Ende Feuer: Schafft Ueli Maurer die Panzer ab?
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Ende FeuerSchafft Ueli Maurer die Panzer ab?

Sparen statt Schiessen: Die Schweizer Armee tritt den finanzpolitischen Rückzug an. Sie prüft markante Einschnitte – von der Schliessung von Flugplätzen bis zur Abschaffung von Kampfpanzern.

von
hal
Im August 2012 kletterte Ueli Maurer noch auf einen Leopard 87 und liess ihn sich erklären. Bald könnte dieser verschrottet werden.

Im August 2012 kletterte Ueli Maurer noch auf einen Leopard 87 und liess ihn sich erklären. Bald könnte dieser verschrottet werden.

Ueli Maurer hat zwar eine Armee im Rücken, ist im Bundesrat aber ein Einzelkämpfer: Seine sechs Amtskollegen wollen dem Verteidigungsminister die Mittel ab 2014 auf 4,7 Milliarden kürzen. Dies stellt Maurer vor strategische Probleme: Verweigern ihm National- und Ständerat die Schützenhilfe, muss er nicht nur 300 Millionen Franken pro Jahr einsparen, sondern jährlich weitere 300 Millionen für die neuen Kampfjets auf die Seite legen.

Was dieser Sparzwang für die Armee bedeuten könnte, hat das Verteidigungsdepartment jetzt in einem unveröffentlichten Bericht dargelegt. Darin plant das VBS mit einer markant kleineren Schweizer Armee. Es seien «grosse Einschnitte unausweichlich», zitiert die NZZ aus dem 61-seitigen Bericht.

Moderne, leichte Waffensysteme statt Panzer

Konkret stellt das VBS eine ganze Reihe von Sparmassnahmen in Aussicht: So würde ein erheblicher Teil der Infrastruktur den Sparmassnahmen zum Opfer fallen – bis zu einem Dutzend Waffenplätze, ein Rekrutierungszentrum, die Mehrheit der unterirdischen Material- und Munitionsdepots sowie Militärspitäler müssten geschlossen werden.

Auch bei den Waffensystemen soll gespart werden. Der Bericht erwähnt die Liquidation des Fliegerabwehrsystems Taflir und der Panzerjäger. Zudem stellt er die Zukunft schwerer Waffensysteme wie der Artillerie oder der Kampfpanzer infrage. Gut möglich, dass die 134 Leopard-Kampfpanzer oder die 133 Panzerhaubitzen nicht ersetzt werden, wenn sie in wenigen Jahren zum alten Eisen gehören. Es sei anzunehmen, dass «in Zukunft mobilere, flexiblere und leichtere Waffensysteme effizienter sind», so der Bericht.

Für Linke sind Panzer überholt

Das VBS bestätigte heute die Szenarien. Ganz neu sind sie jedoch nicht: Ueli Maurer hatte schon mehrfach mit einschneidenden Massnahmen bei Ausrüstung, Infrastruktur und Panzern gedroht. Kritiker warfen dem Verteidigungsminister vor, dass er sich durch diese Taktik mehr Geld erschleichen wolle. Zudem würde die Armee mit den Panzern ihr vielleicht wichtigstes Werbemittel verlieren. Nicht umsonst plante Armeechef André Blattmann noch Ende 2012 Strassenshows mit Panzern, um die Sympathie der Bevölkerung zurückzugewinnen.

Die Linken würden den Panzern hingegen keine Träne nachweinen. Sie bezweifeln schon lange, «dass die Gefahren

und Risiken von heute mit Panzern und

Kanonen bekämpft werden können», wie beispielsweise SP-Nationalrätin Chantal Galladé 2011 in der Schweizerischen Militärzeitschrift sagte. Ueli Maurer selbst wüsste jedenfalls, wie die Armee auch ohne Panzer vorwärtskommt: Auf dem Höhepunkt seiner aktiven Militärkarriere war er Major in einem Radfahrer-Bataillon.

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