Scharon verschärft Ton gegenüber militanten Palästinensern
Aktualisiert

Scharon verschärft Ton gegenüber militanten Palästinensern

Unmittelbar nach der Nahost- Reise von US-Aussenministerin Condoleezza Rice ist die Gewalt in der Region wieder aufgeflammt.

Israels Premier Ariel Scharon drohte den palästinensischen Extremisten mit verschärftem Vorgehen.

Er habe Rice bei einem Treffen mitgeteilt, dass die Armee bereits Anweisung erhalten habe, «mit Entschlossenheit gegen den Terrorismus» vorzugehen, sagte Scharon am Sonntag bei der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem.

Die israelische Regierung werde «eine neue Form der Vergeltung üben, die in sehr harten Massnahmen gipfeln wird», sagte Scharon. Im Falle weiterer «Terroranschläge» werde dies auch für die Zeit nach dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen gelten.

Siedler-Ehepaar erschossen

In der Nacht auf Sonntag hatten radikale Palästinenser nach israelischen Angaben einen Konvoi nahe dem Grenzübergang Kissufim im Gazastreifen angegriffen und ein Siedler-Ehepaar erschossen. Zwei Soldaten und ein jüdischer Siedler wurden verletzt.

Die israelische Armee teilte wenige Stunden später mit, einer der palästinensischen Angreifer sei vom Wachpersonal einer jüdischen Siedlung erschossen worden, der andere nach einer Fahndung des Militärs.

Kissufim ist der wichtigste Grenzübergang zwischen Israel und dem Gazastreifen. Er wird häufig von jüdischen Siedlern aus dem Siedlungsblock Gusch Katif im Gazastreifen benutzt. Die Siedlungen sollen vom kommenden Monat an auf Wunsch der israelischen Regierung aufgelöst werden.

Zu dem Angriff bekannten sich die radikalen palästinensischen Gruppen Islamischer Dschihad, Komitee des Volkswiderstandes (PRC) und Al-Aksa-Brigaden gemeinsam. Sie erklärten, der Beschuss sei die Antwort auf das Vorgehen Israels gegen bewaffnete Palästinenser.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag als Verstoss gegen die informelle Waffenruhe. Die palästinensische Autonomiebehörde werde «alle Anstrengungen» unternehmen, um derartige «nutzlose» Überfälle künftig zu verhindern.

Lob von Rice

Noch am Samstag hatte Rice nach einem Treffen mit Abbas dessen Bemühungen gewürdigt, gegen militante palästinensische Gruppen vorzugehen. Es bleibe aber noch viel zu tun, sagte sie. Die Ministerin forderte Israel ausserdem auf, den Gazastreifen nach einem Abzug nicht abzuriegeln. Die dort lebenden Palästinenser müssten Zugang zum Westjordanland haben.

Der dreitägige Besuch der US-Aussenministerin in der Region sollte die amerikanische Unterstützung für den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen demonstrieren. Rice hatte auch beide Seiten zu Verhandlungen über die Gestaltung des Abzugs aufgefordert, aber keinen Durchbruch erreicht.

(sda)

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