Aktualisiert 30.06.2011 18:08

Wimbledon

Scharapowa trifft im Final auf Kvitova

Maria Scharapowa setzte sich im Halbfinal gegen die Deutsche Sabine Lisicki locker durch. Sie trifft am Samstag im Final auf Petra Kvitova.

Im Frauen-Final von Wimbledon stehen eine routinierte und eine unerfahrene Spielerin:Maria Scharapowa wird nach dem 6:4, 6:3 gegen Sabine Lisicki von Petra Kvitova (6:1, 3:6, 6:2 gegen Victoria Asarenka) herausgefordert.

Scharapowa kann dem Final eigentlich beruhigt entgegensehen, denn ihr Halbfinal lässt sich so zusammenfassen: Hauptprobe missglückt, Final erreicht. Die Russin erwischte einen Horrorstart, traf in den ersten sieben Minuten praktisch keinen Ball und fuhr in dieser Zeit ein 2:12-Punkte- und ein 0:3-Game-Defizit ein.

Lisicki, die so unbeschwert begann, wie sie gegen Marion Bartoli aufgehört hatte, kam im vierten Game zu einer weiteren Breakchance, doch statt der Satzvorentscheidung kam dann die Wende. Von diesem Moment an wurde Scharapowa von der Grundlinie aus sicherer, wobei ihr auch ihre im Frauentennis einzigartige Konzentrationsfähigkeit half.

Den Satzball verwertete Scharapowa ironischerweise mit einem Ass - nachdem die 186 Zentimeter grosse Athletin bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Doppelfehler serviert hatte, denen im zweiten Satz sieben weitere folgten. Am Schluss stand die bestverdienende Sportlerin der Welt mit einem Schnitt von 1,5 Doppelfehlern pro Game zu Buche - und mit einem Zweisatzsieg im Endspiel. «Ich bin sehr zufrieden, dass ich mit dieser Serviceleistung in zwei Sätzen gewinnen konnte», sagte Scharapowa. «Ich konnte sie häufig breaken und habe vieles richtig gemacht. Das ist alles, was zählt».

Vorläufige Krönung des Comebacks

Die erschreckende Serviceleistung Scharapowas dürfte schon bald nur noch im Kopf von Lisicki Spuren hinterlassen. «Mascha» kann nach vorne blicken. Sie greift am Samstag nach ihrem vierten Major-Titel (nach Wimbledon 2004, US Open 2006, Australian Open 2008), und ihre langwierigen Verletzungsprobleme scheinen definitiv vergessen. Im Mai 2009 war sie nach neunmonatiger Pause wegen einer Schulteroperation bis auf Platz 126 zurückgefallen, ehe sie den langen Weg zurück antrat.

Ihrer mentalen Stärke zum Trotz hatte sie damals grosse Zweifel: «Ich hatte mir immer wieder Ziele gesetzt, wann ich wieder spielen wollte und diese immer wieder verpasst. Zudem sind nicht viele Spieler nach solchen Verletzungen wieder ganz zurückgekommen.»

Die einst im frühen Kindesalter von Sibirien nach Florida emigrierte Scharapowa hat es aber geschafft. In diesem Jahr spielt sie nun wieder sehr konstant, siegte in Rom, erreichte den Final in Miami, die Halbfinals in Indian Wells und Roland Garros und nun den Wimbledon-Final. Auch wegen dieser neuen, alten Konstanz wird sie am Montag erstmals seit August 2008 wieder unter den Top 5 der Welt aufscheinen.

Mit ihren knapp 24 Jahren und 2 Monaten war Scharapowa nicht nur die «Old Lady» unter den Halbfinalistinnen, sie hatte auch deutlich mehr Matches bei Grand Slams gewonnen als das übrige Trio zusammen (113:94). Im Final ist sie aufgrund der Erfahrung zu favorisieren; die Leistung des Halbfinals würde indes eher für einen Sieg von Kvitova sprechen.

Die erste «Linke» seit 17 Jahren

Die 21-Jährige generierte von der Grundlinie und mit ihrem Aufschlag enorm viel Druck, zudem war sie auch deutlich konstanter als Asarenka, die bei ihrer Halbfinal-Premiere doch sehr nervös wirkte. Am Schluss notierten die Statistiker 40:9 Winner für Kvitova - ein erstaunliches Verhältnis, gerade wenn man bedenkt, dass Asarenka ebenfalls zu den grössten Hardhitterinnen im Circuit zählt. «Für mich ist das der schönste Tag in meinem Tennisleben», erklärte Kvitova in noch steigerungsfähigem Englisch strahlend.

Gerade angesichts des derzeitigen Machtvakuums auf der WTA-Tour, Kvitovas Potenzial und ihrer Erfolge der letzten Monate , wurde sie zumindest dem erweiterten Favoritenkreis zugerechnet. Für die beiden «prominenten Martinas», Hingis und Navratilova, war sie Anfang Woche sogar Favoritin Nummer 1.

Kvitova wandelt sehr erfolgreich auf den Spuren von Navratilova. Sie ist die erste Linkshänderin im Wimbledon-Endspiel, seit die neunmalige Championne dies 1994 geschafft hatte. Kvitova schaut aber noch vier Jahre weiter zurück: 1990 hatte Navratilova gegen Zina Garrison ihren letzten Titel geholt. Auf die Frage, was denn im Final gegen Scharapowa für sie spreche, antwortete Kvitova wie aus der Pistole geschossen: «Meine Linkshändigkeit». (si)

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