Aktualisiert 06.12.2019 06:47

Muttenz BL

Auf wen wurde mit dieser Kugel geschossen?

Der Basler Schatzsucher Frank Erichsen hat auf der Rütihard in Muttenz BL eine Kanonenkugel gefunden. Jetzt wird gerätselt, woher sie kommt.

von
mhu
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Auf der Muttenzer Rütihard wurde am Mittwoch eine Kanonenkugel unter einem Feld gefunden.

Auf der Muttenzer Rütihard wurde am Mittwoch eine Kanonenkugel unter einem Feld gefunden.

Frank Erichsen
Noch ist unklar aus welcher Zeit die 1.5 Kilogramm schwere Kugel stammt und in welcher Schlacht sie durch die Luft flog.

Noch ist unklar aus welcher Zeit die 1.5 Kilogramm schwere Kugel stammt und in welcher Schlacht sie durch die Luft flog.

Frank Erichsen
Gefunden hat sie der ehrenamtliche Späher der Archäologie Baselland Frank Erichsen.

Gefunden hat sie der ehrenamtliche Späher der Archäologie Baselland Frank Erichsen.

Frank Erichsen

Frank Erichsen ist ein Profi-Schatzsucher. Seit über einem Jahr ist er auch als ehrenamtlicher Späher für die Archäologie Baselland unterwegs. Der ausgebildete Kampfmittelbeseitiger durchkämmt Gebiete mit Metalldetektoren. Auf der Rüthihard in Muttenz stiess er am Mittwoch auf ein Artefakt einer längst vergangenen Schlacht: Eine Kanonenkugel. Knapp acht Zentimeter dick und anderthalb Kilo schwer.

«Damit habe ich nicht gerechnet», sagt der 46-Jährige. Er sei öfters mal unterwegs und habe schon diverse historische Münzen oder verlorene Schmuckstücke gefunden. In der Tat sind Funde aus der Spätantike in der Region keine Seltenheit. Nach dem Kanonenkugel-Fund fragt sich Erichsen nun: «Liegen noch mehr herum?»

Und: «Wer hat sie hier geschossen?», fragt sich die Archäologie Baselland. Um dies beantworten zu können, muss zunächst das Alter der Kanonenkugel bestimmt werden. Doch das könne noch etwas dauern, meint Archäologe Andreas Fischer auf Anfrage. «Allgemein werden des Öfteren Kugeln gefunden, deswegen ist dieser Fall momentan nicht prioritär. Wir können aber sagen, dass sie wahrscheinlich aus dem Zeitraum zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert stammt.»

Wurden abtrünnige Baselbieter beschossen?

«Es ist nicht auszuschliessen, dass die Kugel vom Tag der Hülfenschanze am 3. August vom 1833 stammt», meint der Basler Historiker Roger Jean Rebmann, der als «Grabmacherjoggi» populäre Stadtführungen anbietet. Diese Schlacht besiegelte die Kantonstrennung von Baselland und Basel-Stadt.

Sollte dies tätsächlich zutreffen, dann läge es nahe, dass sie aus einem baselstädtischen Geschütz stamme. Die Landwehr sei an der Münchensteinerbrücke nahe St. Jakob positioniert gewesen. Sie sollte den Zugang vom Birseck her überwachen und die Baselbieter Verstärkung aufhalten.

Schossen die Armagnaken damit auf die Eidgenossen?

Eine andere, unwahrscheinlichere Möglichkeit, die noch tiefer in die Vergangenheit reicht, könnte sein, dass die Kugel aus dem Mittelalter stammt. Auch diese Überlegung zerschlägt Rebmann nicht. «Die nächsten Kanonen, die mir zu dieser Zeit rund um das St. Jakob einfallen, sind die Geschütze aus der Burg Pfeffingen, die von Armagnaken hergeschafft wurden, um die Umfriedung des Kirchhofes des Siechenhauses zu brechen, in dem sich die Eidgenossen verschanzt hatten.» Der Heerzug der Armagnaken

habe seine Geschütze in Montbéliard (F) zurückgelassen um beweglicher zu sein.

Beim Joggeli hätte ihnen diese Artillerie gefehlt. «Also haben sie welche von Verbündeten aus dem Schloss Pfeffingen anschaffen lassen», so Rebmann. Ausserdem gebe es eine Kugel, die beim St. Jakob gefunden worden sei und wahrscheinlich aus einer Schlacht aus dem Jahr 1444 stamme. Diese kann im Historischen Museum besichtigt werden.

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