Wütender Bauer : Schafe sterben im Kanton Bern an einer Überdosis Brot
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Wütender Bauer Schafe sterben im Kanton Bern an einer Überdosis Brot

Ein junger Schäfer aus dem Kanton Bern muss vier tote Schafe beklagen. Dies, weil seine Schafe von Spaziergängern mit Brot überfüttert wurden.

von
Mira Weingartner
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Auf einem Ölrettich-Feld im Kanton Bern liessen Landwirte ihre Schafsherde weiden. Doch während mehreren Tagen mussten die Bauern insgesamt vier tote Schafe einsammeln. Erst standen die Landwirte vor einem Rätsel. Denn: «Ölrettich schmeckt den Schafen sehr und sie müssen somit nicht zugefüttert werden», so der Bauer. 

Auf einem Ölrettich-Feld im Kanton Bern liessen Landwirte ihre Schafsherde weiden. Doch während mehreren Tagen mussten die Bauern insgesamt vier tote Schafe einsammeln. Erst standen die Landwirte vor einem Rätsel. Denn: «Ölrettich schmeckt den Schafen sehr und sie müssen somit nicht zugefüttert werden», so der Bauer.

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Schliesslich schnitten sie den Tieren den Magen auf. Im Pansen, dem grössten Vormagen des Widerkäuers, fanden sie eine Antwort: Die Tiere sind am übermässigen Konsum von Brot gestorben.  Das Fachwort für diese Erscheinung lautet Pansenazidose.

Schliesslich schnitten sie den Tieren den Magen auf. Im Pansen, dem grössten Vormagen des Widerkäuers, fanden sie eine Antwort: Die Tiere sind am übermässigen Konsum von Brot gestorben. Das Fachwort für diese Erscheinung lautet Pansenazidose.

Das Brot wurde von unbekannten Drittpersonen an die Tiere verfüttert. «Spaziergänger müssen hier während der letzten Tage altes Brot vorbeigebracht haben», vermutet der Schäfer.  

Das Brot wurde von unbekannten Drittpersonen an die Tiere verfüttert. «Spaziergänger müssen hier während der letzten Tage altes Brot vorbeigebracht haben», vermutet der Schäfer.

Innerhalb nur weniger Tage, beinahe Stunden, starben auf einen Feld im bernischen Biberen vier Schafe. Ihre Besitzer, professionelle Schäfer aus der Region, wollten dieser so traurigen wie auch ungewöhnlichen Häufung von Todesfällen innerhalb ihrer Herde auf den Grund gehen.

«Die Todesursache wurde klar, als wir den Kadavern den Magen aufschnitten», sagt der Juniorchef. Der Pansen – der erste und grösste Vormagen der Wiederkäuern– war in allen Fällen mit Brot gefüllt: «Die Tiere sind an einer Übersäurung gestorben», weiss der 22-jährige Landwirt. Eine Überdosis an Stärke habe den vier Mutterschafen das Leben gekostet.

Die geschädigten Berner Landwirte sind verärgert: Das Brot wurde nämlich von unbekannten Drittpersonen an die Tiere verfüttert. «Spaziergänger müssen hier während der letzten Tage altes Brot vorbeigebracht haben», vermutet der Schäfer.

Obwohl auf dem Feld mehrere hundert Schafe weideten, entdeckten nur wenige von ihnen die verstreuten Brotreste. Diese Schafe verschlangen das schädliche Futter schliesslich fast für sich allein. Denn: «Ein Schaf kann nicht einschätzen, wie viel Brot ihm gut tut, und hört somit auch nicht von sich aus auf zu fressen», sagt der Landwirt betrübt.

Drastisches Absinken des pH-Wertes

Schafzüchter Odilo Fässler der Schafzuchtgenossenschaft Fällanden bestätigt diese Problematik: «Frisst ein Schaf zu viel Brot, wird es vergiftet.» Die Stärke des Brotes könne nicht mehr abgebaut werden. «Dies kann zu Blähungen oder Durchfall führen.» Im Extremfall führe das zum Tod durch Kreislauf- oder Nierenversagen. Das Fachwort für diese Erscheinung lautet Pansenazidose: Es bezeichnet eine Stoffwechselstörung bei Wiederkäuern, die durch ein drastisches Absinken des pH-Werts gekennzeichnet ist.

Nebstdem die Bauernfamilie den frühzeitigen Tod ihrer Schafe bedauert, ärgern sie sich auch über die finanzielle Folge der unerlaubten Fütterung. Im Frühling hätten die vier Tiere Lämmchen zur Welt bringen sollen. «Für uns ist ein Schaden von rund 1000 Franken entstanden», sagt der Geschädigte.

Die Schäfer aus Biberen haben inzwischen eine Massnahme getroffen: «Wir haben die Herde auf ein etwas abgelegeneres Feld gezügelt, wo weniger Spaziergänger vorbeigehen.» Sie fordern die Bevölkerung zudem auf, ganz allgemein auf das Füttern fremder Tiere zu verzichten. Man solle dies den Profis überlassen: «Wir Landwirte haben schliesslich eine dreijährige Ausbildung absolviert, damit wir unter anderem auch wissen, wie man Schafe richtig füttert», so der 22-Jährige. Diese Aussage unterstreicht Schafzüchter Fässler: «Um Schafe zu füttern, braucht es Fachwissen.»

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