Mars-Mission: «Schiaparelli» ist gelandet, schweigt aber
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Mars-Mission«Schiaparelli» ist gelandet, schweigt aber

Die Marssonde ist seit ihrer Landung verschollen. Die Raumfahrtsbehörde rätselt über den Grund dafür.

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ij
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Mars-Landegerät mit zu hoher Geschwindigkeit auf dem Roten Planeten aufgeschlagen. Model des Testmoduls in Darmstadt. (19. Oktober 2016)

Mars-Landegerät mit zu hoher Geschwindigkeit auf dem Roten Planeten aufgeschlagen. Model des Testmoduls in Darmstadt. (19. Oktober 2016)

Keystone/EPA/Uwe Anspach
«Das ist traurig, aber wir müssen feststellen, dass die Sonde nicht erfolgreich gelandet ist», sagte Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. (16. Oktober 2016)

«Das ist traurig, aber wir müssen feststellen, dass die Sonde nicht erfolgreich gelandet ist», sagte Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. (16. Oktober 2016)

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Dennoch habe man während des Landemanövers eine Menge wichtiger Daten sammeln können, hiess es von seiten der Raumfahrtbehörde: ESA-Chef Jan Wörner in Darmstadt.

Dennoch habe man während des Landemanövers eine Menge wichtiger Daten sammeln können, hiess es von seiten der Raumfahrtbehörde: ESA-Chef Jan Wörner in Darmstadt.

Keystone/Uwe Anspach/Pool Photo via AP

Das europäisch-russische Mars-Landemodul «Schiaparelli» ist offenbar gut durch die Atmosphäre gekommen, sendet aber weiterhin keine Signale von der Oberfläche des Roten Planeten. Die Atmosphärensonde TGO hingegen ist voll funktionsfähig.

Die Experten der europäische Raumfahrtagentur ESA betonten, dass das Manöver der Sonde TGO ein voller Erfolg war und die wissenschaftliche Mission von ExoMars damit gesichert sei. TGO hat zudem Sensordaten des Landemoduls Schiaparelli während dessen Abstiegs aufgefangen. Der Lander hörte jedoch rund 50 Sekunden vor dem berechneten Aufsetzen auf zu senden.

Die Datenanalyse brauche Zeit, um herauszufinden, was genau passiert sei, hiess es an einer Medienkonferenz der ESA. Die meisten Schritte des Abbremsmanövers nach dem Eintritt in die Atmosphäre haben gemäss der ersten Auswertung der von TGO aufgefangenen Daten funktioniert.

Triebwerke früher ausgefallen?

Über die letzten Schritte, nachdem sich Schiaparelli von seinem Fallschirm gelöst hat, also über das Abbremsen mit Triebwerken und das tatsächliche Aufsetzen, fehlen jedoch die Informationen.

Es scheine, dass die Triebwerke kürzer aktiv gewesen sein könnten als geplant, deuteten die ESA-Experten an. Das Landemodul könnte also von grösserer Höhe in freiem Fall auf die Planetenoberfläche gestürzt sein als vorgesehen. Dies ist bisher jedoch nicht durch Daten bestätigt.

Zeitfenster auf wenige Tage beschränkt

Auch die Satelliten «Mars Express» und «MRO» konnten von der Atmosphäre aus keine Signale von Schiaparelli nach dem Aufsetzen auffangen. Über die Wahrscheinlichkeit, dass das Landemodul noch intakt sei, seien derzeit keine Aussagen möglich, hiess es an der Medienkonferenz.

Man werde weiter versuchen, Kontakt mit Schiaparelli aufzunehmen. Das Zeitfenster dafür ist jedoch aufgrund der begrenzten Energieversorgung des Landers auf nur wenige Tage beschränkt.

Wichtige Daten gesammelt

Das Landemodul sei ein Test für die Landung eines Rovers voraussichtlich im Jahr 2020, betonten die Experten. Man habe dennoch eine Menge wichtiger Daten während des Landemanövers sammeln können.

Die Hauptsache sei, dass der TGO in der Umlaufbahn angekommen und voll funktionsfähig sei. Die wissenschaftliche Mission sei damit gesichert. TGO soll in der Atmosphäre nach Spurengasen suchen, die Hinweise auf vergangenes oder aktuelles Leben auf dem Mars liefern könnten.

An Bord befindet sich auch die an der Universität Bern entwickelte Stereokamera «CaSSIS», die voraussichtlich Ende November aktiviert werden soll, um die Marsoberfläche zu untersuchen. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann gratulierte der ESA per Twitter zur gelungenen Ankunft am Mars. (ij/sda)

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