Too-big-to-fail-Presseschau: Schelte für UBS – Lob für Bundesrat
Aktualisiert

Too-big-to-fail-PresseschauSchelte für UBS – Lob für Bundesrat

Die Kommentatoren loben die Standfestigkeit des Bundesrates, die Grossbanken sicherer zu machen. Schelte gibts für UBS-Chefs Oswald Grübel und Kaspar Villiger.

von
hpa
UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hielt sich bedeckt - und erntet dafür Kritik.

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hielt sich bedeckt - und erntet dafür Kritik.

«Lobbying hier, Drohungen dort – weder die Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf noch der Bundesrat als Gremium liessen sich weichklopfen», kommentiert der «Tages-Anzeiger» die Massnahmen des Bundesrates. Am Mittwoch skizzierte die Finanzministerin, wie das Risiko der Grossbanken im Zuge einer Krise begrenzt werden kann. Dazu gehört eine erheblich höhere Eigenkapitalbasis sowie ein Notfallplan.

Unverständnis erntet vor allem die UBS: Ausgerechnet jene Bank, die dieses Land an den Rand des Abgrunds getrieben habe. Offenbar werde UBS-Chef Oswald Grübel von seinem hochgesteckten Ziel getrieben, im Jahr 2014 wieder 15 Milliarden Franken Gewinn einzufahren. Und weiter: «Wo aber ist eigentlich Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger? Wenn einer Verständnis dafür haben müsste, dass das Land Schweiz seine Volkswirtschaft gegen das Risiko Grossbanken absichern muss, dann ist es – sollte man meinen – der ehemalige Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements.» Doch Villiger überlasse in dieser Sache das Feld seinen Frontleuten, den Bankern.

Unbegründete Zukunftsängste

«Unbegründete Zukunftsängste der Grossbanken», titelte die «Neue Zürcher Zeitung». Die «Too big to fail»-Vorlage des Bundesrats halte sich an den Schlussbericht der Expertenkommission, stellt der Kommentator fest. UBS und Credit Suisse würden konkurrenzfähig bleiben. Die systemische Gefahr, die von einem potenziellen Zusammenbruch einer Grossbank ausgehe, sei in kaum einem anderen Land grösser als in der Schweiz. Beim Ausbruch der jüngsten Finanzkrise übertraf die kumulierte Bilanzsumme von UBS und CS das Schweizer Bruttoinlandprodukt um das 4,5-Fache und die Einnahmen des Bundes gar um das 40-Fache.

Die NZZ blickt in die Zukunft: «Vieles spricht dafür, dass die Vorlage des Bundesrats ohne grosse Änderungen Gesetzeskraft erlangen wird. Umso wichtiger muss es für die CS und UBS sein, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen. Beide Banken haben in der neuen Welt intakte Chancen, vorausgesetzt, dass sie die alte zügig hinter sich lassen.»

Bisher hätten die Grossbanken faktisch von einer Staatsgarantie profitiert, stellt «24 Heures» fest. Bis 2008 habe sich niemand daran gestört. Doch mit dem Ausbruch der Finanzkrise sei die Problematik deutlich geworden. Seither könne nicht mehr alles mit der Selbstregulierung gerechtfertigt werden.

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