Korruption im Fussball: Schattenseiten des rumänischen Erfolgs
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Korruption im FussballSchattenseiten des rumänischen Erfolgs

Fussball ist ein Millionenspiel – auch in Osteuropa. Dank finanzkräftiger Investoren feierten rumänische Klubs in Europa beachtliche Erfolge. Diese haben ihren Preis.

von
pre

Am Mittwochabend spielt der FC Basel gegen CFR Cluj. Die ganz grosse Zeit des rumänischen Klubfussballs liegt 25 Jahre zurück. Damals lehrte Steaua Bukarest die Grossen des europäischen Fussballs das Fürchten. Von 1985 bis 1989 holte der Armeeklub fünf nationale Meistertitel in Serie und schlug 1986 im Final des Europapokals der Landesmeister auch den grossen FC Barcelona.

Nach 120 torlosen Minuten kam es zum Elfmeterschiessen, wo Steaua-Goalie Helmuth Duckadam alle vier Barça-Penalties hielt und als «Elfmeterkiller von Sevilla» in die Geschichte einging. Zwei Jahre später erreichte die «goldene Mannschaft» noch einmal den Halbfinal im Meistercup. Nach dem Untergang des Ceausescu-Regimes verblasste aber auch der Stern von Steaua ziemlich schnell und der rumänische Klubfussball kehrte in seinen Dornröschenschlaf zurück.

Erfolge in Europa

Seit der Jahrtausendwende geht es nun aber wieder aufwärts - zumindest sportlich. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich Rapid und Steaua Bukarest, aber auch Basel-Gegner CFR Cluj in Europa etabliert. Die Rumänen sind regelmässig zu Gast in den europäischen Wettbewerben und sorgen hin und wieder für einen Exploit. 2006 erreichte Steaua den Halbfinal im Uefa Cup und scheiterte nur knapp an Middlesbrough.

Thorsten Fink zum Trainerwechsel von Cluj

Bei seiner ersten Champions-League-Teilnahme überraschte Cluj gleich im ersten Spiel die AS Roma und siegte mit 2:1 bei den Italienern. Auch dem übermächtigen Chelsea trotzte man zu Hause beim 0:0 einen Punkt ab. Diese Erfolge steigerten den Uefa-Koeffizienten in der Fünfjahreswertung und so ist der rumänische Meister auch in dieser Saison direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.

Zu verdanken haben die Klubs den sportlichen Aufschwung ihren neureichen Geldgebern. Bei Cluj hat bespielsweise Investor Arpad Paszkany das Ruder in der Hand. Während zu Zeiten des Eisernen Vorhangs nur selten ausländische Spieler engagiert wurden, füllten sich die Kader immer mehr mit Talenten aus dem Ausland. Mit der Internationalisierung des Personals steigerte sich auch die Höhe des Budgets. Steaua kalkuliert mit etwa 20 Millionen Euro in der Saison, bei Rapid und Cluj sind es wohl nicht weniger.

Die üblen Machenschaften der Geldgeber

«In absehbarer Zeit wollen wir die Champions League gewinnen», sagt Steauas Eigentümer Gigi Becali. Der Bauernsohn, der seine Millionen mit Immobiliengeschäften gemacht hat, ist bekannt für seine Omnipräsenz in den rumänischen Medien und sein provokantes öffentliches Auftreten mit vulgärer Wortwahl. Auch vor kriminellen Machenschaften schreckt der Steaua-Mäzen nicht zurück.

Ohne Scham gab Becali in der Vergangenheit zu, Spieler und Schiedsrichter bestochen zu haben. Im Endspurt um die Meisterschaft in der Saison 2007 erwischte die Polizei einen von Becalis Angestellten, wie er sich mit einem Spieler eines anderen Vereins unterhielt und einen Koffer mit insgesamt zwei Millionen Euro bei sich hatte. Ein Jahr zuvor bezahlte Becali Millionen an Spieler anderer Vereine. 2008 soll der millionenschwere Mäzen dem bereits abgestiegenen Universitatea Cluj gemäss der «Welt» zwei Millionen Euro für einen Sieg über Stadtrivale CFR angeboten haben. Nur dann hätte Steaua noch eine Chance auf den Meistertitel gehabt. Das Vorhaben klappte allerdings nicht, CFR Cluj holte sich den Titel.

Angst um den guten Ruf

Es sind Leute wie Becali oder auch Rapids langjähriger Mäzen George Copos, die den rumänischen Fussball mit ihren «resoluten» Mitteln in Europas erweiterte Spitze brachten. «Diese Investoren waren sehr wertvoll für den rumänischen Fussball, aber in Zukunft müssen sie sich ändern», sagte Ioan Lupescu, Generalsekretär des rumänischen Verbandes, bereits vor zwei Jahren. Denn in Rumänien will man den Machenschaften der Klubbesitzer nicht mehr tatenlos zusehen. Schliesslich steht auch der Ruf des ganzen rumänischen Fussballs auf dem Spiel. Mit dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die Situation etwas gebessert, da auch die Klubbesitzer viel Geld verloren haben. Mit der Erholung der Weltwirtschaft droht Rumäniens Fussball aber die nächste Korruptionswelle.

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