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Präsidenten-RankingScheiterten Grüne wegen blassem Führungsduo?

Die Co-Präsidentinnen der Grünen schneiden in einer Wählerbefragung schlecht ab. Die besten Noten erhalten die Präsidenten von SVP und FDP.

von
J. Büchi

Es war kein schöner Tag für die Grünen: Am Wahlsonntag verloren sie 1,3 Prozent Wähleranteil und damit vier ihrer bisher 15 Nationalratssitze. Im Interview mit 20 Minuten sagte Co-Präsidentin Regula Rytz: «Wir haben gewusst, dass es schwierig wird, doch wir haben das Maximum aus unseren Ressourcen herausgeholt.»

Offenbar reichte dieser Effort jedoch vielen aus der eigenen Basis nicht: Nur gut die Hälfte der grünen Wähler gab in der Tamedia-Nachwahlbefragung an, dass das Führungsduo Regula Rytz und Adèle Thorens einen «guten» oder «eher guten» Wahlkampf gemacht habe. Über alle Umfrageteilnehmer gesehen sind gar nur 16 Prozent dieser Meinung.

Brunner und Müller mit den besten Noten

Zum Vergleich: Dem SVP-Präsidenten Toni Brunner attestieren insgesamt 41 Prozent der Befragten und über 85 Prozent der eigenen Wählerschaft ein gutes Händchen im Wahlkampf. Bei FDP-Präsident Philipp Müller sind es 36 Prozent respektive 71 Prozent.

Etwa gleich zufrieden zeigen sich die Wähler von SP und CVP mit ihren Präsidenten. Etwa zwei Drittel ihrer Anhänger sind der Meinung, die Parteichefs Christian Levrat und Christophe Darbellay hätten ihre Botschaften geschickt platziert. Von allen Befragten finden dies jeweils knapp ein Drittel.

«Weniger Präsenz heisst weniger Bekanntheit»

Regula Rytz lässt den Vorwurf, einen schlechteren Wahlkampf als die Konkurrenz gemacht zu haben, nicht auf sich sitzen: «Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.» Die Bundesratsparteien hätten im ganzen Wahlkampf und vor allem in der entscheidenden Schlussphase in den Medien viel mehr Präsenz erhalten als die Grünen. «Weniger Präsenz heisst auch weniger Bekanntheit», so Rytz.

Allerdings werden auch immer wieder Stimmen laut, die die geringe Sichtbarkeit des Duos Rytz/Thorens auf das Modell des Co-Präsidiums zurückführen. So schrieb ein Journalist des «Tages-Anzeigers» im Frühjahr: «Sie haben das gleiche Problem wie alle Doppelspitzen: Sie sind eine Doppelspitze. Es fehlt eine starke Figur, das Gesicht der Partei. Kommt hinzu, dass Thorens und Rytz höfliche und zurückhaltende Menschen sind – und deshalb unter den lauten Brunners und Müllers und Levrats und Darbellays so wenig auffallen wie eine Zierpflanze in einem Swingerclub.»

Am Modell des Doppelpräsidiums will Rytz aber nicht rütteln: «Ich bin in der Westschweiz weniger bekannt als Adèle Thorens, und sie in der Deutschschweiz weniger als ich – im Team funktionieren wir aber sehr gut. Würden man unsere Bekanntheit zusammenzählen, dann würden wir Martin Landolt und Martin Bäumle klar überholen.» Zu den Präsidenten von BDP und GLP wurden die Umfrageteilnehmer für die aktuelle Studie nicht befragt.

An der Nachwahlbefragung nahmen zwischen dem 16. und dem 18. Oktober 39'828 Personen teil.

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