23.09.2020 04:46

Zu Fuss nach Moskau«Schaue ich jetzt zurück, denke ich mir – ich bin doch ein Spinner»

Mit Einkaufswägeli Molly und stets zu Fuss reiste der Abenteurer Christian Zimmermann von Flumenthal SO nach Moskau. Während 111 Tagen legte er täglich bis zu 35 Kilometer zurück. Das Abenteuer beschreibt er nun in seinem neuen Buch.

von
Lara Hofer
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Christian Zimmermann schaffte es zu Fuss bis nach Moskau. Er lief täglich 30 bis 35 Kilometer. 

Christian Zimmermann schaffte es zu Fuss bis nach Moskau. Er lief täglich 30 bis 35 Kilometer.

ZVG/Christian Zimmermann
Treuer Begleiter während der ganzen Reise war sein Einkaufswägeli Molly.

Treuer Begleiter während der ganzen Reise war sein Einkaufswägeli Molly.

ZVG/Christian Zimmermann
In einigen Dörfern waren die Strassen so schlecht, dass ihm seine Reise mit Molly erschwert wurde. 

In einigen Dörfern waren die Strassen so schlecht, dass ihm seine Reise mit Molly erschwert wurde.

ZVG/Christian Zimmermann

Darum gehts

  • Abenteurer Christian Zimmermann lief im letzten Sommer rund 3400 Kilometer von Flumenthal SO nach Moskau.
  • Stets an seiner Seite: Molly, ein umgebauter Einkaufswagen.
  • Nun hat Zimmermann über seinen viermonatigen «Spaziergang» ein Buch geschrieben.

In unserer schnelllebigen Welt sehnt sich manch einer nach einem Hauch Entschleunigung. So auch Christian Zimmermann aus Flumenthal SO. Um der Schnelllebigkeit die Stirn zu bieten, hat er sich im Sommer des vergangenen Jahres auf den Weg nach Moskau gemacht – und zwar zu Fuss. «Ich kam durch Käffer, irgendwo mitten in Polen, Tschechien oder Litauen, da wäre ich mit dem Auto oder Velo niemals hingelangt», erzählt der 52-Jährige. Mit seinem Einkaufswägeli Molly folgte er den gut befahrbaren Strassen und marschierte durch sämtliche Orte, die gerade auf dem Weg lagen. So fand er zwar keine Touristen-Hotspots oder berühmte Sehenswürdigkeiten, dafür aber Tradition, Kultur, Solidarität und unvergessliche Abenteuer: «Ich wusste morgens nie, was mich am jeweiligen Tag erwartet.»

Kriege ich einen Schluck Wasser?

Das Highlight der Reise waren für Zimmermann die Begegnungen mit anderen Menschen. «Es verging kein Tag, an dem ich nicht beschenkt wurde: materiell oder mit einer lieben Geste», schwärmt er. Er sei auf die Hilfe anderer angewiesen gewesen und habe auf seinem «Spaziergang» durch die Welt oftmals fremde Leute um Wasser gebeten. «Je weiter östlich ich war, desto gastfreundlicher waren die Menschen», so der Reisefotograf. «Die Leute wünschten mir Glück auf meiner Reise oder rannten ins Haus, um mir frische Tomaten und eine Tafel Schokolade zu bringen.»

Schmerzhafter Start

Muskelkater, Blasen, Schürfungen und Chaos: Der Start seiner Reise sei am härtesten gewesen, sagt der Solothurner. Dann kam der Flow: «Wenn du einmal im Rhythmus bist, kannst du bis ans Ende der Welt laufen.» Die Kräfte seien ihm im Verlauf der Reise nie ganz ausgegangen – das Laufen wurde zum Alltag: «Ein anderer steigt jeden Morgen in sein Auto und fährt zur Büez. Ich lief jeden Tag meine 30 Kilometer.» Dies sei schon bald nichts Besonderes mehr gewesen, sondern über vier Monate hinweg sein normales Leben. Nach 111 Tagen und 3392 Kilometern erreichte er sein Ziel: Moskau, Russland. Die Schweizer Botschaft habe ihn und sein Einkaufswägeli dort bereits erwartet. «Wenn ich jetzt zurückblicke, denke ich mir: Du bist doch ein Spinner.»

«Noch abenteuerlicher als die Reise selbst»

Während seiner Reise nach Moskau hat der Abenteurer täglich Tagebuch geführt. «Jeden Abend notierte ich die schönsten und eindrücklichsten Erlebnisse.» So wollte er der menschlichen Vergesslichkeit entgegenwirken. Anhand der Texte und Einträge hat er dann ein Buch geschrieben. «Ein Buch zu schreiben, war fast noch das grössere Abenteuer als die Reise selbst», sagt Zimmermann lachend. Das Buch mit dem Titel «Wanderfieber» ist nun erhältlich.

Einen klassischen Verlag habe er nicht; es handle sich um ein sogenanntes «Book on demand», das man nicht in Bücherläden, dafür aber überall online finden könne. «Kleine Geschichten und grosse Abenteuer» könne der Leser von «Wanderfieber» erwarten, verspricht Zimmermann. Wer den Alltag etwas verlangsamen möchte, ohne sich gleich selbst auf die Socken zu machen, dem schenke das Buch einen Hauch von Entschleunigung.

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152 Kommentare
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Jumbomitarbeiter

23.09.2020, 08:39

Putin hat Material aus der Schweiz bestellt für sein Baumhaus.

Padernoscht

23.09.2020, 08:36

hat er wenigstens Putin auf ein Glas Vodka getroffen?

Wodka

23.09.2020, 08:36

Keine süssen Begegnungen?