Schärfere Strafen für Bruggisser gefordert
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Schärfere Strafen für Bruggisser gefordert

Im Swissair-Prozess haben Geschädigtenverteter eine schärfere Bestrafung für Ex-Konzernchef Philippe Bruggisser sowie Milde für Mario Corti gefordert. Zudem soll Marcel Ospel als Zeuge angehört werden.

Die Geschädigtenvertreter machten in ihren Plädoyers die Angeklagten für das Milliardendesaster verantwortlich. Nicht die Terroranschläge vom 11. September 2001 und nicht die Banken, sondern die Angeklagten seien schuld am Zusammenbruch, sagte Swissair-Liquidator Karl Wüthrich.

Zwei Geschädigtenvertreter machten sich für ausgewogenere Strafanträge für Bruggisser und Ex-Präsident Corti stark. Michael Werder forderte als Vertreter der Obligationäre eine mindestens teilbedingte Freiheitsstrafe für Bruggisser. Umgekehrt setzte er sich zu Gunsten einer bedingten Freiheitsstrafe für Corti ein, auch wenn er ihn zuvor als «Schönwetterkapitän» bezeichnet hatte. Auch Hans-Jacob Heitz gab zu bedenken, dass die Strafen für Bruggisser und Corti sowie für die Finanzchefs Georges Schorderet und Jacqualyn Fouse in eine bessere Relation gestellt werden sollten als von der Anklage gefordert. Corti und Fouse seien die letzten im Umzug gewesen und es wäre nicht recht, wenn sie die Suppe auslöffeln müssten, die dem Konzern schon früher eingebrockt worden sei.

Werder forderte zudem, dass die für die Hauptangeklagten und die Ex-Verwaltungsräte beantragten bedingten Geldstrafen für alle mit Ausnahme von Vreni Spoerry und Eric Honegger unbedingt ausgesprochen werden. Heitz regte ausserdem beim Gericht eine Zeugeneinvernahme des von Corti schwer kritisierten UBS-Präsidenten Ospel an.

Die Geschädigtenvertreter zeichneten ein düsteres Bild der Zustände, die sich ab 1996 nach der Schaffung einer Holdingstruktur abzuzeichnen begann. Es habe 270 Gesellschaften ohne die notwendigen Kontrollinstrumente unter dem Holdingdach gegeben, sagte Werder. «Kein Wunder, dass dieses Monstergebilde abstürzte», fügte er hinzu. Obwohl «der Geier der Überschuldung» schon Ende 2000 über der SAirGroup gekreist habe und eine Sanierung spätestens im Frühjahr 2001 dringlich gewesen wäre, seien die Angeklagten untätig geblieben, waren sich die Anwälte einig. Die Angeklagten hätten das Fallieren und eine Schädigung der Gläubiger in Kauf genommen.

Die Gläubiger der Sabena und damit auch der belgische Staat gehörten zum Kreis der Geschädigten, machten zwei weitere Anwälte geltend. Die Sabena sei «kein schwarzes Loch der Geldvernichtung» gewesen. Die SAirGroup habe die Sabena ausgehöhlt und dann fallen gelassen. Die Angeklagten hätten dem belgischen Staat die Wahrheit über die bedrohliche finanzielle Situation der SAirGroup verheimlicht. Andernfalls hätte der belgische Staat eine andere Lösung für die Sabena gesucht. Der Sabena-Vertreter kündigte weitere Schritte gegen SAirGroup-Verantwortliche an.

Nach einem Tag Pause wird der Prozess am Donnerstag mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. (dapd)

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