Aktualisiert 13.01.2014 14:48

IsraelScharon mit militärischen Ehren beigesetzt

Aus der ganzen Welt reisten Politiker zur Trauerzeremonie für Israels ehemaligen Regierungschef Ariel Scharon an, bevor der Sarg zu Scharons Landsitz gefahren und dort beigesetzt wurde.

Nach einer offiziellen Trauerfeier in Jerusalem ist der Sarg des verstorbenen israelischen Ex-Regierungschefs Ariel Scharon am Montag zu seinem Landsitz im Süden des Landes gebracht und dort mit militärischen Ehren beigesetzt worden.

Im Beisein von Gästen aus aller Welt wurde der Politiker und Militär neben seiner Frau Lily auf der Schikmim-Farm begraben. Acht Generäle trugen den Sarg zum Grab.

Israel nimmt Abschied von Ariel Scharon

Auf dem Weg zu dem Anwesen wollte der von einer Polizeieskorte bewachte Konvoi einen Stopp in Latrun einlegen, wo Scharon 1948 während des israelischen Unabhängigkeitskriegs verletzt worden war. Nach einer kleinen Zeremonie in dem Ort sollte die Fahrt zu Scharons Farm, seiner letzten Ruhestätte, fortgesetzt worden. Entlang der Route beobachteten Schaulustige die Kolonne.

Scharons Ranch liegt in einer Gegend, in der in der Vergangenheit Raketen aus dem Gazastreifen eingeschlagen sind. Auch am Montag wurden nach Angaben des israelischen Militärs zwei Geschosse aus dem Palästinensergebiet abgefeuert, sie schlugen aber offenbar nicht in Israel ein. Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben.

Raketenabwehr-System nahe Scharons Farm

Israelische Medien berichteten, das Raketenabwehr-System «Iron Dome» sei in der Nähe des Anwesens von Scharon stationiert worden, um vor einem möglichem Raketenbeschuss während der noch am Montag stattfindenden Beisetzung zu schützen. Das Militär äusserte sich nicht dazu.

Im Beisein von Gästen aus 20 Ländern nahm die Staatsführung Abschied von dem früheren Ministerpräsidenten. Die Schweiz wurde durch alt Bundesrat Samuel Schmid und den Schweizer Botschafter in Israel, Andreas Baum, vertreten. Der Tod des politisch umstrittenen einstigen Führers der nationalistischen Rechten hatte in Israel landesweite Trauer ausgelöst. Die Israelis sehen in ihm eine Schlüsselfigur ihrer 65-jährigen Staatsgeschichte.

«Historische Persönlichkeit»

Alle Redner würdigten den Politiker und Militär, der nach acht Jahren im Koma im Alter von 85 Jahren gestorben war, als historische Persönlichkeit und grossen Kämpfer. US-Vizepräsident Joe Biden sagte, Israels Sicherheit sei Scharons Lebenswerk gewesen, dafür habe er hartnäckig gekämpft.

Der von Scharon 2005 durchgeboxte Abzug aus dem Gazastreifen sei eine «schwere und umstrittene Entscheidung» gewesen, sagte Biden, der auch Scharons Söhnen Omri und Gilad sein Beileid aussprach. Biden wollte am Rande seines Besuchs auch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den Staatspräsidenten Schimon Peres treffen.

Netanjahu beschrieb Scharon bei der Trauerfeier als einen der Gründerväter Israels. Scharon sei «einer der grössten Kämpfer des Volkes Israel und der israelischen Armee» gewesen. Als Armeegeneral habe er im Jom-Kippur-Krieg 1973 grossen Ruhm erlangt und als Ministerpräsident «einen Krieg gegen den Terrorismus» geführt.

«Vom Frieden geträumt»

Peres würdigte Israels 11. Ministerpräsidenten als «Freund, Anführer und Kämpfer». «Du warst die Schulter, auf der die Sicherheit unseres Volkes ruhte», sagte Peres, der Scharon bereits als jungen Geschichtsstudenten kennengelernt hatte. Scharons Leben sei mit der Geschichte des Staates Israel verwoben.

Der Nahost-Gesandte Tony Blair sagte, Scharon habe eine umfassende Friedenslösung in der Region angestrebt. «Er hat nicht als Träumer nach Frieden gestrebt, aber er hat von Frieden geträumt.»

«Scharon war über die Grenzen seines Landes hinaus sehr bekannt als unermüdlicher Kämpfer für sein Heimatland», sagte der deutsche Aussenminister Steinmeier, der sich zu einem schon länger geplanten Besuch in der Region aufhielt, vor der Trauerfeier. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.