Herbstmesse Basel: Schausteller entfernen Südstaaten-Flaggen

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Herbstmesse BaselSchausteller entfernen Südstaaten-Flaggen

Am Donnerstag hatte eine mit Konföderierten-Flaggen dekorierte Bahn an der Basler Herbstmesse für Aufsehen gesorgt. Nun wurden die Fahnen vom Betreiber entfernt.

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Am Donnerstag wehten noch mehrere Konföderierten-Flaggen über der Bahn Silbermine an der Basler Herbstmesse. Inzwischen wurden sie vom Betreiber entfernt.

Am Donnerstag wehten noch mehrere Konföderierten-Flaggen über der Bahn Silbermine an der Basler Herbstmesse. Inzwischen wurden sie vom Betreiber entfernt.

Leser-Reporter

Eine US-amerikanische Leserin war schockiert, als sie in Basel eine mit Konföderierten-Fahnen dekorierte Bahn sah. Nach den jüngsten Demonstrationen von Rechtsextremen in den USA, die ebenfalls unter der Südstaaten-Fahne marschiert waren, zeigte sich die 28-Jährige empört, dass dieses beleidigende Symbol in der Schweiz gehisst wurde.

Nach Recherchen von 20 Minuten stellten sich Basler Politiker hinter die Amerikanerin. «Die Fahnen sollten weg», sagte Mirjam Kohler, Präsidentin der Juso Basel-Stadt. «Nach den schrecklichen Rassismusvorfällen, die sich in den USA in jüngster Vergangenheit ereigneten, kann ich nachvollziehen, dass Amerikaner da emotional berührt sind», sagt Grossrat Pascal Messerli (SVP).

Drohungen gegen den Betreiber

Eugen Zanolla, der Betreiber der Bahn, zeigt sich von der heftigen Reaktion überrascht. «Die Bahn stand so schon dreimal in Basel und bisher hat sich niemand beschwert», sagt er. Er beteuert, von der rassistischen Bedeutung der Flagge nichts gewusst zu haben: «Ich wollte niemandem wehtun. Für mich gehörte die Flagge einfach zum Wildwest-Dekor.»

Zudem zeigte er sich umgehend einsichtig und entfernte die umstrittenen Flaggen. «Mit mir kann man reden. Ich hänge nicht an den Fahnen und bin kein Rassist», sagt Zanolla. Inzwischen habe er US-amerikanische Flaggen bestellt, um die Dekoration zu ersetzen.

Besonders unangenehm sei für ihn aber, dass Unbekannte ihm per SMS und E-Mail gedroht hätten, den Betrieb seiner Bahn zu behindern, sollte er die Flaggen bis zum Start der Herbstmesse nicht entfernen. «Für uns Schausteller ist die Herbstmesse sehr wichtig», sagt er wehmütig. Komplikationen könne er wahrlich nicht gebauchen.

Verantwortliche erfuhren durch Medien von Beschwerden

«Zuerst wurden wir nicht damit konfrontiert, auch weil die Betroffenen direkt zu den Medien gegangen sind», sagt Daniel Arni, Leiter der Fachstelle Messen und Märkte. Als seine Abteilung am Donnerstag auf die Beschwerden über die Flaggen aufmerksam geworden sei, habe man die Lage umgehend geprüft und Kontakt mit dem Betreiber der Achterbahn gesucht. Dieser habe sich schliesslich aus eigenem Antrieb entschieden, die Flaggen abzuhängen.

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) hält fest, dass es sich beim Aufstellen der Südstaaten-Flagge nicht um eine Straftat handle. Jedoch: «Sie hat im Kontext des Rassismus schon nur aus historischen Gründen eine grosse Symbolwirkung, und es ist verständlich, dass gewisse Personengruppen, etwa schwarze Menschen, sich durch diese Flagge verletzt fühlen.»

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