Aktualisiert 27.05.2018 15:58

St. Gallen

Schaut St. Gallen beim Menschenhandel weg?

Fälle von Menschenhandel und illegaler Prostitution werden im Kanton St. Gallen kaum aufgedeckt. Das stösst nun auf Kritik.

von
lad
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Vor allem in den Kantonen St. Gallen und Aargau werden verhältnismässig wenig Fälle von Menschenhandel oder illegaler Prostitution aufgedeckt.

Vor allem in den Kantonen St. Gallen und Aargau werden verhältnismässig wenig Fälle von Menschenhandel oder illegaler Prostitution aufgedeckt.

Keystone/AP/Franka Bruns
Für Rebecca Angelini (39) von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) liegt der Grund dafür in den politischen Entscheiden der Kantone.

Für Rebecca Angelini (39) von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) liegt der Grund dafür in den politischen Entscheiden der Kantone.

Keystone/Fabian Biasio

Im Kanton St. Gallen werden auffällig wenig Fälle von Menschenhandel und illegaler Prostitution registriert. In der Schweiz verzeichnet nur der Aargau noch weniger. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung über den Schweizer Sexarbeitsmarkt, in Auftrag gegeben vom Bundesamt für Polizei.

Ganz anders sieht es dagegen im Kanton Solothurn aus: Wie der «SonntagsBlick» schreibt, werden dort überproportional viele Sex-Milieu-Straftaten registriert.

Eine Frage der Ressourcen

Für Rebecca Angelini von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) ist klar: «Eine hohe Fallzahl bedeutet nicht, dass ein Kanton ein grosses Problem mit Menschenhandel hat, sondern dass dort seriös ermittelt wird.» Das sei eine Frage der bereitgestellten Ressourcen. Es sei deshalb ein politischer Entscheid, wie viele Fälle in einem Kanton aufgedeckt werden, so Angelini gegenüber dem «SonntagsBlick».

Bei der St. Galler Kantonspolizei bestätigt man den Vorwurf indirekt: «Es handelt sich um ein klassisches Kontrolldelikt. Je mehr wir kontrollieren, desto mehr Gesetzesverstösse decken wir auf», sagt Kapo-Sprecher Hanspeter Krüsi gegenüber der Zeitung. Obwohl die Kapo St. Gallen solche Kontrollen nach eigenen Angaben mehrmals monatlich durchführt, hätten diese vor allem eine repressive Wirkung, da das Erkennen von Menschenhandel schwierig sei.

Ein Ermittler im Nebenamt

Genau diese Verfahrensweise wird von Angelini kritisiert: «Wenn die Polizisten rein repressiv vorgehen und nur da­rauf schauen, ob die Frauen im Sexgewerbe die nötigen Papiere haben oder alle Vorschriften einhalten, können diese kein Vertrauen zur Polizei aufbauen.» Dieses ist wichtig, um an Informationen zu gelangen, die auf die Spur von Menschenhändlern führen. Bessere Arbeit würden hier vor allem die Kantone Solothurn, Bern und Zürich leisten. Dort arbeiten Spezialisten für Delikte aus diesem Bereich.

Solche Spezialisten fehlen in St. Gallen. Oder wie es bei der Medienstelle der Kapo heisst: «Bei der Kantonspolizei St. Gallen kümmert sich ein Ermittler im Nebenamt intensiver um die Problematik.»

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