Aktualisiert

PlagiatsaffäreSchavan tritt als Bildungsministerin zurück

Nachdem ihr schon am Dienstag der Doktortitel entzogen wurde, hat die «vorsätzlicher Täuschung» in ihrer Promotionsarbeit auch politische Konsequenzen. Annette Schavan gibt ihren Ministerposten auf.

Abgang der Bildungsministerin: Am Ende war der öffentliche Druck zu gross.

Abgang der Bildungsministerin: Am Ende war der öffentliche Druck zu gross.

Nach anfänglichem Zögern hat die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihren Rücktritt erklärt. Sie zog damit nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Konsequenzen aus der Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf.

Merkel sagte am Samstag, sie habe den Rücktritt Schavans «sehr schweren Herzens angenommen». Mit Schavan werde die «anerkannteste und profilierteste» Bildungspolitikerin die Bundesregierung verlassen, sagte Merkel und würdigte ihre Leistungen als «ausserordentlich».

Schavan habe sieben Jahre als Bundesministerin und zuvor bereits zehn Jahre als Kultusministerin in Baden-Württemberg «im Dienste des Bildungs- und Forschungsstandortes Deutschland gestanden». Schavan stelle mit ihrem Rücktritt ihr eigenes Wohl hinter das Wohl des Ganze, sagte Merkel.

Grosse Wertschätzung

Politiker von FDP, SPD, Grünen und Linken werteten Schavans Rücktritt als politisch überfällig, bekundeten aber auch Wertschätzung für ihre Amtsführung. Für die Regierung und Kanzlerin Merkel sei das ein schlechter Start ins Wahljahr 2013, hiess es weiter.

FDP-Parteichef Philipp Rösler erklärte, seine Partei habe «grossen Respekt» vor Schavans Entscheidung. «Ihre Leistungsbilanz bleibt unbestritten.» SPD-Parteichef Sigmar Gabriel sagte der «Welt am Sonntag», Schavan sei eine «hoch anständige und kompetente Kollegin, um die es mir ausserordentlich leid tut».

Schavan: «Respekt vor dem Amt»

Schavan begründete ihren Abgang ebenfalls mit dem Respekt vor ihrem Amt. «Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht», versicherte die 57-Jährige und fügte hinzu: «Die Vorwürfe, das habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach gesagt, treffen mich tief.»

Sie bekräftigte, dass sie gegen den Entzug des Titels durch die Uni Düsseldorf klagen wolle. Dies sei aber unweigerlich mit Belastungen für die Regierung und die CDU verbunden. «Und das genau möchte ich vermeiden, das geht nicht, das Amt darf nicht beschädigt werden.»

Der Kanzlerin dankte Schavan sehr persönlich für Vertrauen und Freundschaft. «Freundschaft hängt nicht an Amtszeiten und wirkt über diesen Tag hinaus.»

Pragmatische Nachfolgerin

Schavans Nachfolge soll die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) antreten. Die 61-Jährige soll die Ernennungsurkunde am Donnerstag von Bundespräsident Joachim Gauck in Empfang nehmen. Bei derselben Zeremonie wird Schavan nach fast acht Jahren im Amt verabschiedet.

Wanka bringe als promovierte Mathematikerin und langjährige Wissenschaftsministerin in Brandenburg und Niedersachsen «beste Voraussetzungen» mit, betonte Merkel am Samstag. «Ich habe mich gefreut, dass sie mir für diese Aufgabe zugesagt hat.»

Die promovierte ostdeutsche Mathematikerin Wanka gilt als konservativ und pragmatisch. In der Wissenschaftspolitik agierte sie bisher allerdings eher farblos.

Anonyme Plagiatsvorwürfe

Anfang Mai waren im Internet anonyme Plagiatsvorwürfe gegen Schavan erhoben worden. Die Ministerin hatte daraufhin die Universität gebeten, ihre Dissertation «Person und Gewissen» zu überprüfen.

Die Prüfung führte in der vergangenen Woche zum Entzug des Titels. Das Gremium warf der Ministerin vor, systematisch und vorsätzlich Gedanken anderer Autoren als eigene ausgegeben zu haben.

Bis zu einem Urteil im Fall Schavan können Jahre vergehen. Deshalb hielt die Opposition Schavan für nicht mehr tragbar. Die Ministerin war erst am Freitagabend von einer Dienstreise aus Südafrika zurückgekehrt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.