Scharm el Scheich: Wer sind die Hintermänner?
Aktualisiert

Scharm el Scheich: Wer sind die Hintermänner?

Nach den verheerendsten Terroranschlägen in der Geschichte Ägyptens fahndet die Polizei fieberhaft nach den Tätern und ihren Hintermännern. Mehr als 70 Verdächtige wurden bis Sonntag festgenommen.

Die Bombenexplosionen am Samstag im Badeort Scharm el Scheich auf der Halbinsel Sinai kosteten mindestens 88 Menschen das Leben. Viele Touristen brachten ihren Urlaub danach ab und flogen vorzeitig nach Hause. Die Anschläge, zu denen sich zwei islamistische Gruppen bekannten, wurden international verurteilt.

Das Vorgehen der ägyptischen Polizei ist ähnlich wie nach den Anschlägen im Oktober von Taba und Ras Schitan, die ebenfalls auf dem Sinai liegen. Damals wurden 3.000 Menschen vorübergehend festgenommen. Etliche klagten später, sie seien gefoltert worden. Die ägyptische Polizei prüft nach Angaben des Innenministeriums, ob es Verbindungen zwischen den Anschlägen gibt.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, waren vier Terroristen für die drei koordinierten Explosion in Scharm el Scheich verantwortlich. Sie nutzten dabei offenbar ganz gezielt Sicherheitslücken in dem Badeort aus, in dem auch schon wiederholt internationale Konferenzen stattfanden. Die vier Männer fuhren demnach von Norden über Wüstenpisten in die Stadt, in ihren Fahrzeugen waren 400 Kilogramm Sprengstoff. Zwei Männer parkten dann einen grünen Isuzu in einem Viertel, das als Alter Markt bekannt ist. Ein Zeitzünder löste um 01.15 Uhr die Explosion aus, die ein Café völlig zerstörte.

In dem zweiten Fahrzeug, einem weissen Geländewagen, fuhren den Angaben zufolge zwei weitere Terroristen zum Hotel Ghazala Gardens Hotel. Es ist eines der wenigen Hotels an der Hauptstrasse, dessen Zufahrt nicht umfangreich gesichert ist. Unterwegs stieg einer der Attentäter aus und hinterliess auf einem Parkplatz in einem Koffer eine Bombe mit einem Zeitzünder. Der zweite Terrorist fuhr das Fahrzeug in die Empfangshalle und zündete die Bombe. Als die Menschen aus dem Hotel flohen, explodierte der Sprengsatz draussen auf dem Parkplatz.

Die Anschläge treffen die ägyptische Tourismusindustrie hart. Scharm el Scheich war am Sonntag wie verwaist. Zahlreiche Touristen beendeten ihren Urlaub vorzeitig. Reiseveranstalter schickten Sondermaschinen, um sie abzuholen.

Die ägyptischen Behörden bemühten sich am Sonntag weiter, die Opfer zu identifizieren. Bei 34 Toten stand dies noch aus. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Ägypter. Nach Angaben aus dem Krankenhaus in Scharm el Scheich waren aber auch mindestens sieben westliche Ausländer darunter.

Im Internet bekannte sich eine islamistische Gruppierung namens Abdullah-Assam-Brigaden in Syrien und Ägypten zu den Anschlägen, die Beziehungen zum Terrornetz Al Kaida unterhalten soll. Später reklamierte jedoch eine weitere, bislang unbekannte Gruppe namens Mudschahedi Masr (Heilige Krieger von Ägypten) die Täterschaft für sich. Die Assam-Brigaden hatten sich schon im Oktober als eine von zwei Gruppierungen zu den Anschlägen in Taba und Ras Schitan bekannt sowie zu dem Bombenanschlag auf einen Touristenbus in Kairo Ende April.

(dapd)

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