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Zivilisten bombardiertScharfe Kritik an US-Offizieren

Weil eine US-Drohnen-Crew einen Konvoi in Afghanistan falsch eingeschätzt hat, mussten 23 Zivilisten sterben. Nun wurden die Verantwortlichen scharf kritisiert.

Symbolbild. Ausblick auf einen Ausschnitt der Strasse zwischen Kandahar und Tarin Kot, der Hauptstadt der afghanischen Provinz Uruzgan (9. September 2004).

Symbolbild. Ausblick auf einen Ausschnitt der Strasse zwischen Kandahar und Tarin Kot, der Hauptstadt der afghanischen Provinz Uruzgan (9. September 2004).

Der Tod von 23 Zivilisten bei einem US-Luftangriff in Afghanistan im Februar ist einem Untersuchungsbericht zufolge auf unzureichende Informationen und Fehlschlüsse zurückzuführen. Schwere Vorwürfe erhebt der am Samstag veröffentlichte Bericht gegen Luftwaffenoffiziere, die das Geschehen in Afghanistan mithilfe von Aufnahmen eines unbemannten Flugzeugs aus den USA beobachteten. Die Crew auf dem Luftwaffenstützpunkt in Nevada habe Hinweise darauf, dass der bombardierte Konvoi ungefährlich sein könnte, ignoriert.

Der Luftangriff am 21. Februar richtete sich gegen einen Fahrzeugkonvoi in der Nähe des Dorfes Chod in der Provinz Urusgan, wo sich zu diesem Zeitpunkt US-Spezialkräfte schwere Gefechte mit Aufständischen lieferten. Der Angriff wurde in der Annahme befohlen, dass in dem Konvoi weitere Aufständische zur Verstärkung anrückten.

Dem Untersuchungsbericht zufolge beruhte diese Annahme indes auf ungenauen Informationen. Weder die Gefechtsstände vor Ort noch die Luftwaffenoffiziere in Nevada hätten dem zuständigen Kommandeur Hinweise darauf übermittelt, dass die Fahrzeuge möglicherweise keine Bedrohung darstellten. Dem Team in Nevada sei «ungenaue und unprofessionelle Berichterstattung» vorzuwerfen.

Verantwortliche Offiziere gerügt

Der Oberbefehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, rügte aufgrund des Berichts sechs Offiziere in Afghanistan. Zudem forderte er die Luftwaffe auf, die Vorwürfe gegen die Offiziere in Nevada zu prüfen.

Der Angriff vom 21. Februar war von der afghanischen Regierung scharf kritisiert worden. Mit 23 zivilen Opfern war es der folgenschwerste Zwischenfall seit dem von der deutschen Bundeswehr angeforderten Luftangriff auf zwei Tanklaster in Kundus am 4. September 2009. Bei dem Angriff in Kundus kamen 142 Menschen ums Leben, darunter zahlreiche Zivilisten. (dapd)

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