Grossbritannien: Scheich überreichte Prinz Charles in Aktenkoffer 1 Million Euro in Bar

Aktualisiert

GrossbritannienScheich überreichte Prinz Charles in Aktenkoffer 1 Million Euro in Bar

Bei mehreren Treffen soll ein kontroverser katarischer Politiker dem ältesten Sohn von Queen Elizabeth insgesamt über drei Millionen Euro für wohltätige Zwecke gegeben haben. Das viele Bargeld wirft nun Fragen auf.

von
Benedikt Hollenstein
1 / 6
Prinz Charles und der katarische Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani scheinen sich bestens zu verstehen.

Prinz Charles und der katarische Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani scheinen sich bestens zu verstehen.

AFP
So hat die Stiftung von Charles, die nebst seinen Lieblingsprojekten auch seinen Wohnsitz in Schottland finanziert, zwischen 2011 und 2015 drei Millionen Euro von Hamad erhalten.

So hat die Stiftung von Charles, die nebst seinen Lieblingsprojekten auch seinen Wohnsitz in Schottland finanziert, zwischen 2011 und 2015 drei Millionen Euro von Hamad erhalten.

Getty Images
Besonders pikant: Die Übergabe der enormen Summen erfolgte in Hollywood-Manier bar mit einem Aktenkoffer. (Symbolbild)

Besonders pikant: Die Übergabe der enormen Summen erfolgte in Hollywood-Manier bar mit einem Aktenkoffer. (Symbolbild)

imago images/McPHOTO

Darum gehts

  • Zwischen 2011 und 2015 erhielt Prinz Charles vom ehemaligen Premierminister von Katar insgesamt über drei Millionen.

  • In der Vergangenheit hat Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani zugegeben, dass Katar während seiner Amtszeit «möglicherweise» die Al-Qaida mitfinanzierte.

  • Eine Zahlung in der Höhe von einer Million Euro erfolgte mit 500-Euro-Noten, deren Produktion wegen ihrer Verbindung zur Finanzierung von Terrororganisationen 2016 ausgesetzt wurde.

Es ist eine Szene, die in keinem Drogenkartell-Thriller fehlen darf: Zwei schwarze SUVs treffen sich auf einem abgelegenen Parkplatz, danach erfolgt die Übergabe eines schwarzen Aktenkoffers, der bis zum Rand mit Bündeln von Banknoten gefüllt ist. So ähnlich dürfte sich auch eine ganze Reihe von Treffen zwischen Prinz Charles und dem ehemaligen katarischen Premierminister Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani abgespielt haben, wie die «Sunday Times» berichtet.

Millionen in Luxustaschen

Laut der Zeitung flossen bei drei Übergaben zwischen 2011 und 2015 insgesamt drei Millionen Dollar vom Ex-Premier an den ältesten Sohn von Queen Elizabeth. Bei einem dieser Treffen überreichte Hamad Charles eine Million Euro in bar, verpackt in Taschen der Marke Fortnum & Mason. Das Luxuskaufhaus versorgt die königliche Familie mit Lebensmitteln und Tee.

Zahlung mit «Bin-Laden»-Noten

Ein anderes Mal nahm der 73-jährige Charles eine Sporttasche von Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani entgegen, die eine Million Euro enthielt. Zwei Angestellte des Prinzen mussten das Geld anschliessend per Hand abzählen – eine aufwendige Arbeit, dürften sich in der Tasche doch rund 2000 Banknoten befunden haben. Denn die Zahlung soll in 500-Euro-Noten erfolgt sein, die auch als «Bin-Laden»-Noten bekannt sind. Da der Geldschein in der Vergangenheit immer wieder im Zusammenhang mit der Finanzierung von Terrororganisationen auftauchte, entschloss sich die europäische Zentralbank 2016, den 500-Euro-Schein nicht mehr länger herauszugeben.

Die Zahlungen selbst sollen derweil für eine von Charles’ Wohltätigkeitsorganisationen bestimmt und sauber abgewickelt worden sein, wie die zuständige Privatbank gegenüber der «Sunday Times» sagt. Konkret seien die drei Zahlungen von insgesamt drei Millionen Euro an den «Prince of Wales Charitable Fund» gegangen. Die Stiftung finanziert nebst dem Landsitz des Prinzen in Schottland auch seine Lieblingsprojekte. Laut der Schenkungspolitik des britischen Königshauses dürfen Mitglieder der Familie Schecks für gemeinnützige Organisationen entgegennehmen, der Umgang mit Bargeld ist allerdings nicht näher geregelt. 

Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani ist eine umstrittene Persönlichkeit. Während seiner Amtszeit als katarischer Premierminister von 2007 bis 2013 hatte Katar «möglicherweise» ohne sein Wissen den syrischen Ableger der Terrororganisation Al-Qaida mitfinanziert, wie Hamad später zugab.

Deine Meinung

41 Kommentare