Scharon stellt Abzug aus weiteren Siedlungen in Aussicht

Aktualisiert

Scharon stellt Abzug aus weiteren Siedlungen in Aussicht

Fünf Tage vor der Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen hat der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die Aufgabe weiterer Siedlungen im Westjordanland in Aussicht gestellt.

«Nicht alle Siedlungen bleiben», zitierte ihn die Zeitung «Jediot Ahronot» am Freitag. «Die Angelegenheit wird in Verhandlungen mit den Palästinensern geklärt.»

Zugleich betonte Scharon den Anspruch auf die grossen Siedlungsblocks im Westjordanland. Diese werde man nicht hergeben, sagte er. «Auf die Frage nach den Grenzen habe ich nie geantwortet - und nicht, weil ich die Karten nicht kenne», so der Regierungschef in dem Interview.

Die Vorbereitungen für die am Mittwoch beginnende Evakuierung der 21 Siedlungen im Gazastreifen liefen derweil auf Hochtouren. Noch bis Montagabend um 24 Uhr haben die Siedler Zeit, ihre Wohnorte freiwillig aufzugeben, ab Mittwoch werden die Streitkräfte die Siedlungen dann notfalls mit Gewalt räumen.

Das Verteidigungsministerium erklärte, die Massnahme, die als eine der schwierigsten in der Geschichte der israelischen Streitkräfte gilt, solle schon bis zum 4. September abgeschlossen sein. Deswegen sei die Zahl der beteiligten Soldaten und Polizisten um 10.000 auf 55.000 erhöht worden. Bislang war ein Datum Mitte September avisiert worden.

Die Zahl der radikalen Siedler, die sich zum Zweck des Widerstandes in den Gazastreifen begeben haben, stieg nach Ministeriumsangaben inzwischen auf 3.000. Allerdings gab es in einigen Siedlungen auch klare Anzeichen für die Aufbruchstimmung der Menschen dort. Die Regale der meisten Geschäfte waren fast leer, die Produkte wurden zu Rabattpreisen verkauft. Am Donnerstagabend hatten in Tel Aviv noch einmal zehntausende Israelis gegen den Gaza-Abzug protestiert.

Eine private Stiftung erwarb unterdessen Treibhäuser in jüdischen Siedlungen im Gazastreifen, um sie nach dem Abzug den dort beschäftigten Palästinensern zur Verfügung zu stellen. Die Transaktion im Wert von 14 Millionen Dollar sichere die Arbeitsplätze von rund 4.000 Menschen, sagte der frühere israelische Justizminister Jossi Beilin. Die bisherigen Eigentümer erhielten dafür bis zu 4.000 Dollar ausgezahlt.

Die Stiftung für ökonomische Zusammenarbeit, die sich für einen wirtschaftlichen Austausch zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt, erwarb nach Angaben Beilins 90 Prozent der Treibhäuser jüdischer Siedler. Die restlichen seien von ihren Eigentümern zerstört worden. Der amerikanische Vermittler James Wolfensohn steuerte für den Kauf 500.000 Dollar seines eigenen Vermögens bei.

In Gaza-Stadt probten am Freitagmorgen 1.000 bewaffnete Hamas-Mitglieder Angriffe auf jüdische Siedlungen. Es war nicht klar, ob dies ein Anzeichen auf tatsächliche Übergriffe während des Abzugs war, oder ein Einschüchterungsversuch. Ein Sprecher sagte: «Wir behalten unsere Waffen, bis wir unser ganzes Land befreit haben. Der Gazastreifen ist erst der Beginn.»

Bush stärkt im israelischen Fernsehen Scharon den Rücken

US-Präsident George W. Bush brachte in einem am Donnerstag vom israelischen Fernsehen ausgestrahlten Interview seine Unterstützung für den umstrittenen Abzugsplan Scharons zum Ausdruck. Er werde «Israel sicherer und friedlicher machen», sagte Bush. (dapd)

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