11.05.2017 05:47

Notlage ausgenutzt?«Schau, das ist der Penis deines Onkels»

Einem 51-Jährigen wird vorgeworfen, während Jahren mehrmals wöchentlich an seinem Neffen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben.

von
taw
Der Beschuldigte muss sich am Freitag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. (Bild: gts)

Der Beschuldigte muss sich am Freitag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. (Bild: gts)

Der Beschuldigte kam 1993 als anerkannter Flüchtling in die Schweiz. Er bekam eine Aufenthaltsbewilligung, ging arbeiten, hat geheiratet und eine Familie gegründet. Zudem habe er die Familie seines als Flüchtling im Ausland lebenden Bruders finanziell unterstützt und ihm 2001 auch die rechtswidrige Einreise in die Schweiz finanziert, wie es in der Anklageschrift heisst. Seine drei Kinder liess der Bruder vorerst zurück, sie wurden von Verwandten betreut.

Der Bruder des Beschuldigten konnte die Kinder finanziell nicht unterstützen. Aus gesundheitlichen Gründen war er selber auf Hilfe angewiesen. So sprang der Beschuldigte ein. Er war es auch, der die Kinder regelmässig im Ausland besuchte. So kam es auch, dass die Kinder des Bruders den Beschuldigten mehr als Vater denn als Onkel sahen. «Sie liebten und bewunderten ihn abgöttisch», heisst es in der Anklageschrift.

Flucht in die Schweiz ermöglicht

Mit gefälschten Reisepässen machten sich die drei Kinder des Bruders im Oktober 2007 auf die Flucht. Die finanziellen Mittel für die Reise sowie für die Schlepper kamen vom Beschuldigten. Anfang 2008 waren sie schliesslich in der Schweiz. Die Reise kostete den Onkel etwa 50'000 Franken. Sie wohnten dann bei ihm, der sich auch um das Asylverfahren kümmerte. Das Verhältnis zum leiblichen Vater gestaltete sich schwierig. In der Anklageschrift heisst es deshalb, dass zwischen dem Beschuldigten und seinem damals 18-jährigen Neffen und angeblichen Opfer ein länger andauerndes Abhängigkeitsverhältnis bestand. Der Onkel hatte eine autoritäre Machtstellung. Der Neffe war ihm wegen des Altersunterschieds intellektuell und körperlich unterlegen.

Drei bis viermal wöchentlich sexuelle Handlungen

Schon im März 2008 soll der Beschuldigte begonnen haben, beim Neffen seine Grenzen auszuloten, indem er ihn im Intimbereich berührte. Obwohl der Neffe dem ablehnend gegenüberstand, wagte er wegen seiner Unterlegenheit nicht zu widersprechen, heisst es in der Anklageschrift.

Zu einem nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkt im Juni/Juli 2008 soll der Beschuldigte in Boxershorts seinem Neffen in die Waschküche gefolgt sein und seinen Penis präsentiert haben mit sinngemäss den folgenden Worten: «Schau, das ist der Penis deines Onkels.» Am folgenden Wochenende soll er dann den Neffen unsittlich im Genitalbereich berührt haben. Er solle sich nicht wehren, ansonsten würde er ihn ins Ausland zurückschicken, habe er ihm gedroht. In den folgenden Monaten und Jahren kam es laut Anklage schliesslich etwa drei- bis viermal wöchentlich zu sexuellen Handlungen. Diese wollte der Neffe zwar nicht, liess sie aber über sich ergehen. Es endete 2011, als er den Kontakt zum Onkel abbrach.

Der Beschuldigte muss sich wegen Ausnützung einer Notlage am Freitag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Sein Neffe tritt beim Prozess als Privatkläger auf. Weil er seinem Onkel nicht begegnen will, wird er via Skype befragt.

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