11.05.2017 06:22

Eishockey-NatiSchäppi rockt die WM und will in die Kirche

Eine neue Tormaschine? Reto Schäppi schreibt eine erstaunliche WM-Geschichte.

von
Marcel Allemann, Paris
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Jubelnde Schweizer: Torschütze Andres Ambühl (kniend) wird nach dem 2:0 von Joel Genazzi gefeiert.

Jubelnde Schweizer: Torschütze Andres Ambühl (kniend) wird nach dem 2:0 von Joel Genazzi gefeiert.

Keystone/Petr David Josek
Bereits im ersten Drittel bringt Reto Schäppi die Schweiz dank diesem Abstauber in Führung.

Bereits im ersten Drittel bringt Reto Schäppi die Schweiz dank diesem Abstauber in Führung.

AFP/Thomas Samson
Die Schweizer kontrollieren die Partie und müssen nur selten einstecken wie hier Damien Brunner.

Die Schweizer kontrollieren die Partie und müssen nur selten einstecken wie hier Damien Brunner.

Keystone/Petr David Josek

Es gibt Stürmer, die definieren sich primär über Skorerpunkte. Reto Schäppi gehört eigentlich nicht zu dieser Sorte. Er ist ein glänzender Defensivstürmer. Mehr als 10 Tore in einer Saison hat der Spieler der ZSC Lions noch nie erzielt. In der zu Ende gegangenen NLA-Spielzeit waren es gar nur vier.

«Wenn es läuft, dann läuft es»

Da ist es umso bemerkenswerter, dass der 26-Jährige nach vier WM-Spielen bereits zwei Tore auf dem Konto hat und an der WM in Paris nach Andres Ambühl (3 Treffer) und gemeinsam mit Vincent Praplan sowie Cody Almond der beste Schweizer Torschütze ist. Beim 3:0-Sieg gegen Weissrussland erzielte er das wichtige 1:0.

«Ich nehme es, wie es kommt. Wenn die Pucks dort liegen, dann haue ich sie schon rein. Aber klar, es ist schön für mich – wenn es läuft, dann läuft es», sagt Schäppi zu seinem in der Stadt der Liebe neu entdeckten Torinstinkt. Die Linie mit ihm, Almond und Thomas Rüfenacht spielt im Schweizer Team eine enorm wichtige Rolle. «Wir können viele Zweikämpfe gewinnen und dadurch auch etwas kreieren, das ist international wichtig», so der Zürcher.

«Wir kommen noch zu den nötigen Punkten»

Damit diese WM nicht nur für ihn persönlich, sondern für das ganze Team zu einer Erfolgsgeschichte wird, braucht es nun noch Punkte gegen die Grossen (Kanada, Finnland, Tschechien). «So wie die Kleinen uns schlagen können, können wir auch die Grossen schlagen. Ich bin davon überzeugt, dass wir noch zu den nötigen Punkten kommen», sagt Schäppi.

Bevor ab Samstag die drei Partien gegen die drei Grossen in der Gruppe auf dem Programm stehen, haben die Schweizer 9 Punkte auf dem Konto. Sie liegen damit mit rund zwei Zählern hinter dem vorgesehenen Fahrplan für die Viertelfinals zurück und werden kaum darum herumkommen, gegen mindestens einen der drei Titanen zu punkten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sind sogar noch drei Punkte nötig.

Schäppi zum Sacré-Coeur, Furrer will Velo fahren

Bevor dieses Unterfangen in Angriff genommen wird, haben die Spieler am Donnerstag einen Tag zur freien Verfügung. Schäppi hat eine klare Vorstellung, wie er diesen verbringen will: «Ich möchte den Sacré-Cœur besuchen. Da war ich schon mal und will unbedingt nochmals hin.» Die Wallfahrtskirche auf dem Montmartre ist eine der grossen Sehenswürdigkeiten von Paris.

Ein wenig die Stadt ansehen, will sich auch Goalie Leonardo Genoni. Geplant hat er jedoch noch nichts: «Schliesslich bin ich hier, um Eishockey zu spielen, und nicht, um mir ein Touristen-Programm zusammenzustellen.» Philippe Furrer möchte sich derweil ein Fahrrad mieten und ein wenig herumfahren. «Aktive Erholung», nennt der Verteidiger das.

Einzig Andres Ambühl, dieses nimmermüde Duracell-Häschen, meint, dass er diese zwei nun anstehenden spiefreien Tage eigentlich gar nicht bräuchte und er am liebsten sogleich weiterspielen würde. Typisch Ambühl eben.

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