Nach Indiskretionen: Schaffhausen will neue Nagra-Aufsicht
Aktualisiert

Nach IndiskretionenSchaffhausen will neue Nagra-Aufsicht

Nach dem Wirbel um ein internes Nagra-Papier erhebt die Schaffhauser Regierung ihre Stimme: Sie will eine neue Aufsichtsbehörde, die der Nagra auf die Finger schaut.

Der Schaffhauser Regierungsrat (links) kritisiert das Vorgehen der Nagra und will eine neue Aufsichtsbehörde. Insbesondere die Indiskretionen der Nagra sind der Regierung sauer aufgestossen. Rechts: Nagra-Verwaltungsrat Pankraz Freitag äussert sich am 10. Oktober zum internen Papier, das an die Medien gelangt war.

Der Schaffhauser Regierungsrat (links) kritisiert das Vorgehen der Nagra und will eine neue Aufsichtsbehörde. Insbesondere die Indiskretionen der Nagra sind der Regierung sauer aufgestossen. Rechts: Nagra-Verwaltungsrat Pankraz Freitag äussert sich am 10. Oktober zum internen Papier, das an die Medien gelangt war.

Der Schaffhauser Regierungsrat ist besorgt über die jüngste Entwicklung rund um die Standortsuche für ein geologisches Tiefenlager. Die Glaubwürdigkeit der Nagra habe nach den Indiskretionen gelitten, teilte der Regierungsrat am Mittwoch mit.

Durch die Ereignisse der letzten Wochen würden die Vorwürfe erhärtet, dass die Aufsichtsbehörden (BFE, Ensi) nicht entsprechend ihrem Auftrag gegenüber der Nagra aufträten, heisst es weiter.

Nach Ansicht der Schaffhauser Regierung braucht es deshalb eine «unabhängige, fachlich kompetente Aufsicht» über die Arbeiten der Entsorgungspflichtigen. Nur so könne eine «ergebnisoffene Führung» des Prozesses zur Suche eines Standortes für ein Tiefenlager garantiert werden kann.

Auch nehme der Regierungsrat mit Besorgnis zur Kenntnis, dass kritische Expertenstimmen in der Diskussion teilweise ausgegrenzt werden. Dies erschwere die Erarbeitung von guten Lösungen für die Entsorgung der hochgiftigen Abfälle und für die noch vielen offenen Fragen im Zusammenhang mit der Tiefenlagerung.

Der Schaffhauser Regierungsrat lehnt grundsätzlich Lagerstandorte in unmittelbarer Nähe zur Agglomeration Schaffhausen, wo 80 Prozent der Bevölkerung und Arbeitsplätze im Kanton konzentriert sind, als unzumutbar ab.

Zeitplan «zu eng»

Die «SonntagsZeitung» hatte kürzlich ein internes Nagra-Papier veröffentlicht. Darin nennt die Nagra auf einer Tabelle zum Bohrprogramm zwei Standorte für ein Atommüll-Endlager: Zürich Nordost (Weinland) für hochradioaktive Abfälle und Jura Ost (Bözberg AG) für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Das Auswahlverfahren für einen Standort zur Lagerung des Atommülls soll bis 2020 zu einem Ergebnis führen. Diesen Zeitplan hält die Schaffhauser Regierung «für zu eng». Ziel ist ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie eines für hochradioaktive Abfälle oder ein Kombilager.

Für die Tiefenlager kommen sechs Standorte in Frage: Südranden SH, Nördlich Lägeren AG/ZH, Zürich Nordost ZH/TG, Jura Ost AG, Jura Südfuss SO/AG und Wellenberg NW/OW. (sda)

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