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Geiseldrama in ManilaScharfe Kritik an «inkompetenter» Polizei

Mit Trauer und Wut reagiert Hongkong auf den Tod von acht Touristen beim Geiseldrama in Manila. Behörden und Bevölkerung erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

von
pbl

Von einem «schweren Schlag» für die Menschen in Hongkong sprach Donald Tsang, der Regierungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone. Das Vorgehen der Polizei kritisierte er scharf: Er habe schon während des Einsatzes seine «ernste Besorgnis» zum Ausdruck gebracht, wie sie mit der Situation umgegangen sei, sagte Tsang. Der Ausgang des Geiseldramas, bei dem acht Touristen ums Leben kamen, sei «inakzeptabel».

Ebenso deutlich war die Kritik in den Medien. Die Zeitung «The Standard» stellte den Ablauf der Befreiungsaktion in Frage. Nachdem die Polizei mit der Erstürmung des Busses begonnen habe, sei «eine ganze Stunde» vergangen, bis der Geiselnehmer, ein frustrierter Ex-Polizist, für tot erklärt wurde. Auch eine Überlebende erhob schwere Vorwürfe: «Wir hatten stundenlang Angst, es war furchtbar», sagte Alicia Leung. Ihr Ehemann war getötet worden, als er seine Frau zu schützen versucht hatte.

Reisewarnung für Philippinen

Zahlreiche Menschen in Hongkong hatten das Geiseldrama live am Fernsehen mitverfolgt und gaben danach in Online-Foren ihrer Frustration über die Polizei Ausdruck. Vor dem Generalkonsulat der Philippinen kam es zu Protesten gegen die «inkompetenten Rettungsbemühungen». Selbst die Verantwortlichen in Manila räumten Mängel ein. Nun haben die Behörden in Hongkong eine Reisewarnung für die Philippinen erlassen, deren Strände ein beliebtes Urlaubsziel sind. Die Regierung in Peking verlangte eine umfassende Untersuchung.

Die rund 150 000 Filipinos, die vorwiegend als Hausangestellte in Hongkong leben und arbeiten, fürchten sich laut CNN vor Übergriffen. Die Dachorganisation United Filipinos in Hongkong drückte in einer Mitteilung ihre Betroffenheit über das Geiseldrama und den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Einzelne Arbeitgeber hätten ihren philippinischen Angestellten geraten, am Dienstag zu Hause zu bleiben, sagte ihr Vorsitzender Eman Villanueva. Allerdings gebe es noch keine Berichte über negative Vorkommnisse.

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