16.05.2014 16:21

Elf tote Schafe

Schafzüchter fordern Abschuss von Bär M25

Der Bär M25 pendelt zwischen dem Tirol und der Schweiz. In der Nacht auf Donnerstag hat er bei Vinadi GR neun Schafe gerissen. Züchter fordern nun seinen Abschuss.

von
num

Wieder hat der Bär M25 zugeschlagen, wieder sind Schafe tot. In der Nacht riss er neun Schafe, nun sind es elf Tiere, die der zugewanderte Jungbär in der Schweiz auf dem Gewissen hat.

Der Präsident des Bündner Schafzuchtverbandes, Duosch Städler, ist enttäuscht. Er fühlt sich vom Bund, vom Kanton und von den Medien im Stich gelassen. «Man stellt uns vor vollendete Tatsachen, sagt, wir sollten unsere Schafe besser schützen.» Die Stimmung unter den Schafzüchtern im Unterengadin sei «ziemlich schlecht».

Der hundertprozentige Schutz der Herden gestalte sich schwierig. Schutzhunde seien aus seiner Sicht nicht immer optimal. «Zum Teil haben wir riesige Herden, da bräuchte es Unmengen von Hunden, teilweise sind sie auch in Gebieten, wo es schlicht und einfach nicht geht.»

Abschuss «einzige Lösung»

Einen anderen Schutz würden bärensichere Zäune darstellen. Städler meldet auch hier Bedenken an: «Einerseits bieten diese zwar Schutz, andererseits ist es für eine grosse Herde nicht gut, immer eingezäunt zu sein.» Sei dies wegen Krankheiten oder Unruhe, die sich dadurch unter den Schafen breitmache.

Für Städler wäre ein Abschuss des Bären derzeit die einzige Lösung. Verbrämungsaktionen mit Gummischrot oder Knallkörpern seien nur Symptombekämpfung. «Dann macht er an einem anderen Ort Probleme.»

Die Argumente der Schafzüchter lässt die Geschäftsführerin des WWF Graubünden, Anita Mazzetta, nicht gelten. Sie kritisiert die Haltung der Bauern, die das Risiko eingehen und ihre Schafe schutzlos auf der Weide lassen. «Wenn die Schafzüchter ihre Tiere lieben würden, böten sie ihnen entsprechenden Schutz.»

Abschuss erst bei Risiko für Menschen

Mit Herdenhunden, die tagsüber die Herde bewachen würden, Zäunen und der Haltung der Tiere im Stall über Nacht könne guter Schutz geboten werden. Mazzetta: «Es ist einfach, als Schafzüchter zu sagen: ?Wir passen uns nicht an, der Bär muss weg.?»

Es sei dem WWF klar, dass der Bär für die Landwirtschaft eine grosse Herausforderung darstelle. Doch die Züchter müssten auch verstehen, dass wegen ihrer Schafe ein Bär nicht abgeschossen werde. «Das passiert erst, wenn er als Risikobär - also als gefährlich für Menschen - eingestuft wird.»

Duosch Städler sagt verbittert: «Bis jetzt konnte mir noch niemand sagen, wie wir uns wirklich vor dem Bären schützen können. Und dass der Probleme macht, das war klar.»

Problembären kosten viel Geld

Bär M13 musste im Februar 2013 erlegt werden. Zuvor hatte er dem Bund einiges an Kosten verursacht. Im Jahre 2012 mussten insgesamt 30 gerissene Schafe, 2 Ziegen und eine verletzte Eselin für insgesamt 13'300 Franken entschädigt werden. Schäden an Bienenhäusern und Bienenkästen beliefen sich auf 11'000 Franken und weitere Schäden an Gebäuden und Einrichtungen auf 10'000 Franken.

Für bärensichere Abfallbehälter entlang der Kantonsstrasse mussten Fr. 54‘000.- aufgewendet werden. Mit Bundesmitteln wurden Einzäunungen von Bienenhäuschen mit 15400 Franken, der teilweise vorzeitige Alpabzug mit 16'700 Franken entschädigt.

Der personelle Aufwand für den Bären belief sich allein im Jahr 2012 auf 165'000 Franken Personalkosten.

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