Flughafen Zürich: Scharfe Kritik an den zunehmenden Nachtflügen
Aktualisiert

Flughafen ZürichScharfe Kritik an den zunehmenden Nachtflügen

Parteien und Fluglärmorganisationen haben mit scharfer Kritik auf den Flughafenbericht reagiert. Vom Regierungsrat werden «griffige Massnahmen» erwartet.

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Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh musste im November 2015 bei ihrer ersten Präsentation des regierungsrätlichen Flughafenberichts vor den Medien den höchsten Wert des Zürcher Fluglärm-Indexes (ZFI) seit dessen Einführung im Jahre 2007 verkünden.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh musste im November 2015 bei ihrer ersten Präsentation des regierungsrätlichen Flughafenberichts vor den Medien den höchsten Wert des Zürcher Fluglärm-Indexes (ZFI) seit dessen Einführung im Jahre 2007 verkünden.

Keystone/Walter Bieri
Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl lärmgeplagter Personen um 4258 zu. Das entspricht gegenüber 2013 einer Zunahme um 7 Prozent. Der Richtwert von 47'000 Personen wurde damit um fast 30 Prozent überschritten.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl lärmgeplagter Personen um 4258 zu. Das entspricht gegenüber 2013 einer Zunahme um 7 Prozent. Der Richtwert von 47'000 Personen wurde damit um fast 30 Prozent überschritten.

Keystone/Walter Bieri
Die Zahl der in der Nacht im Schlaf gestörten Personen nahm um 16 Prozent und der am Tag stark belästigten Personen um 2 Prozent zu.

Die Zahl der in der Nacht im Schlaf gestörten Personen nahm um 16 Prozent und der am Tag stark belästigten Personen um 2 Prozent zu.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Dass die in der Nacht im Schlaf gestörten Personen um satte 16 Prozent zugenommen haben, könne nicht einfach hingenommen werden, schreibt die EVP in einer Mitteilung. Es sei bedenklich, dass die «gravierende Lärmbelastung» und die jahrelange, massive Überschreitung des Richtwerts beim Fluglärmindex (ZFI) von den Verantwortlichen ohne griffige Gegenmassnahmen einfach toleriert werde.

Bezüglich Einhaltung der Nachtruhe müsse nun endlich gehandelt werden. Nach Ansicht der EVP müssen Forderungen nach Kapazitätserweiterungen «kritisch hinterfragt werden».

«Regierung hat nur Kamillentee im Sortiment»

Für die Grünen ist klar: «Der Zürcher Fluglärmindex nimmt wegen der Verletzung der Nachtflugsperre zu». Der Versuch der Regierung, den Anstieg der Lärmbetroffenen mit dem Bevölkerungswachstum zu erklärten, sei «Augenwischerei».

Laut der Partei zeigt sich der ZFI einmal mehr als «empfindliches Fieberthermometer». Als Kur habe der Regierungsrat aber einmal mehr nur Kamillentee im Sortiment. Die Grünen protestierten gegen diese passive Haltung und verlangten griffige Massnahmen, heisst es in der Mitteilung.

Harsche Kritik kommt auch von den Grünliberalen. Sie fordern die Regierung auf, mit dem Flughafenbericht Transparenz zu den «wahren Gründen» der erhöhten Lärmbelastung der Bevölkerung zu schaffen und die Probleme dann mit der Flughafen Zürich AG anzugehen. Gegenüber 2013 seien 16 Prozent mehr Flüge in den Nachtstunden abgewickelt worden. Eine Erklärung dafür bleibe der Flughafenbericht schuldig.

Nachtlärm ist gesundheitsschädigend

Die Zahl der Nachtflüge scheine völlig aus dem Ruder zu laufen, stellt der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) fest. Die starke Überschreitung des gesetzlichen Referenzwertes sei inakzeptabel. Im Strassenverkehr führten Geschwindigkeitsüberschreitungen in diesem Rahmen zum Ausweisentzug.

Der Schutzverband weist darauf hin, dass die Nachtflüge seit Jahren stark zunehmen. Lärmbedingte Schlafstörungen seien gesundheitlich besonders bedenklich und wirkten sich auf die Standortqualität der Flughafenregion verheerend aus.

Die wirksamste Massnahme zur Senkung des ZFI auf das gesetzliche Mass bestehe darin, die Bewegungszahlen in den sensiblen Nachtrandstunden und Nachtstunden zu reduzieren. Viele Starts könnten beim heutigen Flugplan gar nicht pünktlich sein. Die verspäteten Abflüge seien somit geplant.

Nachtflugsperre darf nicht umgangen werden

Das Fluglärmforum Süd fragt sich, ob die Flüge am späten Abend wirklich im Sinne der Flugpassagiere seien oder ob sie nur der Hub-Funktionen des Flughafens dienten. Wer so spät abfliege, komme in Genf, Moskau, Stuttgart und Tel Aviv mitten in der Nacht an. Solche Verbindungen wählten freiwillig nur Umsteigepassagiere, die in einer andern Destination einen guten Preis angeboten erhielten. Solche Flüge seien volkswirtschaftlich schädlich.

Auch die IG Nord fordert die strikte Einhaltung der Nachtflugsperre. «Es darf nicht sein, dass die Nachtflugsperre systematisch umgangen wird und immer grössere Teile der Bevölkerung in ihrer Nachtruhe stark gestört werden», wird der Präsident Hanspeter Lienhard in einer Mitteilung zitiert. (sda)

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