Lieber Phil Geld: Schenkung von Eltern - eine gute Idee?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldSchenkung von Eltern - eine gute Idee?

Adrian (37) möchte Wohneigentum erwerben. Neben Bankkredit und eigenen Ersparnissen macht er sich Gedanken über eine mögliche Zuwendung seiner Eltern.

Schenkungen wie Erbvorbezüge sollen die Pflichtteile der anderen Erben nicht beeinträchtigen.

Schenkungen wie Erbvorbezüge sollen die Pflichtteile der anderen Erben nicht beeinträchtigen.

Lieber Phil Geld,

ich möchte eine Immobilie erwerben und hatte soeben eine erste Vorbesprechung mit einer Bank. Da meine Ersparnisse nicht sehr gross sind, prüfe ich auch andere finanzielle Geldquellen. Wie ratsam ist eine Zuwendung von Seiten der Eltern? Inwiefern würde eine Schenkung das spätere Erbe betreffen? Gibt es weitere Alternativen?

Lieber Adrian

Die Schenkung ist in der Tat ein geeignetes Mittel zur Eigenkapitalbeschaffung. Dabei sollten Schenkungen wie auch Erbvorbezüge die Pflichtteile der anderen Erben nicht beeinträchtigen. Zu den Definitionen: Die Schenkung ist eine Zuwendung, die unentgeltlich erfolgt. Ein Erbvorbezug ist eine lebzeitige Zuwendung eines Vermögenswertes an einen zukünftigen Erben, mit Anrechnung auf dessen Erbteil. Der Erbvorbezug ähnelt der Schenkung. Der Unterschied besteht aber darin, dass der Erbvorbeziehende beim Ableben des Erblassers den Betrag zurückbezahlen muss. Mit anderen Worten: Der Betrag wird also bei einem späteren Erbgang angerechnet. Liegt eine Schenkung weniger als fünf Jahre seit dem Tod des Schenkers zurück, so ist diese ebenfalls als Erbvorbezug anzusehen und zurückzuzahlen.

Was zu Recht Verwirrung stiftet: Auch wenn Schenkungen für einen Immobilienerwerb verwendet werden, gelten sie generell als Erbvorbezug. Sie müssten also ausgeglichen werden. Die Eltern müssen in diesem Fall explizit, das heisst schriftlich festhalten, dass die Zuwendung tatsächlich als Schenkung ohne Ausgleichspflicht betrachtet werden kann.

Allerdings können die Eltern mit einem Testament speziell begünstigen - solange die Pflichtteile der anderen künftigen Erben nicht beschnitten werden. Diese Freiheit hat dein Vater oder deine Mutter ungeachtet einer Schenkung. Wie sich die Pflichtteile und frei verfügbare Teile in deiner Familie verhalten, kannst du unter anderem hier berechnen: Dieser Sofort-Check zeigt die Verteilung des Nachlasses, wenn kein Testament erstellt wird und weist auf das Optimierungspotential hin (frei verfügbarer Anteil).

Alle Schweizer Kantone mit Ausnahme von Luzern erheben bei Schenkungen eine Schenkungssteuer. Diese hängt von der Höhe und der Ausgestaltung der Freibeträge der Erbschaftssteuer ab.

Eine weitere Möglichkeit der Eigenmittelbeschaffung ist ein (zinsloses) Darlehen. In einem solchen Darlehensvertrag wird neben der Summe häufig auch die Rückzahlungsmodalität geregelt. Eine weitere Option bildet die Bürgschaft. Dort ist ein Teil der realen Vermögenswerte als Sicherheit zu hinterlegen.

Für selbstbewohnte Immobilien dürfen auch Gelder der beruflichen Vorsorge (2. Säule) sowie der gebundenen Vorsorge (3a) angezapft werden. Insbesondere das Andocken von Geldern der beruflichen Vorsorge ist jedoch auch mit Risiken verbunden. Schliesslich wird so nicht nur die Altersvorsorge geschmälert. Auch Beiträge bezüglich Risikoversicherung wären tiefer.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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