Aktualisiert 29.10.2007 10:21

«Scheidungsmesse soll die Leute glücklich machen»

In Wien fand die erste Scheidungsmesse statt. Zum Stelldichein zerstrittener Pärchen und hungriger Anwälte sprach 20minuten.ch mit Messe-Initiant Anton Barz. Der ist übrigens glücklich verheiratet.

Herr Barz, Sie sind der Gründer der ersten Scheidungsmesse, die am Wochenende in Wien Premiere hatte. Ist das der berühmte Wiener Schmäh, der Sie zu einer solchen Messe inspiriert hat?

Anton Barz: Der Wiener Schmäh ist gut! (lacht). Nein im Ernst: Es ist einerseits die Scheidungsstatistik, die mich dazu bewogen hat. Andererseits habe ich auch aus dem Verwandten- und Freundeskreis viele Geschichten mitbekommen – schöne aber auch weniger schöne. Deshalb habe ich mir gedacht, ich mache eine Informationsmesse rund um das Thema Scheidung und Trennung.

Gab es auch Widerstände?

Es gab Widerstand, gerade in Wien. Natürlich hab ich mir gedacht, dass das kommen wird. Aber ich bin von Natur aus ein eher fröhlicher Mensch. Trotzdem: es ist natürlich ein ernstes Thema. Aber ich meine, dass es in erster Linie den Leuten gut gehen soll. Wenn dazu eine Scheidung gehört und sich die Leute bei uns informieren können, hat die Messe schon ihren Zweck erfüllt. Die Messe soll die Menschen glücklich machen und nicht traurig. Und sie stösst auf grosses Interesse. Ich hab schon so viele Anfragen erhalten, Sie werdens gar nicht glauben. Aus New York, Kalifornien, Deutschland und auch aus Zürich.

Wie hat die Katholische Kirche Wien reagiert?

Da gabs erfreulicherweise gar keine Probleme, im Gegenteil. Mit «Rainbows», dem Verein für Fragen rund um Scheidungskinder und der Kontaktstelle der Alleinerziehenden sind sogar zwei Institutionen aus der Erzdiozöse an der Messe vertreten.

Man könnte Ihnen vorwerfen, dass sie am Eheunglück Geld verdienen wollen.

Es gibt diese Kritik. Aber ich will vor allem eine Plattform zur Informationsbeschaffung bieten. Zudem ist der Messeeintritt gratis. Natürlich gibt es bei uns auch kostenpflichtige Angebote, keine Frage. Aber es kann ja auch keiner etwas dafür, wenn sich Paare scheiden lassen wollen.

Wie konnten sich die Messebsucher informieren?

Wir hatten Mediatoren, Rechtsanwälte, Detekteien. Dann Reiseveranstalter, die Entspannungswochen anbieten, Immobilienfimen, Partnervermittler und ein DNA-Labor.

Ein DNA-Labor?

Ja, aber man konnte natürlich nicht vor Ort einen Test machen. Das Labor ist nur zur Information, wie und in welchem Rahmen ein Vaterschaftstest durchgeführt werden kann. Wie gesagt: für mich war wichtig, dass ich den Leuten vor Ort Infos geben kann.

Aber Sie stellen sich auch für die zukünftigen Messen vor, dass da verliebte Pärchen händchenhaltend durch die Messe schlendern und sich schon mal um die Scheidung kümmern?

Das kann natürlich auch passieren. Aber ich rechne schon eher, dass betroffene Personen mit ihren Freunden kommen. Oder Freunde sich für Dritte Informieren lassen. Aber die Messe ist offen für alle, es gibt keine Geheimnisse. Und es gibt übrigens auch Eheberater, wo Paare ihre Ehe wieder ins Lot bringen können. Oder wenns gar nicht mehr geht, eine Trennung in die Wege leiten. Nur eine direkte Rechtsauskunft können wir nicht geben.

Sie als Fachmann: In welchem Land scheidet sichs eigentlich am einfachsten?

Ich glaub in Deutschland kann man mittlerweile auch übers Internet scheiden. Ganz sicher bin ich mir nicht. Sicher aber in Amerika, dort geht das und ist auch ganz einfach.

Raten Sie Verliebten überhaupt noch zur Heirat?

Ja, sicher. Auch wenn Sie denken, ich dürfte das nicht sagen, weil dann meine Messe überflüssig wird (lacht). Wofür ich aber plädiere: Die Heiratswilligen sollten vom Standesbeamten mindestens ein Informationsblatt für ein Ehevorbereitungsseminar erhalten. So kann man sich zumindest darauf vorbereiten, welche Situationen in einer Ehe entstehen können. Wenn damit nur eine Ehe nicht geschieden wird, zahlt sich der Kurs schon aus.

Sind Sie geschieden?

Nein, ich bin glücklich verheiratet und habe ein Kind. Probleme gibts in meiner Ehe natürlich genauso wie in jeder Beziehung. Aber ich habe das Glück, dass wir darüber auch streiten können. Das hilft.

Und haben sie sich schon über die Scheidung informiert?

Nein, ich nicht. Bei meiner Frau weiss ichs nicht (lacht).

Marius Egger, 20minuten.ch

Zur Person:

Anton Barz, 37, kommt aus Wien. Er ist Messeveranstalter (und organisiert auch Hochzeitsmessen).

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