. Das ist ein Fakt», so Wei. Aber leider gebe es Leute, welche Kritik äussern und kleine Details finden, welche nicht optimal laufen. Und dann sagt Wei in Bezug auf die Versprechen: «Ich habe nicht gesagt, dass China verspricht alles zu unternehmen um die Spiele nach Peking zu holen. Ich sagte das nicht. Aber ich sagte, dass die Spiele den Horizont Chinas erweitern werden. Die Leute werden besser erkennen, wie China ist. Das ist mein Statement und meine Beobachtung.» Und zum Schluss sagt er zu Thomson, weil dieser mit seiner Frage immer wieder insistierte: «Das ist keine Diskussion, okay? Sie haben ihre Zeit um zu sprechen und ich habe meine.» Ob sich das IOC nun schämt oder nicht, weiss Thomson aber doch nicht.

(fox)

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