Aktualisiert 07.10.2014 15:17

Asylheim SchafhausenSchafhauser haben Angst vor den Fremden

Während Helfer die Asylunterkunft für 150 Menschen in Schafhausen im Emmental herrichten, hat die Bevölkerung einige Vorbehalte.

von
S. Mühlemann/M. Weingartner

Auf der Wiese vor dem Schulhaus grasen Kühe und die Sonne scheint – doch die Idylle im beschaulichen Schafhausen i.E. trügt. Die Dorfbevölkerung wehrt sich gegen die Einquartierung von 150 Asylbewerbern im ungenutzten Schulhaus. Man sei von den Behörden übergangen worden. Zudem sei die Anzahl Menschen einfach zu gross für das 300-Seelen-Dorf, ist auf den Strassen immer wieder zu hören.

«Einschneidende Erfahrung für Schafhäusler»

Weiter machen sich diffuse Ängste breit: «Ich will nicht, dass die Ausländer den ganzen Tag vor meinem Haus Bier trinken», sagt eine Frau. Zudem wolle ihre Tochter die Enkel nicht mehr zu ihr zum Hüten bringen. «Sie hat Angst um die Kinder.» Eine andere Anwohnerin ergänzt: «Mir hat eine Mutter erzählt, dass ihr Kind Angst vor Schwarzen habe.» Grüssen wolle man die neuen Nachbarn aber dennoch. «Das gehört sich so.»

Walter Scheidegger (SVP), Gemeindepräsident von Hasle bei Burgdorf, zu dem Schafhausen politisch gehört, hat Verständnis für die Verunsicherung im Dorf. Dass die Leute nun aber als Rassisten abgestempelt würden, gehe zu weit. «Wir haben halt einen tiefen Ausländerprozentsatz – für die Leute ist die Einquartierung von Asylbewerbern daher sicher eine einschneidende Erfahrung.» Er hoffe, dass «die Schafhäusler trotz Asylbewerbern weiterhin auf die Strasse gehen können». Er hofft, dass es keine Probleme geben werden: «Der Betrieb des Zentrums muss rund laufen, dann legen sich auch die Befürchtungen.» Man wolle nun einen runden Tisch organisieren, um die Anwohner zu informieren und allfällige Probleme lösen zu können.

Auf Facebook machen zwei Gruppen mobil – eine gegen die Asylbewerber mit teils rassistischen Kommentaren, eine für mehr Toleranz. Die Betreiberin der letzteren wird bedroht und prüft, Anzeige einzureichen.

Während sich die Dorfbevölkerung sorgt, laufen die Vorbereitungen für den Einzug der Asylbewerber bereits auf Hochtouren. Die Heilsarmee wird die Unterkunft im ehemaligen Schulhaus betreiben. «Wir sind froh, können die traumatisierten Menschen in einem Licht durchfluteten Haus wohnen», sagt eine Helferin, «das ist Balsam für ihre Seelen.»

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